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Grau in grau: Josef Hunold und Bettina Kramer. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Grau in grau: Josef Hunold und Bettina Kramer. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück "Der Zauberer von Oz" Musical-Premiere im Reethus

Zuschauer tauchten in die bunte Geschichte ein

Marion Pokorra-Brockschmidt
21.05.2016 | Stand 20.05.2016, 20:54 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Ein Weg aus gelben Steinen führt durch das Foyer des Reethus' direkt in die zauberhafte Welt des Musicals. "Der Zauberer von Oz" wartet auf das gespannte Publikum, dessen Erwartungen nach den vorherigen Produktionen der Musical-Fabrik hoch sind. Die werden nicht enttäuscht. Bei der Premiere bejubeln die Zuschauer auch die neue Inszenierung mit stehenden Ovationen, minutenlang. Grau ist es anfangs auf der Bühne. Ein kleines Farmhaus unter einem düsteren Himmel bildet die Kulisse für Dorothys herzzerreißendes Weinen. Die Waise fühlt sich von Tante und Onkel nicht nur unverstanden. Nun will ihr eine böse Nachbarin ihren besten Freund wegnehmen. Das ist der putzige Hund Toto (unauffällig geführt von der Puppenspielerin Finja Steinmeier.) Das Mädchen flieht. Es gerät in einen Wirbelsturm, der nicht nur das Dach des Hauses beben lässt, sondern Dorothy weit weg bringt, in ein fernes Land über dem Regenbogen. So niederdrückend der Beginn des Musicals mit Kulisse, Kostümen und Mimenspiel ist, so fröhlich und bunt ist es in der Stadt der Munchkins. Dort strahlt Glinda (Jutta Helmer), die gute Hexe voller Fröhlichkeit, ganz in Weiß. Da empfangen fantasievoll, bis ins Detail liebevoll kostümierte Kinder Dorothy. Deren Darstellerin Ina Vogel hat ihre anfängliche Nervosität verloren, spricht und singt sicher, ist in ihrer Hauptrolle angekommen. Die 18-Jährige ist eine Laiin auf der Bühne - so wie die anderen. Sie alle spielen mit Enthusiasmus und großer Leidenschaft, reißen die Zuschauer mit. Die lassen sich gerne entführen in die fantasievolle Welt. In der singt die spaßige und drollige Vogelscheuche (Sebastian Elmers) davon, dass ihr ein bisschen Hirn fehlt. In der klagt der Blechmann (Felix Büscher) nach der Verabreichung von Öl mit schmelzender Stimme über sein fehlendes Herz. In der hat ein imposanter Löwe (Rob Vriens) einen charmanten niederländischen Dialekt, aber keinen Mut. Das Trio begleitet Dorothy auf ihrem abenteuerlichen Weg zum Zauberer, verfolgt von der bösen und schrill keifenden Hexe des Westens (Bettina Kramer). Sie hat es auf die magischen roten Schuhe von Dorothy abgesehen. Dorothy und ihre sympathischen Begleiter wandern durch eine schlichte und spartanische, flexible Kulisse, in der Landschaften auf Vorhängen erscheinen, in der kleine Requisiten die Bühne verwandeln; in der Apfelbäume mit Früchten werfen; in der Mohnblumen die Schauspieler kurzzeitig einschläfern, währen das Publikum sie hellwach genießt. Dessen Augen gehen fast über bei der Ankunft der vier Freunde in der Smaragdstadt. Die Zuschauer erleben eine Explosion in Grüntönen, mit umwerfenden Kostümen, an denen man sich kaum satt sehen kann, so vielseitig und kreativ sind sie. Und dann erscheint er endlich, "Der Zauberer von Oz" (Jörg Berhorst). Und entpuppt sich als ein Schwindler, aber als ein sehr netter - immerhin gibt er dem Löwen Courage. Es ist das Zusammenspiel aller Akteure - von den zackigen Winkies und den frechen fliegenden Affen auf der Bühne über das Orchester und die Techniker vor der Bühne bis zu den Maskenbildnern und Dressern hinter der Bühne. Sie alle machen das Musical zu einem märchenhaften Vergnügen, das in der ersten Staffel der Aufführungen rund 3.000 Besucher erleben dürfen. Die stehenden Ovationen gelten am Ende allen, die am Musical von "Der Zauberer von Oz" mitwirken. Wie eine große Familie stehen sie auf der Bühne und freuen sich. Ihnen ist es gelungen, so viel Freude, Fröhlichkeit und Vergnügen zu vermitteln, dass man immer wieder sehr gerne mit Dorothy und den anderen den Weg über die gelben Steine gehen möchte. Und all den Mitwirkenden müsste für ihre herausragenden Leistungen eigentlich ein dicker roter Teppich ausgerollt werden. 155 Aktive haben ein Jahr lang geprobt 155 Aktive wirken am Musical „Der Zauberer von Oz" mit. Sie haben ein Jahr lang geprobt. Beteiligt sind 18 Hauptdarsteller (zwei Besetzungen à neun Rollen), 24 Nebendarsteller, 24 Kinder, 22 Musiker, 55 Techniker, Dresser, Kulissenbauer, Näher und mehr sowie 12 Personen im Leitungsteam. Gesamtleitung: Klaus und Bettina Wulfheide; Regie: Benjamin Lenert; Bühnenbild: Guido Erlenkötter; Choreographie: Anja Gailus-Scheffbusch; Vocal-Coaching: Barbara Grohmann-Kraaz; Technik: Michael Altemark. Das Musical basiert auf dem Kinderbuch von Lyman Frank Baum. „The Wonderful Wizqard of Oz" erschien 1900. Die erste deutsche Übersetzung gab es 1940. Das Märchen wurde einige Male verfilmt – als bekannteste gilt „Das zauberhafte Land" von 1939 mit Judy Garland in der Rolle der Dorothy. Der Verein Musical-Fabrik, gegründet Ende 2012, zeigt das Musical erneut vom 8. bis 11. September. Karten gibt es bei der Flora, Tel. (05242) 93010. www.musical-fabrik.de

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