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Prozess: Silviu B. schilderte in der Verhandlung seine Sicht auf die Ereignisse, deretwegen er sich nun vor dem Bielefelder Landgericht verantworten muss. - © Jens Reddeker
Prozess: Silviu B. schilderte in der Verhandlung seine Sicht auf die Ereignisse, deretwegen er sich nun vor dem Bielefelder Landgericht verantworten muss. | © Jens Reddeker

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld Arbeiter ist wegen Vergewaltigung angeklagt

Prozess: 46-Jähriger soll seine Ex-Freundin schwer misshandelt und sexuell genötigt haben. Der Prozess wird fortgesetzt

Nils Middelhauve
31.08.2018 | Stand 30.08.2018, 21:54 Uhr

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld. Wort- und tränenreich schilderte Silviu B. (Namen aller Betroffenen geändert) in der Verhandlung seine Sicht auf die Ereignisse, deretwegen er sich nun vor dem Bielefelder Landgericht verantworten muss. Der 46-jährige rumänischstämmige Werksarbeiter ist angeklagt, im vergangenen Jahr seine ehemalige Freundin schwer verletzt und vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von folgendem Geschehen aus: Im vergangenen Jahr war Silviu B. mit einer Arbeitskollegin, der aus Litauen stammenden Birute T. (46), liiert. Eine Zeit lang bewohnten sie ein gemeinsames Zimmer in Herzebrock. Dort kam es im September 2017 zu einem Streit, in dessen Verlauf der kräftig gebaute Angeklagte die ihm körperlich unterlegene Frau mehrfach mit den Fäusten schlug und ihr dabei zwei Rippen brach. Birute T. beendete daraufhin die Beziehung und zog aus der gemeinsamen Wohnung aus. Der Angeklagte ging auf einen Zeugen los Kurz vor Weihnachten überredete B. die 46-Jährige, gemeinsam mit ihm Weihnachten zu verbringen. Am frühen Morgen des 24. Dezember begaben sie sich nach der Arbeitsschicht von Birute T. in die Arbeiterunterkunft in Rheda-Wiedenbrück, in der der Angeklagte mittlerweile lebte. Dort verschloss er hinter sich die Zimmertür und begann, der Frau ihre Kontakte zu anderen Männern vorzuhalten. In der Folgezeit schlug er immer wieder auf sie ein und vergewaltigte sie mehrfach. Einen Teil des Geschehens filmte er mit seinem Handy. Das gesamte Geschehen zog sich über drei Stunden hin. Birute T. erlitt durch die Übergriffe unter anderem Serienrippenbrüche von mindestens vier Rippen mit einer Punktion der Lunge. Als Silviu B. schließlich eingeschlafen war, gelang es der lebensgefährlich verletzten Frau, aus dem Zimmer zu fliehen. Sie bat einen Mitbewohner des Angeklagten, die Polizei zu verständigen. Der Angeklagte erwachte und ging nun auf den hilfsbereiten Zeugen los. Dieser erlitt durch Schläge blutende Kopfverletzungen, eine Mittelgesichtsfraktur sowie ein stumpfes Bauchtrauma und musste ebenfalls operiert werden. Ein weiterer Kollege hatte mittlerweile die Polizei verständigt, die dem Geschehen ein Ende bereitete. »Schuld waren meine Eifersucht und der Alkohol« In der gestrigen Verhandlung räumte B. ein, seine Freundin - seiner Darstellung nach waren die beiden zu jener Zeit immer noch ein Paar - am 24. Dezember im alkoholisierten Zustand ein paar Mal geschlagen zu haben. Der Schlag gegen die Rippen sei jedoch ein Versehen gewesen. Der Sex sei hingegen einvernehmlich gewesen. Der Auslöser für seine Gewaltausbrüche soll gewesen sein, dass er T. kurz zuvor beobachtet habe, wie sie einen anderen Mann küsste. "Schuld waren meine Eifersucht und der Alkohol", gab er zu Protokoll. Allerdings sei seine Freundin alles andere als eine Heilige gewesen, fügte er hinzu. Nicht ohne Selbstmitleid fuhr er fort: "Ich habe alles verloren. Ich habe einen Fehler gemacht. Aber aus Liebe." Der Prozess wird am 4. September fortgesetzt.

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