Ortstermin: Vor der Sitzung verschaffen sich die Mitglieder der zuständigen Fachausschüsse im Schulzentrum einen Überblick. - © Birgit Vredenburg
Ortstermin: Vor der Sitzung verschaffen sich die Mitglieder der zuständigen Fachausschüsse im Schulzentrum einen Überblick. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Krebserregende Gifte: Schulzentrum muss wegen PCB-Belastung saniert werden

Für die Entsorgung sind besondere Schutzvorkehrungen erforderlich

Rietberg. Egal ob Abriss oder völlige Entkernung: Die PCB-Sanierung des Schulzentrums kommt Rietberg teuer zu stehen. Allein für die Kernsanierung der Gesamtschule im Falle einer anschließenden Wiedernutzung veranschlagt Frank Heyder-Schumacher, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, Nettokosten von 1,11 Millionen Euro. Würde das Gebäude nach der Schadstoffbeseitigung vollständig abgerissen, lägen die Kosten bei 765.382 Euro. Für das Gymnasium fallen je nach Ausführungsvariante Nettokosten zwischen 844.067 und 636.647 Euro an. So oder so kostet die PCB-Sanierung die Stadt zwischen 1,95 und 1,4 Millionen Euro netto – mindestens. Denn weitere Ingenieurleistungen für die Planung und Bauleitung, messtechnische und analytische Leistungen sowie die Räumung, die Freischaltung der Medien und gegebenenfalls erforderliche Aufwendungen für Interimsmaßnahmen, die sich durch energetische Verbindungen mit anderen Gebäudeteilen ergeben, sind in der Kostenaufstellung nicht enthalten. Auch die Abrisskosten sind nicht berücksichtigt. „Laut Regelwerk muss eine notwendige Schadstoffsanierung auf jeden Fall vor einem Gebäudeabriss erfolgen", machte Heyder-Schumacher in den zuständigen Fachausschüssen deutlich. Die Maßnahme ist aufwendig. Damit es nicht zu Rekontaminationen durch PCB-belasteten Baustaub kommt, müssen die Baukörper der Gesamtschule und des Gymnasiums jeweils im Block saniert werden. Die Sanierungsbereiche sind sorgfältig von den unbelasteten Gebäudeteilen zu trennen. „Dies sicherzustellen, ist ein ziemlicher Aufwand", informierte der Experte. Der Arbeitsschutz sei dabei ebenso zu beachten, wie der Schutz Dritter, Auflagen hinsichtlich des Umweltschutzes und der Entsorgung. „Für das Recycling sind die kontaminierten Baustoff-Abfälle absolut tabu. Sie müssen in speziellen Anlagen verbrannt werden", betonte Heyder-Schumacher. In der Vorgehensweise müssen die einzelnen Sanierungsbereiche mit Folienwänden staubdicht abgeschottet, die Innenluft gefiltert werden, bevor sie nach außen abgeführt wird. Die Sanierungsbereiche sind nur über Personenschleusen zugänglich und auch das demontierte Material wird über eigene Schleusen nach außen befördert. Messungen haben ergeben, dass die PCB-Belastung der Raumluft im Schulzentrum den als „langfristig tolerabel" anzusehenden Richtwert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft in vielen Bereichen überschreitet. Untersuchungen im März und Juli 2014 haben Werte bis zu 1.110 Nanogramm ermittelt. Heyder-Schumacher: „Laut PCB-Richtlinie NRW müssen die Quellen bei Messwerten zwischen 300 und 3.000 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft mittelfristig beseitigt werden". Bei Werten über 3.000 Nanogramm PCB seien akute Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen. Zu den Primärquellen zählen fast alle Fugenmassen. Die Gifte sind auch in tragende Betonteile und Betonoberflächen eingedrungen. „Wir haben Kontaminationen bis zu zwei Zentimeter Tiefe", so Heyder-Schumacher. Auch die Lackierungen an Heizkörpern, Türzargen, Treppengeländern und dem Deckensystem der Aula, aber auch  Anstriche an Betonoberflächen und Klinkerwänden, die Fußbodenoberflächen und das Abdichtungsmaterial der Fenster seien kontaminiert. Ebenso die außenliegende Waschbetonfassade.

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