Christine Spitzberg (v.l.), Claudia Müller und Iris Hansel vom Aktionsbündnis Rheda-Wiedenbrück gegen rechten Hass. - © Marion Pokorra-Brockschmidt||
Christine Spitzberg (v.l.), Claudia Müller und Iris Hansel vom Aktionsbündnis Rheda-Wiedenbrück gegen rechten Hass. | © Marion Pokorra-Brockschmidt||

Rheda-Wiedenbrück Rheda-Wiedenbrück zeigt sich solidarisch: "Wir sind mehr!"

Fünf Frauen haben einen friedlichen Marsch von Wiedenbrück nach Rheda initiiert. Er soll zeigen, dass sich die Stadt einheitlich für Demokratie stark macht

Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück. Viele Menschen sprechen über die Vorkommnisse in Chemnitz, auch Iris Hansel und ihr Mann. Doch blieb es nicht bei deren Gedankenaustausch und der "Erschütterung, dass die Rechten so viele Menschen auf die Straße kriegen", so die 54-Jährige. Sie gründete mit vier Freundinnen das "Aktionsbündnis Rheda-Wiedenbrück gegen rechten Hass!". Hansel lädt mit Klaudia Ellebracht, Claudia Müller, Gisela Schmidt und Christine Spitzberg am Mittwoch, 12. September, zu einem friedlichen Marsch ein, um ein Zeichen zu setzen "für Demokratie, Vielfalt und Toleranz und gegen Gewalt". Der Start ist um 17 Uhr am Historischen Rathaus. Es geht über Lange Straße, Hauptstraße und Berliner Straße zur Kundgebung mit Reden auf dem Rathausplatz. "Die Rechten sind nur aktiver" Die Frauen zwischen 44 und 64 Jahren haben dem Friedensmarsch mit "Wir sind mehr!" betitelt. Sie sind überzeugt, dass die Mehrheit im Land für Demokratie und eine bunte Gesellschaft ist. Sie wollen nicht weggucken, wenn andere versuchen, Werte der Demokratie kaputt zu machen. "Die Rechten sind nur aktiver", meint Hansel, dass diese das friedliche Miteinander unterwandern wollen. Sie hat sich gefragt, "wo wir, die Mehrheit, sind". Eine Antwort hat sie bei Freunden und Bekannten gefunden. Auch sie sind besorgt über den Rechtsruck in Europa. Auch sie wollen für demokratische Werte, "die unserer Generation ein gutes Leben in Frieden und Freiheit bescheren, aufstehen", sagt Hansel. Bürgermeister will eine Rede vor dem Rathaus halten Eine Antwort bekam sie auch von den im Stadtrat vertretenen Parteien, die sie angeschrieben hat. "Sie finden unseren friedlichen Marsch super, haben ihre Unterstützung und Teilnahme zugesagt." Dasselbe positive Feedback gab es von der Stadtverwaltung, die geholfen hat, die Versammlung ordnungsgemäß anzumelden. Bürgermeister Theo Mettenborg habe zugesichert, eine Rede vor dem Rathaus zu halten. "Es ist gut, dass er die Aktion als erster Bürger der Stadt unterstützt", sagt Müller. Politisch engagiert sind die fünf Frauen nicht, "wir machen das rein privat". Dass sie auf ihrem Flyer mit roter Schrift verkünden "Demokratie braucht keine Alternative", sei eine bewusste Doppeldeutigkeit, sagt Müller. Sie hat beim Altstadtfest Flyer des Aktionsbündnisses verteilt. "Und 99 Prozent der Leute haben positiv reagiert, nur einer hat die Nase gerümpft." "Viele Politiker spielen mit der Angst vor Fremden" Gefragt wurde sie, ob sie glaube, dass es in der Stadt einen braunen Mob gebe. Das glaubt sie nicht. Doch ist es ihr und ihren Mitstreiterinnen wichtig, "dass es in Rheda-Wiedenbrück als einer von vielen Städten in Deutschland auch gar nicht erst so weit kommt". Die Frauen wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es weder den Deutschen, noch den Ausländer gibt. Pauschalierungen seien gefährlich. Jeder, der hier lebt, hat Rechte und Pflichten. "Viele Politiker aber spielen mit der Angst vor Fremden", meint Müller. Integration funktioniere aber nur, wenn beide Seiten daran arbeiteten. Auch Menschen aus der Umgebung sind willkommen Durch ihre Arbeit für den friedlichen Marsch haben die Frauen eine Initiative ergriffen, "auf die viele warten", hat Hansel in E-Mails gelesen. Sie hat keine Ahnung, wie viele Menschen an der Demonstration teilnehmen werden. "Wir hoffen, dass viele aufstehen für die Demokratie in diesem Land, dass sie zeigen, dass das Thema wichtig ist und dass es uns alle angeht." Auch Menschen aus der Umgebung seien willkommen, gerne mit Transparenten. Hansel hat eines mit einem Zitat von Kofi Annan, ehemaliger UN-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger, vorbereitet: "Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit." Weitere Infos per E-Mail an iris@hansel-wd.de

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