Spezialisten: Bis in die Abendstunden untersuchen Beamte der Spurensicherung den Tatort. Akribisch arbeiten sich die Männer in weißenOveralls Zentimeter für Zentimeter über das Grundstück abseits der Lipplinger Straße. - © Patrick Menzel
Spezialisten: Bis in die Abendstunden untersuchen Beamte der Spurensicherung den Tatort. Akribisch arbeiten sich die Männer in weißenOveralls Zentimeter für Zentimeter über das Grundstück abseits der Lipplinger Straße. | © Patrick Menzel

Rietberg Rietberg-Mord: Polen liefern Verdächtigen nicht aus

Für den Mord auf einem Bauernhof droht dem 46-Jährigen dennoch ein Prozess

Patrick Menzel

Rietberg. Nach dem Raubmord auf einem Bauernhof in Westerwiehe im November 2015 wird der in Polen gefasste dritte Tatverdächtige Piotr L. vorerst nicht nach Deutschland ausgeliefert. Ein polnisches Gericht hat die Überstellung des 46-Jährigen an die deutschen Behörden abgelehnt. Grund sind nach Angaben des Bielefelder Staatsanwaltes Christoph Mackel die Freiheitsstrafen von insgesamt etwa vier Jahren, die der Pole für diverse Delikte noch in seinem Heimatland zu verbüßen hat. Mackel ist dennoch zuversichtlich, L. für die Bluttat vor einem deutschen Gericht anklagen zu können. Denkbar nämlich ist, dass der Beschuldigte lediglich für die Dauer der Hauptverhandlung an die Bundesrepublik ausgeliefert wird und im Falle einer Verurteilung seine mögliche Freiheitsstrafe in einem polnischen Gefängnis absitzen muss. Ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an die Behörden im Nachbarland könne mit der Anklageerhebung gestellt werden. Die bereitet Mackel nun vor. Konkret werfen die Strafverfolger dem Beschuldigten vor, am Abend des 3. November 2015 gemeinsam mit seinen beiden bereits wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilten Komplizen Robert D. (47) und Artur T. (50) zum Bauernhof von Heinrich (64) und Werner S. (63) gefahren zu sein. Während T. den Ermittlern zufolge zunächst in der Nähe des Tatortes in seinem Auto wartete, drangen L. - Spitzname: "Der Terminator" - und D. in das Wohnhaus ein. Die beiden maskierten Männer gingen sofort auf die Brüder los und forderten Bargeld von ihnen. Werner S. händigte den Eindringlingen 700 Euro und seine Armbanduhr aus. Doch dies genügte den Tätern nicht: Einer der beiden Männer - vermutlich Robert D. - forderte den bereits schwer verletzten Senior auf, ihm das vermutete Bargeldversteck im Haus zu verraten. Weil Werner S. dies nicht preisgab, schlug der Angreifer ihn bis zur Bewusstlosigkeit, fesselte ihn und ließ ihn in seinem Blut in der Küche des Hauses liegen. Währenddessen misshandelte wahrscheinlich Piotr L. Heinrich S. in seinem Fernsehzimmer. Trotz massiver Folter verriet aber auch er nicht, wo im Haus Bargeld aufbewahrt wurde. Der Täter würgte Heinrich S. daraufhin bis zur Bewusstlosigkeit, Rettungskräfte konnten Stunden später nur noch seinen Tod feststellen. Piotr L. soll sich am Mittag nach der Tat mit einem Fernbus nach Polen abgesetzt haben. In seinem Heimatland tauchte er schließlich unter. Durch Zeugenaussagen konnten die Beamten der Mordkommission "Lippling" zwar relativ schnell seine Identität klären, auf die Spur kamen die deutschen und polnischen Behörden ihm trotz grenzübergreifender Zusammenarbeit jedoch nicht. Erst nach zwei Jahren hat die polnische Polizei L. im Spätsommer verhaftet. Seitdem sitzt er in seiner Heimat in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen der deutschen Ermittler hat er sich nach Angaben von Mackel bislang nicht eingelassen.

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