Harsewinkel Vordenker und Ideengeber

NW-SERIE "DAS CLAAS-JAHRHUNDERT 1913 BIS 2013" / Teil 1: Franz Claas sen.

VON HORST BIERE

Franz Claas sen. Vater der Firmengründer Gebr. Claas. Ein Porträt aus dem Jahre 1925.
Franz Claas sen. Vater der Firmengründer Gebr. Claas. Ein Porträt aus dem Jahre 1925.

Harsewinkel. Es ist im Sommer 1913, als August Claas, der begabte und weitblickende Firmengründer, dem Amt in Herzebrock "ergebenst" mitteilt, "dass ich ein Gewerbe betreibe". Niemand ahnt damals, dass aus diesem mutigen Schritt kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs einmal eines der größten Unternehmen der internationalen Landtechnik entstehen sollte.

August Claas tat diesen Schritt nicht ganz freiwillig. Auch als er im Januar 1914 den Handwerksbetrieb gemeinsam mit seinen Brüdern Bernhard und Franz jun. (Theo Claas kam erst später dazu) auf "Gebr. Claas" ummeldete, geschah dies eigentlich nur, um die väterliche Firma "Franz Claas – Clarholz" am Leben zu erhalten.

Franz Claas sen., der 1859 geborene Vater der vier Brüder Bernhard, August, Franz und Theo, war vielseitig interessierter begabter Tierheilkundiger sowie kreativer Techniker und Erfinder. Und er produzierte in dem kleinen Handwerksbetrieb auf seinem Hof erstklassige Landmaschinen. Doch er steckte tief in finanziellen Schwierigkeiten. Denn weniger ausgeprägt als seine technische Begabung war die Fähigkeit, für seine gute Arbeit auch Geld zu verlangen.

Aber die Begeisterung für Technik, der Mut, neue Wege zu gehen und der Wille, die Landwirtschaft nachhaltig zu mechanisieren, wurde den vier Brüdern von Vater Franz quasi in die Wiege gelegt. Landwirtschaftliche Apparate konstruierte Franz Claas bereits in den 1880er Jahren. Auf dem elterlichen Hof schraubte, sägte und montierte er in jeder freien Minute.

Im Jahre 1887 brachte Franz Claas seine erste handgetriebene Milchzentrifuge für den bäuerlichen Betrieb auf den Markt. Milchzentrifugen waren damals gängige Maschinen in der Landwirtschaft. Mit einfacher Mechanik, mit einer Drehkurbel an einem Milchgefäß, trennt man in dem Bottich die Sahne von der Milch und stellte so Butter her.

Die Claas’schen Maschinen funktionierten hervorragend. Entsprechend groß war darauf die Nachfrage. Bestellungen auf die neuen Milchzentrifugen kamen nicht nur aus dem Münsterland und aus der Region östliches Westfalen. In kleinen Ansätzen zeigte sich schon so etwas wie Export: Ausgewanderte Bauernfamilien aus Westfalen hatten die Milchzentrifugen zu Hause kennengelernt und bestellten die Entrahmungsmaschinen nun sogar nach Amerika. Ein erstes Patent erhielt Franz Claas für seine Triumph-Zentrifuge. Und doch stellte er nach mehreren Jahren die Zentrifugen-Produktion wieder ein.

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