Phil Seeboth zeigte seine Qualitäten als famoser Alleinunterhalter. - © FOTOS: WILHELM DICK
Phil Seeboth zeigte seine Qualitäten als famoser Alleinunterhalter. | © FOTOS: WILHELM DICK

Rheda-Wiedenbrück Wieder einmal den alten Reckenberg gerockt

Open-Air-Festival im Schatten des Kreishauses bietet Blues, Rock und Funk vom Feinsten / Als Hintergrundbeschallung zu schade

Rheda-Wiedenbrück (ick). Einmal mehr den guten alten Reckenberg gerockt haben die Freunde von Blues, Rock und Funk bei der vierten Auflage des beliebten Open-Air-Festivals im Schatten des alten Kreishauses. Gut und gern vierstellig pro Abend dürfte deren Zahl gewesen sein, so dass Veranstalter Filippo Speranza nach viel Wetter-Unbill in den Vorjahren diesmal "rundum happy" war.

Besonders der Freitag Abend trug viel zum Gelingen bei. Ein spätsommerlich laues Lüftchen war so ganz nach dem Geschmack des Publikums, das an diesem Abend bis Mitternacht ausharrte. Eher ruhig war das Festival gestartet: etwas für Hinhörer. Wie ein einzelner Musiker, lediglich mittels seiner Stimme und famosen Gitarrenspiels, zu fesseln vermag, zeigte Phil Seeboth aus Münster.

Ein Vorprogramm, das durchaus das Zeug zu mehr hatte. Seeboths Trumpf: Der gekonnte Blick zurück. Er spielte Musik, die schon veröffentlicht war, "als ich noch gar nicht auf der Welt war". Er huldigte Größen wie Bob Dylan oder Van Morrison, streifte die "Easy Rider"-Ära und zeigte sich auch in Tom Pettys Oeuvre bewandert.
Dass sich Italiener nicht allein auf "bella canzone" verstehen, bewiesen "Morblus", im Norden des Stiefels daheim. Bei dem Quartett war fetziger Funk angesagt. Was sich allein schon gut hätte tragen können, erfuhr durch den Auftritt von Sydney Ellis noch eine Steigerung. Die 66-Jährige aus West Virginia beherrscht sämtliche Spielarten des Blues, von klassisch bis urban.

Zwar meinte es Petrus mit Speranza am zweiten Abend weniger gut, doch blieb es trocken, so dass auch da der Reckenberg dicht gefüllt war. Dieser Abend gehörte der "Soul Family" aus Münster. Eine Großfamilie: Für die zwölfköpfige Kapelle war die große Bühne schon fast zu klein. Zumal die vier Frontleute sich durchaus als extrem tanzfreudig erwiesen. Für die Leute im weiten Rund indes weit weniger "tanzbar" als für die Akteure auf der Bühne – ein Publikum, das so leicht nicht aus der Reserve zu locken ist.

Zumal sich auch bei der vierten Auflage das alte Leid solcher Veranstaltungen zeitigte: Zu vielen gilt sehen und gesehen werden als primäres Ziel des Kommens, zu viele lassen ihrem Mitteilungsbedürfnis ungehemmt freien Lauf. Zu wenige lauschen aufmerksam den Künstlern, die sich nach Kräften mühen, ihr Bestes abzuliefern. Einmal mehr die Schlussfolgerung: Für bloße Hintergrund-Beschallung ist das, was dieses Festival bietet, einfach viel zu schade. Da reichte Lala vom Band. . .

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