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Guten Morgen: Eva Meintrup freut sich über den ersten Nachwuchs auf ihrem Hof. Sie begrüßt den kleinen Ferdi und seine Mutter Lena. - © Waltraud Leskovsek
Guten Morgen: Eva Meintrup freut sich über den ersten Nachwuchs auf ihrem Hof. Sie begrüßt den kleinen Ferdi und seine Mutter Lena. | © Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück Erster Alpaka-Nachwuchs in Rheda-Wiedenbrück geboren: Fohlen Ferdi ist da

Die Rheda-Wiedenbrückerin Eva Meintrup ist erst seit kurzem Hofeigentümerin. Die Landwirtin setzt auf Tiere, die ursprünglich aus Peru kommen.

Waltraud Leskovsek
15.08.2019 | Stand 15.08.2019, 16:26 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Irgend etwas ist anders als sonst. Das spürt Eva Meintrup gleich, als sie um 6 Uhr aufsteht. Noch im Pyjama geht sie zur Wiese und kann es kaum fassen. Am frühen Morgen ist ein kleiner Alpakahengst auf ihrem Hof geboren worden. Es ist der erste Nachwuchs in ihrer Herde für die 30-jährige junge Landwirtin, die seit dem 1. Juli 2019 offiziell Hofeigentümerin des Anwesens Meintrup ist. Sie nennt ihn Ferdi. Seit Mai hat Meintrup eine elf Tiere große Alpakaherde auf ihrem Hof. Sie ist froh, dass die Stute Lena schon einmal ein Junges zur Welt gebracht hat und genau weiß, was sie tun muss. Die Geburt verlief ohne Komplikationen. Die Landwirtin reibt das Junge noch mit Stroh ab. Dann melkt sie das Muttertier ein wenig an, damit die Milch fließt. Auch die Nabelschnur versorgt sie. "Ein bisschen so wie wir Frauen auf Partys" Was zu tun ist, hat sich die 30-Jährige angelesen. „Ich war total aufgeregt, weil die Praxis ja immer ein wenig anders aussieht, als es in Büchern beschrieben ist." Doch Lena sei toll, ganz souverän. Schon zwei Stunden später spazieren Mutter und Sohn über die Wiese. Ab und an trinkt der Nachwuchs einen Schluck Milch und schaut sich erst neugierig um. Als würde die Stute ihrem Nachwuchs sein neues Zuhause zeigen, so gehen sie die Wiese ab, schnuppern mal hier und mal dort. Auch die Herde kommt an den Zaun, um den neuen Nachwuchs zu begrüßen. Doch wie kommt eine junge Landwirtin, die International Management studiert hat und dann noch ihren Master in Agrarwirtschaft absolviert hat dazu, Alpakas zu halten? „Die Tiere sind ungewöhnlich, aber unglaublich hinreißend und zutraulich auch besonders Kindern gegenüber", erzählt sie. Sie habe sich sofort in sie verliebt. Die Tiere sind nicht so groß, dass sie Furcht einflößen, sind eher auf Augenhöhe. Ihren Ursprung haben sie in Peru. Dort leben rund 3,5 Millionen Alpakas. Aber auch hierzulande werden sie inzwischen gerne gehalten. Sie sind unkompliziert, auf ihre Art lustig, sehr sozial und sauber. Für ihr Geschäft sucht sich die Herde ein bis zwei Ecken auf einer Wiese - und meistens gehen sie zusammen. „Ein bisschen so wie wir Frauen auf Partys", schmunzelt Meintrup. Die Herde soll auf 30 Tiere erweitert werden Sie wollte ihre Wiese kurz halten. Schafe wollte sie keine. Die Entscheidung für die Alpakas bereut sie nicht. Von ihrer Terrasse aus kann sie die Herde beobachten. "Das wirkt sehr beruhigend." Die Landwirtin hat noch viel vor mit der jungen Mutter Lena, dem Nachwuchs Ferdi, dem gefräßigen Schlingel, der rot gelockten Nutella und dem unzertrennlichen schwarz-weißen Duo Charlotta und Einstein. Gerne würde sie Alpakas züchten. Der Anfang ist ja auch schon gemacht. Meintrup möchte die Herde auf 30 Tiere erweitern. Einmal wurden die Tiere bislang bei ihr geschoren. Alpakawolle ist kostbar und sehr gefragt. Weil sie Kälte wärmt und im Sommer thermoregulierend wirkt, ist sie gerade als Oberbettfüllung begehrt. Meintrup möchte demnächst Produkte direkt vermarkten. Sie hat den Kopf voller toller Ideen, weil die Landwirtschaft sich generell verändert habe. "Jeden Tag erneut ins kalte Wasser springen" Man müsse sich zusätzliche Standbeine suchen, um zu bestehen, sagt sie einige Wochen nach ihrem Schritt in die Selbstständigkeit. Sie habe es als Quereinsteigerin und als Frau in einer männergeprägten Branche nicht immer leicht. „Irgendwie muss ich jeden Tag erneut ins kalte Wasser springen." Doch ist die 30-Jährige ehrgeizig, zielstrebig, zupackend und lässt sich nicht unterkriegen. Mit den Alpakas sieht Meintrup sich auf einem guten Weg. Was sich daraus ergibt, das müsse man sehen. Kindergeburtstage könnten auf dem Hof gefeiert werden, weil die Tiere eine magische Anziehungskraft auf Kinder ausüben. Auch Veranstaltungen für gestresste Erwachsene oder Menschen mit Therapiebedarf kann sich die Unternehmerin vorstellen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst mal möchte sie den Hof wieder auf Vordermann bringen und ausbauen. Und dabei immer mal wieder nach Ferdi und den anderen schauen.

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