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Der Blödel-Fachmann Karl Dall trat im Reethus als "Der Opa" auf. - © FOTO: ROLF BIRKHOLZ
Der Blödel-Fachmann Karl Dall trat im Reethus als "Der Opa" auf. | © FOTO: ROLF BIRKHOLZ

Rheda-Wiedenbrück "Der Opa" nörgelt sich durch das Leben

Vergnüglicher Bühnenmonolog von Karl Dall

VON ROLF BIRKHOLZ
30.04.2013 | Stand 28.04.2013, 22:15 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Mit einem seniorengerechten Golf-Wägelchen fährt Karl Dall vor. Wer das erreicht, denkt sich der Breitensportler, wird zufrieden und gemächlich auf sein Dasein blicken. Gemächlich tut Dall das erwartungsgemäß wohl. Aber zufrieden kann einer wie er natürlich nie sein. In der Titelrolle des Bühnenmonologs "Der Opa" nörgelte sich der Blödelspezialist im Reethus durch das Leben eines Mannes unter besonderer Berücksichtigung von Altersbeschwerden.

Und die reichen in etwa von Sehen (nicht mehr gut) bis Aussehen (immer noch nicht gut). Nicht mehr genügend funktionieren auch das Gedächtnis, der Haarwuchs, die Ehe. Dies und das.

Aber schlimmer scheint für den alten Herrn in dem von Bjarni Haukur Thorsson geschriebenen, von Dall in eine deutsche Fassung gebrachten und textlich auf sich zugeschnittenen Stück (Regie, soweit Dall sich regieren lässt: Corny Littmann) der Stress mit der häufigen Betreuung seiner Enkel zu sein. Dem entflieht er mit seiner Frau nach Mallorca, um dort ganz "bei sich anzukommen" - und sich von bildungsfernen kindereichen Hotelnachbarn umstellt zu sehen.

Im (anfangs etwas kühlen) Reethus sitzen dem 72-Jährigen an die 550 Besucher gegenüber. Er, der sich auch gern selbst auf die Schippe nimmt, spricht sie mit Du an, geht zweimal in den Saal, stellt sich vor ("Heiße Karl, bin auch kahl"), fragt nach dem Herkunftsort, versteht "Clarholz" als "Klauen" – so ähnlich sprechen manche hier diesen Ort ja aus – , nennt die wenig auskunftsfreudigen Leute "Plaudertaschen".

Er selbst ist ein bedächtiges Plappermaul geblieben seit den Blödel-Barden-Tagen mit Insterburg & Co., von denen allein Dall sich dauerhaft auf der Erfolgsschiene halten konnte. Ein Schauspieler ist er aber trotz einiger Filme nicht geworden: Ohne Witz nichts los auf der Bühne. Schlau den Blöden zu geben, ist weiter sein Talent, das ihm sprachlich, wortklanglich allzu nahe Liegende auszusprechen, sein Ding. Ein windschnittiges Rollator-Exemplar wird unbedingt zum "windschlüpfrigen".

Ja, schlüpfrig darf es, soll es sein bei diesem Ostfriesen. Er, nicht nur er, pflegt jene Unterleibhaftigkeit, die Jugendliche in den 70ern sich abwenden ließ vom Spaßverständnis in Opas Kino und Opas Fernsehunterhaltung. Vielleicht haben sie sich durch das unkonventionelle Auftreten der Insterburgs und anderer blenden lassen.

Karl Dall war in diesem Sinne wohl damals schon Opa.

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