Preisverdächtig: Die Mitarbeiter des Rietberger Unternehmens Horstmann-Freise Justin Schlüter (v.l.), Batuhan Türkmen, Andry Probst, Klaus Büker, Emre Kasapoglu, Lukas Börger, Mohamed Keita freuen sich mit Geschäftsführer Bernhard Horstmann, der am Steuer des Gabelstaplers sitzt, über das Zertifikat der Bundesagentur für Arbeit. Foto: Jens Dünhölter - © Jens Dünhölter
Preisverdächtig: Die Mitarbeiter des Rietberger Unternehmens Horstmann-Freise Justin Schlüter (v.l.), Batuhan Türkmen, Andry Probst, Klaus Büker, Emre Kasapoglu, Lukas Börger, Mohamed Keita freuen sich mit Geschäftsführer Bernhard Horstmann, der am Steuer des Gabelstaplers sitzt, über das Zertifikat der Bundesagentur für Arbeit. Foto: Jens Dünhölter | © Jens Dünhölter

Rietberg-Neunkirchen Metallverarbeitungsbetrieb Horstmann-Freise für Ausbildungsarbeit ausgezeichnet

Jens Dünhölter

Wenn Justin Schlüter als Auszubildender Metallbauer mit Fachrichtung Konstruktionstechnik in der Berufsschule über seinen Chef Bernhard Horstmann (47) spricht, bekommen seine Mitschüler große Ohren: Seit der Geschäftsübernahme im Jahre 2009 von seinem Vater Josef setzt der Inhaber des Metallverarbeitungsbetriebes Horstmann-Freise in Rietberg-Neuenkirchen im Arbeitsalltag auf flache Hierarchien. Die 14-Mitarbeiter große Firma mit ihren sechs Auszubildenden führt der Metallbaumeister nach dem Credo: “Man muss Motivation wecken, dann kommt auch was zurück“. Trotz seiner überwiegenden Bürotätigkeit trägt der Chef fast den ganzen Tag Blaumann. Auch der Umgangston untereinander lässt aufhorchen. Geschäftsführer, Gesellen und Lehrlinge verzichten auf die Höflichkeitsformel „Sie“. Im Betrieb am Rüschfeld 2 wird sich geduzt. Dies gilt ohne Ausnahme auch für die jüngsten Mitarbeiter des Betriebes. Auch von seinen Azubis lässt sich Bernhard Horstmann konsequent mit Du ansprechen. Er ist der festen Überzeugung: „Das baut Hürden ab. Solange der Respekt da ist, ist es völlig egal, wie man mich anspricht“. Ausbildung auf Augenhöhe Im Team kommt die Ausbildung auf Augenhöhe sowie der tägliche Dialog gut an. Justin Schlüter: „In einer kleinen Firma wie bei uns ist der Kontakt eben sehr viel persönlicher als in großen Unternehmen. Den Chef dort zu duzen wäre oft nicht möglich“. Nicht nur deshalb zeigt sich der Azubi im dritten Lehrjahr mit dem Stand seiner Berufsausbildung „sehr zufrieden“. Zum guten Betriebsklima trägt auch die Einbindung der Lehrlinge in den kompletten Arbeitsprozess bei. Bernhard Horstmann: „Die Lehrlinge sind von Anfang an in alle Arbeitsabläufe eingebunden, vom ersten Kundenkontakt bis zur Rechnungsstellung, vom Maßnehmen bis zur Montage“. Falls für eine praktische Prüfung gesondert gelernt werden muss, ist das auch kein Problem. Wenn es die Auftragslage hergibt, dürfen die Azubis auch während der Arbeitszeit löten oder Gewinde schneiden üben. Bernhard Horstmann: „Als Kleinhersteller im Bereich Industrie-Schlosserei arbeiten wir extrem dienstleistungsorientiert. Das ist keine Lehrwerkstatt. Bei uns muss jeder alles können“. Das funktioniert nur mit entsprechender Übung Das funktioniere nur mit entsprechender Übung. Er verlange seinen Lehrlingen zwar manchmal viel ab. Auch wenn diese nach der Gesellenprüfung nicht übernommen werden könnten, kämen sie ohne Probleme anderswo unter, sagt Horstmann. Dienstag Nachmittag bekamen Bernhard Hartmann und seine Angestellten den Ritterschlag für nachgewiesene exzellente Ausbildung verliehen. Thomas Richter, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit im Bereich Bielefeld-Gütersloh, überreichte vor Ort das „Ausbildungszertifikat der Bundesagentur für Arbeit“. Die Urkunde wird pro Ausbildungsjahr nur an einen Betrieb verliehen. Im Lehrjahr 2016/2017 setzte sich Horstmann-Freise gegen 100 Mitbewerber durch. Thomas Richter stellte unter anderem die hohe Ausbildungsquote von 40 Prozent als beispielhaft heraus. Firma hat den Ruf einer ausgezeichneten Ausbildungsstätte Thomas Richter: „Damit sie die Prüfung bestehen, bringt sich der Chef persönlich ein“. Dem verbalen Blumenstrauß nebst der überreichten Urkunde pflichtete auch Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder bei. Er sagte, dass die Firma den Ruf eines ausgezeichneten Ausbildungsbetriebes habe. Dies habe sich mittlerweile „im ganzen Dorf Rietberg-Neuenkirchen herum gesprochen. So gut das Lob auch tat, so hart muss Bernhard Horstmann im Alltag manchmal doch kämpfen: „Sechs Auszubildende sind die oberste Kante“. Speziell an Berufsschultagen seien gelegentlich „vier Leute gleichzeitig nicht da. Das merkt man gerade in einer kleinen Firma dann schon“. Nichtsdestotrotz fängt am 1. August der Auszubildende Nr. 7 bei Horstmann-Freise an. Auch auf ihn wird der Chef am ersten Tag mit den Worten zukommen: „Hallo, ich bin Bernhard“.

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