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Mittendrin: Die Künstlerin Christel Lechner zwischen ihren Skulpturen. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Mittendrin: Die Künstlerin Christel Lechner zwischen ihren Skulpturen. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Die Alltagsmenschen sind wieder da

Zum elften Mal quer durch die Stadt verteilt

Marion Pokorra-Brockschmidt
22.03.2016 | Stand 21.03.2016, 20:01 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Die ersten Fotos von den Alltagsmenschen, die zum elften Mal in Wiedenbrück tanzen, in den Himmel gucken oder speisen, haben zwei Familien aus Syrien und dem Irak gemacht. Sie seien "beautiful" und "very nice" sagen sie begeistert - und sind nicht die einzigen. "Wunderschön, Ihre Figuren", meint ein Passant im Vorbeigehen zu der Künstlerin Christel Lechner, die die Betonskulpturen erschaffen hat. Im Durchschnitt wiegen die rund 80 Figuren 95 Kilogramm. Sie wurden in ihrem Winterlager in Decken gepackt und mit 7,5-Tonnern in die Stadt transportiert. Mit Sackkarren wurden sie zu ihren Standorten gebracht. "Auch wenn die Figuren schwer zu fassen sind, sie haben ja keine Griffe", lachte Lars Effertz. Er war mit acht Leuten rund zehn Stunden damit beschäftigt, alle Figuren aufzustellen. Das große Tanzpaar, das auf der Schanze steht, bekam eine Sonderbehandlung: Die 250 Kilogramm-Figuren wurden mit einem Kran über die Büsche gehoben. Eine Herausforderung war auch der stolze Koch in der Gruppe "Das große Fressen", weil er mindestens 150 Kilogramm auf die Waage bringt. Es posiert mit der Tischgesellschaft auf einem Podest auf dem Marktplatz. "Die wollten mal wieder in der Mitte des Geschehens sein, nicht abseits", erklärte Lechner augenzwinkernd den Wechsel der Inszenierung von der Marktpassage vor das historische Rathaus. Sie erstellt jedes Jahr ein neues Konzept für die Figuren, "damit die vielen Besucher von Wiedenbrück nicht immer dasselbe vorfinden." Gemeinsam mit Ute Ehlert von der Burckhard Kramer Stiftung, die die Ausstellung ermöglicht, "sind wir sehr bemüht, das dynamisch und lebendig zu halten", sagte die 68-jährige Künstlerin, die ihr Atelier in Witten hat. Sie hat die Inszenierung "Horrido", einen Schützenthron, wieder mitgebracht. 2015 hätte sie die auf einer von fünf Ausstellungen zunächst in Telgte und dann auf Schloss Augustusburg bei Dresden gezeigt. "Aber hier fühlen sich die Alltagsmenschen am wohlsten, hier ist ihre Heimat." Das gilt auch für die Tanzgruppe. Die Paare drehen sich in der Marktpassage - mit Blick auf den Kirchturm von St. Aegidius. "Ich achte sehr auf die Ausrichtung der Figuren", betonte Lechner. Neu ist die Gruppe "Männer" an der Langen Straße. Dort mag manchem der ein oder andere Alltagsmensch bekannt vorkommen. Jetzt im grauen Anzug, standen zwei der Herren in den Vorjahren im weißen Anzug vor dem historischen Rathaus. Lechner spricht auch über "die wichtigste Figur" in der aktuellen Ausstellung: ein Franziskaner. "Es ist das erste Mal, dass ich einen Pater gemacht habe." Das geschah auf einen besonderen Wunsch hin. Wer den geäußert hat, das sagt die Künstlerin aber nicht. So viel aber verrät sie: Die Figur ist einem im Kloster lebenden Franziskaner nachempfunden, und zwar Bruder Ferdinand, verantwortlich für die Pflege des Klostergartens.

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