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Verwaltungsgebäude: Etwa 16 Beamte rückten zu dem Sitzstreik vor dem Rathaus in Rheda-Wiedenbrück aus. - © Jens Reddeker
Verwaltungsgebäude: Etwa 16 Beamte rückten zu dem Sitzstreik vor dem Rathaus in Rheda-Wiedenbrück aus. | © Jens Reddeker

Rheda-Wiedenbrück Irakische Familie tritt im Rheda-Wiedenbrücker Rathaus in den Sitzstreik

Verwaltung holt die Polizei zur Hilfe, um den Protest zu unterbinden

Marion Pokorra-Brockschmidt
09.09.2016 | Stand 12.09.2016, 07:26 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Einen Sitzstreik haben acht Mitglieder einer irakischen Familie Irak Donnerstagmorgen im Rathaus von Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) begonnen. Weil sie trotz mehrfacher Aufforderung von Verwaltungsmitarbeitern das Foyer nicht räumen wollten, wurde die Polizei um Hilfe gebeten. Als Grund für den Sitzstreik nennt die Stadtverwaltung die Unzufriedenheit der Familie mit einer angebotenen Wohnung. Zum Hintergrund: Ein Mann aus dem Irak lebt sei einigen Jahren in der Stadt. Sein 43-jähriger Bruder kam im Rahmen einer Familienzusammenführung nun vorerst allein nach, mit einem Visum. "Er ist kein Asylbewerber", so Pressesprecherin Maximiliane Plöger. Inzwischen hat der 43-Jährige seine Frau und seine sechs Kinder nach Deutschland geholt. Die Familie lebt in der 60 Quadratmeter großen Wohnung des Bruders, sucht aber eine neue Bleibe. Mit diesem Anliegen hat sich der Vater an die Abteilung Integration gewandt, die mit dem Wohnungsamt half, weil die Familie von Obdachlosigkeit bedroht war. Denn die Wohnung des Bruders sei zu klein gewesen und die Unterbringung der Familie dem Vermieter nicht recht gewesen, sagte Plöger auf Nachfrage. "Glücklicherweise konnten sie in ein kurzfristig zur Verfügung stehendes Mietobjekt einziehen", so Plöger. Doch habe diese Wohnung, "die ausreichend groß für acht Personen ist", nicht den Erwartungen der Familie entsprochen. Sie seien gestern erneut im Integrationsbüro gewesen, das aber keine andere Wohnung zur Verfügung hat. Die Familie trat in den Sitzstreik. Angriff auf einen Polizisten Da sie auf die Bitte, das Foyer zu verlassen, nicht regierte, wurde die Polizei um Unterstützung gebeten. Wegen der unklaren Sachlage seien acht Streifenwagenbesatzungen ausgerückt, sagte Karl-Heinz-Stehrenberg, Polizeipressesprecher. Auch der Aufforderung der etwa 16 Beamten, den Sitzstreik zu beenden, sei die Familie nicht gefolgt. Zudem soll der 43-Jährige einen Polizisten angegriffen haben. "Er wurde vorläufig festgenommen und zur Wache gebracht, um seine Personalien festzustellen", so Stehrenberg. Gegen den Mann wurde eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte geschrieben. Die Polizei habe auch die Mutter mit den sechs Kindern zu dem ihr zur Verfügung gestellten Wohnhaus gefahren, informiert Plöger. "Für die Familie war das eine sehr bedauerliche Situation. Wir hatten nur die Möglichkeit, ihnen das kurzfristig zur Verfügung stehende Mietobjekt anzubieten", meint Bürgermeister Theo Mettenborg zu dem Vorfall. Das Verhalten der Polizei nennt er "sehr umsichtig". Sie habe sich "trotz der Eskalation durch den Vater der Familie sehr zugewandt verhalten".

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