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Bernhard Brockmann (v.l.), Hans-Peter Obermark (Handelsverband OWL), Chris Brentrup, Sabine Amsbeck-Dopheide und Georg Baumewerd präsentieren die Zertifikate. - © Gabriele Grund
Bernhard Brockmann (v.l.), Hans-Peter Obermark (Handelsverband OWL), Chris Brentrup, Sabine Amsbeck-Dopheide und Georg Baumewerd präsentieren die Zertifikate. | © Gabriele Grund

Harsewinkel Einzelhandel im Kreis Gütersloh schwer angeschlagen: "Die Stimmung kippt"

Harsewinkeler Einzelhändler erhalten das Siegel „Generationenfreundliche Einkaufen“ Siegel. Das führen sie als Gegenargument zum Online-Einkauf ins Feld. In Corona-Zeiten aber nur ein schwacher Trost.

Burkhard Hoeltzenbein
26.03.2021 | Stand 26.03.2021, 11:52 Uhr
Gabriele Grund

Harsewinkel. Die zusätzlichen „Ruhetage" zu Ostern hat die Bundesregierung haarscharf einkassiert. Was die Einzelhändler in Harsewinkel allerdings angesichts des neuerlich drohenden Lockdowns nicht aufatmen lässt. Die Sorgen sind in Zeiten, in denen Kunden ihren Einkauf per Terminbuchung planen müssen und der stationäre Einzelhandel in akuter Insolvenzgefahr schwebt, groß genug.

Findet da ein Zertifikat wie das „Generationenfreundliche Einkaufen", überhaupt Beachtung? „Gerade jetzt ist es wichtig, Serviceorientierung als starkes Argument gegen den Online-Einkauf zu bieten", argumentiert Hans-Peter Obermark, Mitgliederbetreuer des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe. Er hat der Orthopädie-Logopädie Schuhtechnik Baumewerd, Bettenspezialist Brentrup und Fotoparadies Brockmann die Re-Zertifizierung überreicht.

Rewe-Marktbetreiber Stefan Albers erhielt erstmals das Signet. „Der Einzelhandel leidet massiv unter der Pandemie", kritisiert Verkehrsvereinssprecher Bernhard Brockmann die Ungleichbehandlung bei der Signetübergabe im Fotogeschäft.

Handel bekommt verändertes EInkaufsverhalten zu spüren

Das Wechselbad zwischen Schließungen und Teilöffnungen habe Folgen. Denn der Handel bekomme auf lange Sicht obendrein das sich verändernde Einkaufsverhalten zu spüren. So habe er viele Kunden ans Internet verloren. Bei ihm betrage der Rückgang bei Fotobüchern, Leinwänden oder Fotoausdrucken mehr als 90 Prozent. Stattdessen bestellten Kunden ihre Fotos online oder drucken sie im benachbarten Drogeriemarkt aus.

An dem Punkt kommt Brockmann auf eine viel kritisierte Schieflage zu sprechen. „Seitdem wir wieder öffnen dürfen, können wir diese Leistung zwar auch anbieten, aber eben nur mit Terminvereinbarung", sieht er sich und viele seiner Mitstreiter im Nachteil. „Da haben viele keine Lust zu. Wenn sie dann fünf Minuten warten müssen, weil die Drucker gerade belegt sind, sind sie sauer und gehen zu Rossmann", prangert er diese Ungleichbehandlung gegenüber dem ohne Auflagen öffnenden Mitbewerber an: „Dort braucht man keinen Termin."

Seine Hoffnung auf Kundenrückgewinnung ruht auf den Faktoren Service und Beratung, die der Einzelhandel biete. Auch wenn Brockmann den Lockdown als Instrument für eine schnelle Rückkehr zur Normalität befürwortet, sei die „ungerechte Behandlung" nicht akzeptabel. „Die Einzelhändler mussten schließen, die Discounter blieben offen, obwohl sie auch Textilien, Elektronik oder Blumen verkaufen."

Bürgermeisterin macht EInzelhändlern Mut

Mit dem Kompromiss „Einkaufen auf Termin" kann sich Chris Brentrup, Inhaber des Bettenhauses, arrangieren. Bei ihm brach der Umsätze um 50 Prozent ein. Das Einkaufen nach Terminvergabe laufe recht gut. Allerdings blieben Spontankäufe aus. Einen Besuchstermin müssen Kunden auch bei Georg Baumewerd vereinbaren. Dessen orthopädisch-medizinischen Dienstleistungen sind von den Schließungen nicht betroffen.

Den Einzelhändlern macht Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide Mut. „Sie treten dem Onlinehandel mit Service, individueller Beratung, und einem freundlichen Serviceverhalten der Mitarbeiter entgegen", sagte sie. Für weitere Harsewinkeler Einzelhändler ist die Rücknahme des verschärften Oster-Lockdowns ein schmaler Silberstreif am Horizont. „Die Stimmung kippt, das muss der Politik klar werden", sagt einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Ungleichbehandlung gegenüber den Gewinnlern der Corona-Krise lasse die Wut an der Basis steigen. „Die sollten die wenigstens einen Teil des Gewinns in einen Solidarfonds für jene zahlen, die in der Krise sonst in die Knie gehen", lautet die Forderung.

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