Das erste Versuchsfahrzeug des späteren Xerion bei der Häckselarbeit im Herbst 1979. August Claas (Mitte) besucht das Versuchsteam. - © FOTOS: HORST BIERE
Das erste Versuchsfahrzeug des späteren Xerion bei der Häckselarbeit im Herbst 1979. August Claas (Mitte) besucht das Versuchsteam. | © FOTOS: HORST BIERE

Harsewinkel Ein Traum der Technikfans

NW-SERIE "DAS CLAAS-JAHRHUNDERT 1913 BIS 2013" / Teil 15: Der Xerion

VON HORST BIERE

Harsewinkel. Einen Xerion zu fahren, das ist ein Traum, den viele hegen. Motorsportbegeisterte und Technikfans im Allgemeinen, Landwirte von kleinen Höfen wie von großen Agrargenossenschaften und Lohnunternehmer im Besonderen. Der Claas Xerion mit seinen vier gleich großen Reifen, seiner gestylten Kabine und seinem dicken, aufrechtstehenden, manchmal verchromten Auspuffrohr ist für sie der Inbegriff eines High-Tech-Traktors.

Der Xerion hatte, historisch betrachtet, eine lange Anfahrt und eine wechselvolle Geschichte, bis er schließlich in der Traktoren-Weltspitze ankam. Einen "Geräteträger für diverse Arbeitsgeräte" wollte August Claas bereits Ende der 1950er Jahre entwickeln. Eine ganzjährig einsetzbare Maschine, ein Multitalent in der Landwirtschaft. Dr. Walter Brenner, damaliger Chefkonstrukteur für Mähdrescher, griff die Idee auf und konstruierte einen Geräteträger-Untersatz für das gesamte Mäh- und Dreschwerk. Den Huckepack, einsetzbar als Mähdrescher aber – nach Umbau – auch für Transportarbeiten oder als Träger für diverse Anbaugeräte.

Die Basis dieses Systems bildete ein einfaches Arbeitsfahrzeug mit seitlicher Fahrerplattform von einem 12-PS-Dieselmotor angetrieben. Doch die seinerzeit vorhandene Technik war noch nicht ausgereift, und das viele An- und Umbauen war zu aufwendig und kompliziert für die damaligen Nutzer. Helmut Claas resümiert: "Die Idee, den Mähdrescher auf ein Trägerfahrzeug zu setzen, wurde nachträglich betrachtet viel zu früh in die Praxis umgesetzt."

Die 1960er Jahre rückten den Traktor allerdings immer mehr in das Blickfeld des Unternehmens. Der Mähdrescherspezialist startete die Entwicklung für ein eigenes Zugfahrzeug. HSG hieß die schlichte Formel. Auch hierbei stand die Mehrfachnutzung im Mittelpunkt. Aus einem normalen Schlepper sollte ein Traktor für alle Fälle werden, eine Zugmaschine mit vielen Spezialwerkzeugen und ebenso vielen Arbeitsfeldern.

Doch so weitblickend die Entwicklung auch war – sie musste sich am schwierigen Traktormarkt durchsetzen können. Deshalb setzte man auf die Strategie, Partnerschaften mit renommierten Unternehmen zu suchen.

Die Idee war, gemeinsam mit Mercedes-Benz ein kostengünstiges Trac-Fahrzeug basierend auf Unimog-Komponenten zu entwickeln und zu bauen. Der Vertrieb für den Kommunalbedarf sollte dabei über die Unimog-Schiene und für die Landwirtschaft über die Claas-Vertriebsorganisationen erfolgen. Doch die schwäbischen Autobauer hatten eigene Pläne.

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