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Leere Parkplätze: Der Non-Food-Disconter Action am Feldhüserweg öffnet am Donnerstag für die Kunden. Er hat einen Mietvertrag über zehn Jahre für die Immobilie abgeschlossen. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Leere Parkplätze: Der Non-Food-Disconter Action am Feldhüserweg öffnet am Donnerstag für die Kunden. Er hat einen Mietvertrag über zehn Jahre für die Immobilie abgeschlossen. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Action eröffnet am Donnerstag in Rheda-Wiedenbrück

Neun Jahre hat es gedauert, bis die neue Non-Food-Filiale am Feldhüserweg ihre Tür für die Kunden aufschließen konnte. Jetzt ist es aber soweit. Der Projektentwickler berichtet, warum es solange gedauert hat.

Marion Pokorra-Brockschmidt
11.09.2019 | Stand 12.09.2019, 11:48 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Jahrelang gewartet hat Hans-Georg Bruns auf die Eröffnung des Non-Food-Discounters Action. Mit der Planung des Verkaufsgebäudes am Feldhüserweg hat der Projektentwickler im Jahr 2010 begonnen. Am Donnerstag öffnet das Geschäft. "Darüber bin ich froh", sagt Bruns, der wegen seiner Erfahrungen Investoren eher abrät, nach Rheda-Wiedenbrück zu kommen. Bruns, Inhaber der Firma "Bruns Immobilien GmbH & Co. KG", hatte im Auftrag des Eigentümers des Grundstücks am Feldhüserweg vor neun Jahren erste Gespräche mit einem Textilfachmarkt und einem Non-Food-Discounter geführt. "Das war nicht Action." Das Grundstück liegt in dem Plangebiet 349 Hauptstraße / Ringstraße. Dafür sollte ein Bebauungsplan aufgestellt werden, so der Aufstellungsbeschluss des Rates am 9. Dezember 1999. "Daran wurde aber von der Stadtverwaltung neun Jahre nicht gearbeitet, sodass es am 20. November 2008 einen weiteren Aufstellungsbeschluss im Bauausschuss gab", so Bruns. Ein Bebauungsplan sei auch dann nie erstellt worden. "Hätte die Stadt 1999 einen Bebauungsplan aufgestellt, hätte sie viel steuern können - heute entscheidet der Markt", sagt Bruns. Urteile sahen den Großflächenmarkt Hit als Vorbild Am 29. Juli 2011 wurde ein Bauantrag eingereicht, der am 19. Oktober 2011 von der Stadt zurückgestellt wurde. Zusätzlich wurde eine Veränderungssperre verhängt. Die nutzte die Politik als Blockadeinstrument, um bis zum Abschluss der weiteren Planungen in der Verwaltung zu verhindern, dass sich innenstadtschädlicher Einzelhandel im Bereich der Hauptstraße ansiedeln konnte. Da sei auf Zeit gespielt worden, sagt der Projektentwickler. Drei weitere Veränderungssperren seien gefolgt, "in Teilen rechtswidrig". Vier Klagen, auch von weiteren Investoren in dem Gebiet zwischen der Autobahn und dem Westring, zwischen der Ring- und der Hauptstraße habe die Stadt verloren. Die Urteile hätten sich jeweils auf das Plangebiet 349 bezogen, die den Großflächenmarkt Hit als Vorbild sahen, in dem auch zentrenrelevante Sortimente wie Textilien, Schreib-, Spiel- oder Haushaltswaren genehmigt sind. Weil Paragraf 34 Baugesetzbuch auch den Verkauf dieser Waren in der Umgebung regele, "war für uns immer klar, dass wir eine Genehmigung bekommen, weil wir unterhalb einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern liegen", sagt Bruns. Seine Klage auf Erteilung einer Baugenehmigung war erfolgreich. Sie wurde im Juni 2017 erteilt. Einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen Daraufhin nahm er den Kontakt zu den vorherigen Mietinteressenten auf und führte auch Gespräche mit Action. "Mit dem Unternehmen wurden wir schnell einig." Das sei bereits seit einigen Jahren auf der Suche nach einem Standort in Rheda-Wiedenbrück gewesen. Action hätte auch schon signalisiert, an der Kolpingstraße eine Filiale eröffnen zu wollen. Das aber "war von der Politik in der Stadt so nicht gewollt", sagt der Projektentwickler. Er und der Non-Food-Discounter schlossen für den Laden am Feldhüserweg einen Mietvertrag über zehn Jahre mit der Option einer Verlängerung um weitere 15 Jahre. Nach einem Änderungsantrag bei der Stadt wegen technischer Details im Baukörper, begannen die Bauarbeiten im April 2019. Was andere "Kommunen in neun Monaten schaffen", so Bruns' Erfahrungswerte, habe in Rheda-Wiedenbrück extrem lange gedauert. "Die Stadt hat es in zwei Jahrzehnten nicht geschafft, Bebauungspläne an der Hauptstraße rechtssicher zu fixieren", sagt er. Zwischenzeitlich ließ die Stadt das zweite Einzelhandelskonzept erstellen. Entschieden hatte die Politik darüber 2014, der Auftrag an einen externen Gutachter folgte im März 2015, verabschiedet hat es der Rat im Dezember 2017. Geschützt werden sollen damit die Geschäfte in den Innenstädten von Rheda und Wiedenbrück. Die Stadt lege Investoren "extrem viele Steine" in den Weg. Eigentümer, die sich auf das Baurecht verließen, würden quasi enteignet, sagt Bruns. "Das Problem aber ist, dass das Baurecht nie gestaltet wurde", meint der Projektentwickler, dass sich die Stadt "quasi in einem rechtsfreien Raum des Bebauungsplanes 349 bewegt". "Ebenso gilt es, die Kaufkraft vor Ort zu halten" Doch gebe es in den Innenstädten keine Läden mit Verkaufsflächen, an denen Händler interessiert seien. So weiß Bruns von dem Drogeriemarkt dm, der gerne zusätzlich zum vorhandenen Standort in Rheda eine Filiale in Wiedenbrück eröffnen würde - mit einer Ladenfläche von 900 Quadratmetern. Der Schuhhändler Deichmann wolle ebenso nach Rheda-Wiedenbrück wie das Unternehmen Müller-Drogerie/Kaufhaus. Wie berichtet hält auch der Lidl Ausschau nach einer Fläche in Rheda. Aldi sucht ebenfalls nach einem Standort, um sich in Wiedenbrück zu vergrößern. Weitere namhafte Händler seien an Rheda-Wiedenbrück interessiert, sagt Bruns. Weitere Flächen gäbe es entlang der Hauptstraße. So möchte der Besitzer des Areals der ehemaligen Firma Wonnemann auf dem Eckgrundstück Hauptstraße/Westring investieren. Vis-à-vis errichtet Burckhard Kramer als Investor derzeit einen Schenke-Markt. Auch dort, wo die ehemalige Baumarkt-Filiale Max Bahr steht, sollen Geschäfte entstehen. In der Entwicklung ist Einzelhandel zudem an der Kolpingstraße. Dort hätten sich Rewe und Rossmann bereits Flächen gesichert, "um das Zentrum von Rheda zu stärken". Für Bruns wachsen an der Hauptstraße beide Stadtteile zusammen - auch durch die neue Stadthalle. Er meint, dass Rheda-Wiedenbrück weiteren Einzelhandel verträgt, weil "es eine wachsende Stadt mit einer starken Wirtschaftskraft ist, die kerngesund ist. Ebenso gilt es, die Kaufkraft vor Ort zu halten". Dass er potenziellen Investoren dennoch eher abrät, sich in Rheda-Wiedenbrück niederzulassen, begründet er damit, "dass in den anderen Städten rundum vieles schneller passiert, aber man hier mit aller Macht versucht, Ansiedlungen zu verhindern".

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