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Kommen aus Bielefeld: Die Flüchtlinge, zugewiesen von der Zentralen Ausländerbehörde, sind in Bussen angereist. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Kommen aus Bielefeld: Die Flüchtlinge, zugewiesen von der Zentralen Ausländerbehörde, sind in Bussen angereist. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück 200 Asylsuchende sind in der Sporthalle der Osterrath-Realschule untergebracht worden

Marion Pokorra-Brockschmidt
12.08.2015 | Stand 11.08.2015, 21:55 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Es war selbstverständlich für Muhammad Alhamwi, zu helfen. Er war einer von vielen Helfern, die gestern Männer, Frauen und Kinder, die aus Krisengebieten geflohen sind, an der Sporthalle der Osterrath-Realschule begrüßten. Der 27-Jährige ist selbst vor zehn Monaten als Asylsuchender aus Syrien nach Deutschland gekommen. Gestern fungierte er als Dolmetscher. Ärzte, Sanitäter, Verwaltungsmitarbeiter, Polizisten, Sicherheitskräfte und Freiwillige kümmerten sich um die Flüchtlinge. Die ersten trafen um kurz nach 16 Uhr ein. Hieß es kurz zuvor noch, dass wohl überwiegend allein reisende junge Männer kommen würden, zeigte sich bei der Ankunft der Busse, dass auch Familien mit kleinen Kindern in der Sporthalle untergebracht werden - getrennt nach Männern und Frauen und so lange, bis für sie ein Platz in einem zentralen Auffanglager frei wird. Von 19 jungen Freiwilligen des Deutschen Roten Kreuzes aus Gütersloh bekamen die Gäste, so der offizielle Sprachgebrauch des Rathauses, Getränke. Sie waren, informiert durch Freunde oder soziale Medien, gekommen, um zu helfen, neue Erfahrungen zu sammeln, "jetzt, wo das Flüchtlingsproblem so nah ist", sagte Theresa Kaussen. Keine Informationen lagen der Stadt über Herkunftsländer der Asylsuchenden vor, ob sie medizinisch untersucht oder registriert worden waren. Die Unsicherheiten vor Ort seien darin begründet, "dass die Zuständigkeiten kompliziert sind", sagte Andreas Moseke, Sprecher der Bezirksregierung Detmold. Die Unterbringung der Flüchtlinge sei als Aufgabe auf Land, Ausländerbehörden und Kommunen aufgeteilt. "Vor Ort geht es darum, den Alltag zu organisieren." Ärzte - einer vom DRK und vier Freiwillige - nahmen das so genannte Eingangsscreening vor, um Infektionskrankheiten auszuschließen. Die Umkleidekabinen waren zu Untersuchungsräumen umfunktioniert worden. Laut Maximiliane Plöger, Pressesprecherin der Stadt, seien der Bitte um Unterstützung mehr Mediziner gefolgt, "als wie je erwartet hätten". Mitarbeiter des Rathauses registrierten die Gäste. Auf nummerierten Bändchen wurden ihr Name, ihr Geburtsdatum und ihre Nationalität vermerkt. Dann wurde ihnen ein Bett zugewiesen. "Hier bleibt heute keins leer", meinte Heinz-Dieter Bremehr, Leiter des Ordnungsamtes. Und die Männer, Frauen und Kinder erhielten Hygieneartikel. "Wir haben alles da", so Bremehr, "auch Kuscheltiere". Aufgebaut wurden zu den Sanitäranlagen in der Turnhalle auf einer Wiese Chemietoiletten. Mit der Anlieferung von zwei Mehrzweckcontainern für Waschbecken und als Materiallager rechnet die Stadt Donnerstag. "Die sind derzeit Mangelware", so Plöger. Gesperrt bleibt die Turnhalle für Unbefugte. Darauf weisen Schilder hin. Das Gelände rund um die Turnhalle aber ist offen. "Hier kann sich jeder frei bewegen", so Plöger. Das gilt für die Gäste ebenso wie für die Kinder und Jugendlichen im Schulzentrum, deren Unterricht nun wieder beginnt. "Über die Gegebenheiten sind die Schulleitungen informiert", sagte Bremehr. Das DRK, das bereits die Notunterkunft in Gütersloh aufgebaut hat und betreibt, tut das auch in Rheda-Wiedenbrück. Projektleiter ist Michael Ossenkemper, die Unterkunft in der ORS leitet Herbert Ewers. Essen liefert ein Caterer aus Gütersloh. Die Flüchtlinge speisen im Geräteschlauch der Sporthalle, die mit Biergarnituren in eine Kantine umgewandelt wurde. Für die Sicherheit der Asylsuchenden sorgt rund um die Uhr ein Privatunternehmen. Auch die Polizei zeigt Präsenz und machte sich ein Bild. Ein Beamter lobte, dass die Stadt "sehr positiv damit umgeht", und das "sehr erfahrene DRK".

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