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Abschied: Clemens Tönnies legt sein Amt bei Schalke 04 nieder. Den Helm hatte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende der "Knappen" zum Aus des Steinkohlebergbaus aufgesetzt. - © picture alliance/dpa
Abschied: Clemens Tönnies legt sein Amt bei Schalke 04 nieder. Den Helm hatte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende der "Knappen" zum Aus des Steinkohlebergbaus aufgesetzt. | © picture alliance/dpa

Schalke bestätigt Tönnies tritt als Schalkes Aufsichtsratschef zurück

Nicht erst seit dem Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik im Kreis Gütersloh steht Clemens Tönnies als Schalke-Boss in der Kritik. Nun zieht er Konsequenzen.

30.06.2020 | Stand 30.06.2020, 20:34 Uhr

Gelsenkirchen (dpa). Die Ära Clemens Tönnies auf Schalke ist beendet. Der umstrittene Aufsichtsratschef tritt beim sportlich und wirtschaftlich in Not geratenen Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 von seinen Ämtern zurück. Der Revierclub bestätigte am Dienstag entsprechende Meldungen nach einer turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung.

„Wir wissen, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist, daher gebührt ihr unser höchster Respekt", sagten Sportchef Jochen Schneider und Marketing-Vorstand Alexander Jobst in einer gemeinsamen Erklärung. Darin verwiesen beide auf die Verdienste von Tönnies, der zuletzt aber massiv in die Kritik geraten war.

"Werde Schalke ein Leben lang verbunden bleiben"

„Es war mir stets eine Ehre, diesem großen Klub über ein Vierteljahrhundert dienen zu dürfen. Und es erfüllt mich mit Dankbarkeit und etwas Stolz, dass ich von den Mitgliedern immer wieder als Aufsichtsrat bestätigt wurde. Selbstverständlich werde ich dem FC Schalke 04 - ein Leben lang - verbunden bleiben", schrieb Tönnies selbst in seinem Rücktrittsgesuch an den Club.

Die Beziehung zwischen Clemens Tönnies und dem FC Schalke 04 hatte im Jahr 1994 begonnen. Wenige Monate zuvor, Anfang Februar, war sein Bruder Bernd, mit dem er das Tönnies-Unternehmen leitete, mit Hilfe des früheren FDP-Politikers Jürgen Möllemann ins Präsidentenamt des traditionsreichen Revierclubs gehievt worden. Bernd Tönnies folgte seinerzeit Klinik-Besitzer und „Sonnenkönig" Günter Eichberg, der den Bundesliga-Verein fast in den Ruin getrieben hatte. Bernd Tönnies konnte das Amt jedoch nur knapp fünf Monate lang ausüben. Er starb am 1. Juli 1994 in Münster.

Noch auf dem Sterbebett hatte Bernd seinen um wenige Jahre jüngeren Bruder Clemens gebeten: „Kümmere dich um Schalke!". Für Clemens Tönnies war das Versprechen zunächst eine Verpflichtung. Schnell wurde daraus aber eine Herzensangelegenheit. Im selben Jahr wurde er in den Aufsichtsrat gewählt. 2001 löste er Möllemann als Vorsitzender des Gremiums ab. Er war bis 2022 gewählt.

Beim 64 Jahre alten Fleisch-Unternehmer war es in seinem Betrieb zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Erst am Samstag hatten parallel zum letzten Saisonspiel der Schalker beim 0:4 beim SC Freiburg rund 1000 Fans auf dem Vereinsgelände gegen den mächtigen Schalke-Boss demonstriert.

Tönnies war seit 1994 Mitglied im Kontrollgremium des Clubs und stand diesem seit 2001 vor. In dieser Zeit wurde Schalke dreimal Pokalsieger, fünfmal Vize-Meister und spielte zehnmal in der Champions League. Zuletzt wurden die sportlichen und wirtschaftlichen Probleme aber immer größer. In der Saison 2018/2019 stieg Schalke beinahe ab. In der soeben abgelaufenen Spielzeit träumte der Club nach überragender Hinserie unter Trainer David Wagner von der Rückkehr in den Europapokal, stürzte in der Rückserie aber jäh ab.

Der Club steckt auch in einer finanziellen Krise

Nach 16 sieglosen Spielen am Stück beendete Schalke die Saison nur auf Rang zwölf. Schon vor der Corona-Krise wuchsen die Verbindlichkeiten auf fast 200 Millionen Euro an. In seiner Not soll der Club eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt haben, um den Fortbestand zu sichern.

Hinzu kam der Ärger um Tönnies, der sich immer heftiger entlud. Am Eingang der alten Schalker Glückaufkampfbahn prangte zuletzt ein Banner mit der Aufschrift: „Keine Ausbeuter bei S04 - Tönnies Raus!" Und an einer Brücke und am Bauzaun des alten Parkstadions gab es Plakate mit gleichlautenden Rücktrittsforderungen. Und: „Keine Rassisten auf Schalke!"

Schon im vergangenen Jahr hatte Tönnies den Großteil der Fans mit umstrittenen Äußerungen zu Afrikanern verärgert. Diese waren ihm als rassistisch ausgelegt worden.

Zuletzt hatte auch Erstliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld seine Zusammenarbeit mit dem Fleischkonzern Tönnies aufgekündigt.

Weitere Informationen folgen.

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