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Friedhelm Koch - © Screenshot: WDR-Lokalzeit
Friedhelm Koch | © Screenshot: WDR-Lokalzeit

Kritik an Fleischbranche CDU-Mittelstandspolitiker: Tönnies macht Profit mit "Sklaverei"

Sigrun Müller-Gerbes
16.08.2019 | Stand 17.08.2019, 17:22 Uhr

Paderborn. Der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) in Paderborn, Friedhelm Koch, hat Fleischfabrikant Clemens Tönnis in scharfem Ton attackiert und ihn indirekt als Sklavenhalter bezeichnet. Für einen Rassisten hält er den Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück dagegen nicht. In Deutschland gebe es noch zwei Branchen, "die Sklaverei haben", sagte Koch in der WDR-Lokalzeit: "Die eine ist die Prostitution, die andere die Fleischzerlegung". Tönnies betreibe dieses Geschäft zwar nicht selber, "aber er lässt es betreiben von rumänischen Subunternehmern", sagte der Malermeister aus Paderborn. Beschäftigten würden da beispielsweise "schon einmal 200 Euro vom Lohn abgezogen für ein Bett in einer überfüllten Wohnung". Um diese Zustände müsse sich Tönnies kümmern, forderte Koch. Denn: "Man baut seinen Reichtum nicht auf dem Unglück anderer Menschen auf." Gewerkschaft spricht von Ausbeutung Die Gewerkschaft Nahrungsmittel Genuss Gaststätten (NGG) hat noch andere Zahlen: Für ein Bett in einem Zwei- bis Vierbettzimmer seien sogar eher 250 bis 270 Euro fällig, berichtet NGG-OWL-Geschäftsführer Armin Wiese. Von "Sklavenarbeit" will der Gewerkschafter zwar nicht sprechen, die Zustände in den Subunternehmen seien aber sehr wohl "Ausbeutung". Menschen würden nicht nach Deutschland verkauft, aber doch für sehr viel Geld vermittelt. Um überhaupt einen Arbeitsvertrag zu bekommen, müssten Fleischzerleger in der Heimat bereits kräftig zahlen - Vermittlungsgebühren und Transport würden in Rechnung gestellt. Wiese: "Da verdienen eine Menge Leute an der Armut der Menschen in Osteuropa." Speziell das Unternehmen Tönnies tut aus Sicht der NGG zu wenig für Arbeitnehmerrechte: "Tönnies weigert sich seit Jahrzehnten, mit uns als Gewerkschaft auch nur zu reden über Tarifverträge." Afrika-Bemerkung "kein Rassismus" Die Rassismus-Vorwürfe, wegen derer Tönnies seit dem Tag des Handwerks vor zwei Wochen in der Kritik steht, kann der streitbare CDU-Mann Koch dagegen nicht nachvollziehen. Die Äußerungen - Tönnies hatte gesagt, man solle in Afrika Kraftwerke finanzieren,  „dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren" - seien "fahrlässiges, dummes Gerede". Dafür aber habe sich der Unternehmer aber glaubwürdig entschuldigt. Wenn Tönnies ein Rassist sei, "wie wollen wir dann Menschen bezeichnen, die als Glatze in Dortmund ,Neger klatschen'?", fragt Koch polemisch. Um dann weitere Kritik an Tönnies anzubringen: Er persönlich habe sich bewusst dagegen entschieden, die Veranstaltung in Paderborn zu besuchen - wegen der Zustände in der Fleischbranche, aber auch wegen Tönnies' Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, "der ein internationaler Giftmischer und Mörder ist." Das Unternehmen Tönnies wollte sich zu den Vorwürfen gegen den Unternehmenschef nicht äußern.

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