Großzügig: Marianne Hanhart und weitere Familienangehörige der Erbengemeinschaft haben dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg bisherige Dauerleihgaben des Künstlers Hubert Hartmann geschenkt. Manfred Schumacher, Vorsitzender des Heimatvereins, hier bei der Unterzeichnung des Schenkungsvertrages, ist dafür dankbar. - © FOTO: GUITANO DARHOVEN
Großzügig: Marianne Hanhart und weitere Familienangehörige der Erbengemeinschaft haben dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg bisherige Dauerleihgaben des Künstlers Hubert Hartmann geschenkt. Manfred Schumacher, Vorsitzender des Heimatvereins, hier bei der Unterzeichnung des Schenkungsvertrages, ist dafür dankbar. | © FOTO: GUITANO DARHOVEN

Rheda-Wiedenbrück Lebenswerke unterm Hammer

Wiedenbrücker Hartmann-Künstlerhaus wird mitsamt Inventar versteigert

Guitano Darhoven

Rheda-Wiedenbrück. Ein um die Jahrhundertwende erbautes Künstlerhaus mit Atelier und Nebengebäuden auf einem 1.900 Quadratmeter großen Grundstück mit einem Aufruf von 485.000 Euro, eine Wanduhr aus dem 18. bis 19. Jahrhundert ab 400 Euro, vom akademischen Bildhauer angefertigte originale Gipsmodelle kirchlicher Würdenträger ab 100 Euro - bei der Nachlass- und Immobilienauktion auf dem Grundstück des bekannten Bildhauers Hubert Hartmann geht es am kommenden Samstag und Montag (18. und 20. April) an der Rietberger Straße 19 um rund 600 Gegenstände. Veranstaltet wird die Auktion von Detlef Jentsch, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Versteigerungen aus Gütersloh. Nicht aufgelistet sind in dem umfangreichen Versteigerungskatalog eine hölzerne Madonna sowie eine König-Christus- und eine Heilige-Elisabeth-Skulptur, das Bronzerelief "Die Schöpfung" und ein Bronzekorpus, den der bekannte Bildhauer und Kirchenkünstler Hubert Hartmann von sich selber angefertigt hat. Diese Gegenstände wurden 2008 als Dauerleihgabe von der Ehefrau des Bildhauers, Mathilde Hartmann, dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg überlassen. Zusammen mit zahlreichen Skizzen, Zeichnungen und Fotos aus der mehr als 50-jährigen Tätigkeit im Atelier Hartmann hat Marianne Hanhart aus Harsewinkel, die mit Antonius Everding und Annette Mai die Erbengemeinschaft bildet, dem Heimatverein diese Dauerleihgaben nun geschenkt. "Wir haben niemals damit gerechnet, dass wir überhaupt etwas bekommen - und nun hat sich alles ganz anders ergeben", berichtete Marianne Hanhart. Da sei es mehr als Recht, dass auch der Heimatverein mit dieser Schenkung berücksichtigt werde. Nach dem testamentarisch bestimmten Willen der Witwe des im Juli 2006 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Hubert Hartmann, Mathilde Hartmann, die hochbetagt im Oktober 2014 starb, sollte der Heimatverein ursprünglich das altehrwürdige, aber auch schwer sanierungsbedürftige Backsteingebäude mitsamt des Ateliers und Inventars erben. Die Bedingung: Es sollte als Museum weitergeführt werden. Weil dem Verein das finanzielle Risiko zu groß war, die personellen Kapazitäten fehlten und auch von Seiten der Stadt keine Unterstützung zugesagt wurde, musste der Verein das Erbe ausschlagen (die NW berichtete). "Schweren Herzens", wie der Vorsitzende Manfred Schumacher sagte. "Wir sind mit all unseren Ehrenamtlichen schon mit der Führung des Wiedenbrücker Schule Museums ausgelastet. Auf keinen Fall hätten wir noch ein Museum führen können", betonte er. Glücklich ist er über die Schenkungen. Vor allem die Skizzen und Zeichnungen seien überaus wertvoll, um das künstlerische Wirken Hubert Hartmanns künftig noch besser erforschen zu können, so der Vorsitzende. Die Dynastie Hartmann in der Wiedenbrücker Schule sei bedeutend gewesen, unterstrich Schumacher die Wertigkeit der Gaben. Neben dem Verkauf der vielen Dokumentationen und künstlerischen Arbeiten Hubert Hartmanns ist man nicht nur beim Heimatverein, sondern auch bei der Erbengemeinschaft gespannt, ob sich ein Käufer für das Künstlerhaus finden wird - und wie es zukünftig genutzt wird. "Je näher der Auktionstermin rückt, umso nervöser werde ich", gestand Marianne Hanhart. Schließlich sei sie von Kindesbeinen an "im Hause bei Tante Mathilde und Onkel Hubert ein- und ausgegangen" und verbinde deshalb viele schöne Erinnerungen mit dem Gebäude. Ihre Mutter Anni Grawe war die Schwester von Mathilde Hartmann.

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