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Museum: In diesem Haus wurde Caspar Ritter von Zumbusch am 23. November 1830 geboren. . - © Andreas Frücht
Museum: In diesem Haus wurde Caspar Ritter von Zumbusch am 23. November 1830 geboren. . | © Andreas Frücht

Herzebrock-Clarholz Ein Museum für den Bildhauer aus Herzebrock

Museale Kleinode (7): Die monumentalen Kunstwerke von Caspar Ritter von Zumbusch sind in München, Wien, aber auch in Westfalen zu bewundern. In seinem Geburtshaus wird ihm ein Denkmal gesetzt

Anja Hustert
11.10.2019 | Stand 10.10.2019, 18:16 Uhr

Herzebrock-Clarholz. Künstler, Professor und Bildhauer - Caspar Ritter von Zumbusch war zu seiner Zeit in München und Wien ein Star der Kunstszene. Dem Mann, der unter anderem Ende des 19. Jahrhunderts das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica geschaffen hat, hat seine Heimatstadt Herzebrock selbst ein Denkmal gesetzt - mit einem kleinen aber feinen Museum . "Caspar Clemens Eduard Zumbusch wurde am 23. November 1830 als drittes von zehn Kindern hier geboren", sagt Karlheinz Buddenborg, Archivar des Herzebrocker Heimatvereins. Hier, das ist die erste Etage eines 1700 errichteten Fachwerkhauses an der Clarholzer Straße 45. Das Haus beherbergte einst eine Posthalterei mit Umspannstation. Sogar Goethe soll 1791 hier Station gemacht haben. 1827 hatte Franz-Josef Zumbusch die Posthalterei übernommen, der Vater des Künstlers. "Caspar Zumbusch schreibt, dass er hier eine glückliche Kindheit erlebt hat", sagt Buddenberg. Schon früh fiel das handwerkliche Geschick des Jungen auf - als Messdiener formte er aus Kerzenwachs kleine Figuren. Mit einem Federmesser schnitzte er Kruzifixe und Reliefs aus Holz - ein verzierter Spazierstock, der zu seinen ersten Arbeiten gehört, ist im Museum zu bewundern. Mit einem Bischofstab kam der Durchbruch In den einzelnen Museumsräumen kann der Besucher die Lebensstationen des berühmten Bildhauers, der als wichtigster Monumentalplastiker des Historismus in Österreich gilt, nachvollziehen. "Nach dem Besuch der Gewerbeschule in Münster geht Zumbusch mit 18 Jahren nach München",erzählt der Herzebrocker Archivar. Bei Professor Johann von Halbig lernte er an der Polytechnischen Hochschule das Modellieren. "Mit der Anfertigung des Bischofsstabes für den Erzbischof Graf Reisach gelang Zumbusch 1852 der Durchbruch", weiß Buddenburg und verweist auf die übersichtlichen Hinweistafeln an den Wänden. Von Zumbusch entwarf unter anderem das Nationaldenkmal König Maximilian II. in München, das Beethoven-Denkmal in Wien und vor allem das 19 Meter hohe Denkmal der Kaiserin Maria-Theresia an der Wiener Ringstraße. Zwischen 1892 und 1896 schuf er mit dem Standbild von Kaiser Wilhelm I. an der Porta Westfalica sein bedeutendstes Werk in Westfalen. Udo Jürgens liegt in der Nähe von Zumbusch begraben Mehr als 25 Jahre lang war Zumbusch Professor an er Akademie der Bildenden Künste Wien, wo er die Meisterklasse für höhere Bildhauerei leitete. 1988 wurde er in den österreichischen Ritterstand erhoben - seither ist er Caspar Ritter von Zumbusch. "Obwohl die Österreicher seinen Vornamen immer mit K am Anfang geschrieben haben", weiß Buddenberg, der mit dem Heimatverein das Grab des berühmten Herzebrockers auf dem Wiener Zentralfriedhof besucht hat. "Gar nicht weit entfernt liegt Udo Jürgens". Seinen letzten Wohnsitz hatte Zumbusch in Rimsting am Chiemsee. Das Geburtshaus des Künstlers an der Clarholzer Straße ist für Besucher immer sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet, Gruppen können unter Tel, (05245) 922748 auch eine separate Führung vereinbaren. Übrigens hat das Fachwerkhaus noch andere Bezüge zu berühmten Personen: Dort gründete im Jahr 1899 Carl Miele zusammen mit Reinhard Zinkann die Zentrifugenfabrik Miele & Cie, der Grundstein des heutigen Weltunternehmens. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde der Fachwerkbau 1912 von Paul Craemer erworben, der dort die Press-, Stanz- und Hammerwerke gründete, aus der die heute international agierende Craemer-Gruppe hervorgegangen ist. Das Unternehmen Craemer war es auch, das 2010 das Gebäude zu einem symbolischen Mietpreis an die Gemeinde übergab. Im Obergeschoss wurde 2011 das Zumbusch-Museum in Trägerschaft des Heimatvereins Herzebrock eröffnet.

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