Spezialisten: Bis in die Abendstunden untersuchen Beamte der Spurensicherung den Tatort. Akribisch arbeiten sich die Männer in weißen Overalls Zentimeter für Zentimeter über das Grundstück abseits der Lipplinger Straße. FOTOS: PATRICK MENZEL - © Patrick Menzel
Spezialisten: Bis in die Abendstunden untersuchen Beamte der Spurensicherung den Tatort. Akribisch arbeiten sich die Männer in weißen Overalls Zentimeter für Zentimeter über das Grundstück abseits der Lipplinger Straße. FOTOS: PATRICK MENZEL | © Patrick Menzel

Rietberg Die Mörder kamen kurz vor Mitternacht

Bluttat: Zwei Brüder sind in ihrem Haus von maskierten Männern attackiert worden - einer von ihnen überlebte den Überfall nicht. Nach der brutalen Tat herrscht in Westerwiehe Entsetzen

Patrick Menzel

Rietberg. Der rote Klinkerbau liegt abgeschieden inmitten von Wiesen und Feldern. Eine lange Hofeinfahrt führt auf das weitläufige Anwesen. Bis zur Lipplinger Straße sind es gut 250 Meter, bis zum nächsten Haus ist es mindestens ebenso weit. Ein Streifenwagen sichert die Zufahrt zu dem einsamen Gehöft. Hier wurden am späten Dienstagabend der 64-jährige Heinz S. brutal getötet und sein ein Jahr jüngerer Bruder Werner S. schwer verletzt. Hinter der Absperrung parken Einsatzfahrzeuge der Polizei, Männer in weißen Overalls schreiten einen Grünstreifen ab, Medienvertreter stellen ihre Kameras auf. Der 74-jährige Wilhelm G. steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite, blickt auf die Szenerie, schüttelt den Kopf. "Ne, ne, ne, dass so etwas in unserem Örtchen passiert. . ." Maskierte Männer drangen in das Haus ein So etwas - mit diesen Worten beschreibt der Rentner den brutalen Überfall auf das in Westerwiehe sehr bekannte und beliebte Bruderpaar. Was die Ermittler der Polizei bisher wissen, ist ein Horrorszenario: Demnach sind am späten Dienstagabend mehrere maskierte Männer in das Wohnhaus der beiden Junggesellen eingedrungen. Mit aller Gewalt gehen sie zuerst auf Heinz S. los. Als Werner S. - offenbar alarmiert von den Hilfeschreien seines Bruders - nachsehen will, attackieren die Eindringlinge auch ihn. Trotz schwerer Verletzungen gelingt dem 63-Jährigen die Flucht. Blutüberströmt schleppt er sich zu einem Auto und fährt los. Mit letzter Kraft erreicht S. wenige Minuten vor Mitternacht die Tür des Nachbarhauses, klingelt und berichtet von der Bluttat. Die Nachbarn verständigen sofort die Polizei. Als die Beamten am Tatort eintreffen, ist Heinz S. bereits tot - unbestätigten Meldungen zufolge haben ihn die Täter brutal erstochen. Nachbarn wollen erfahren haben, dass seine Leiche gefesselt war. Die Polizei bestätigt das bislang nicht. Werner S. kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, er schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Zeitgleich leiten die Beamten die Fahndung nach den Tätern ein. Doch die Mörder können entkommen. In welche Richtung sie geflohen sind, ist nach Worten von Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer bislang allerdings völlig unklar. "Wir suchen dringend Zeugen, die Dienstagabend verdächtige Personen oder Fahrzeuge rund um den Tatort beobachtet haben", so die Beamtin. Das Motiv bleibt unklar Ebenso unklar ist das Motiv der Täter. Gerüchte, wonach die Männer im Haus nach Geld gesucht haben, weist Landwehrmeyer als "Spekulation" zurück. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Selbstverständlich können wir einen Raub nicht ausschließen", sagt sie. In Westerwiehe verbreitete sich die Nachricht von dem Überfall wie ein Lauffeuer. Die beiden Brüder, die seit dem Tod der Eltern alleine mit zwei kleinen Hunden auf dem Hof leben, sind in dem kleinen Örtchen sehr bekannt. Werner S. betreibt auf dem Anwesen eine Autowerkstatt, sein Bruder Heinz hat sich um die Bewirtschaftung der Flächen rund um den Hof gekümmert. "Zwei wirklich nette und äußerst zuvorkommende Männer", sagt eine Nachbarin. Sie begreife nicht, wie man Menschen so etwas antun könne. Es sei furchterregend, was hier geschehen ist, sagt die Frau. Nach NW-Informationen soll Werner S. vor einigen Jahren bereits in seiner Werkstatt überfallen worden sein. Mit einer Eisenstange - so erzählt man sich - soll er den Täter jedoch erfolgreich in die Flucht geschlagen haben.

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