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Fassanstich: Werner Herbrink (l.) und Frank Joahnnsmann (r.) hatten mit dem Harsewinkeler Oktoberfest einen Nerv getroffen. 15 Jahre lang erlebte die „WIesn" einen Boom. - © Robert Becker
Fassanstich: Werner Herbrink (l.) und Frank Joahnnsmann (r.) hatten mit dem Harsewinkeler Oktoberfest einen Nerv getroffen. 15 Jahre lang erlebte die „WIesn" einen Boom. | © Robert Becker

Harsewinkel Obwohl ausverkauft: Oktoberfest in Harsewinkel ist trotzdem abgesagt

Die Auflagen und die Kosten werden als nicht tragbar beziffert. „Kragge“ zieht deshalb zurück.

Robert Becker
08.10.2019 | Stand 08.10.2019, 18:45 Uhr

Harsewinkel. Das Harsewinkeler Oktoberfest ist abgesagt. Gastwirt Frank Johannsmann, der das Oktoberfest in kleinem Rahmen in der Scheune bei Kraggenstoffer in die 17. Auflage führen wollte, hat Dienstag den Entschluss öffentlich gemacht. Die Kosten und die eingeforderten Auflagen stünden in keinem verträglichen Verhältnis, so der Gastwirt. „Und bei nur 150 Leuten, wie es zugelassen wäre, würde es stimmungsmäßig nichts werden", sagte Johannsmann. Damit ist das Ende einer Erfolgsgeschichte besiegelt. Zwar wird Johannsmann am 20. Oktober noch einen Frühschoppen durchführen mit Livemusik, Bratwurst, Getränken und Cafeteria. „Dafür habe ich keine Auflagen bekommen", sagte der Gastwirt. Er glaube aber nicht, dass er das Oktoberfest, so wie es die Harsewinkeler kennen, in den nächsten Jahren noch einmal aufleben lässt. „Vielleicht hat alles seine Zeit", sagte er durchaus betrübt. Als Liveband hätte am Oktoberfest-Freitag „Turn on" aus Beelen aufspielen sollen. Für den Samstag war ein DJ gebucht. Johannsmann hat beiden abgesagt. Als Problem erwiesen sich am Ende die Auflagen durch den Brandschutz. Das Oktoberfest sollte zunächst ohne Zelt nur in der Scheune stattfinden. Die habe aber nur eine Zulassung für 150 Personen. Darauf habe ihn das städtische Ordnungsamt aufmerksam gemacht, sagte Johannsmann. Ferner forderte das Amt einen Sanitätsdienst vor Ort während der Feierstunden. Dass dieses auch für kleinere Veranstaltungen eingefordert würde, sei ihm nicht bekannt gewesen, so Johannsmann. Kurz habe er überlegt, ein Zelt an die Scheune anzubauen. Allerdings hätte ihm die Kreisverwaltung signalisiert, dass ein Sechs-Meter-Abstand für den Brandschutz eingehalten werden müsse. „Das Zelt hätte also für sich stehen müssen", erklärte Johannsmann, der sich dann lieber zum Rückzug entschied. Die Auflagen sprachen gegen ein zusätzliches Zelt Dabei waren die Veranstaltungen an beiden Tagen ausverkauft. In Summe sei es jedoch ein Mix aus allem gewesen, der zum Entschluss geführt hätte, nicht weiterzumachen. „Die Genehmigungen allein waren es nicht", will er keine Kritik an den Auflagen gelten lassen. Die Karten können nun bis zum 20. Oktober in der Gaststätte umgetauscht werden, oder als Verzehrgutschein beim Frühschoppen verwendet werden, sagt Johannsmann. Für Stimmung ist gesorgt: Am Nachmittag des Frühschoppens soll die Harsewinkeler Band „Homebrass" aufspielen. Für die Feiergemeinde in Harsewinkel ist das endgültige „Aus" des beliebten Festes indes ein heftiger Schlag. In der Mähdrescherstadt sind Veranstaltungen inzwischen rar geworden. Vor wenigen Tagen wurde der Marienfelder Martinsumzug – der im Rahmenprogramm lange Zeit eine Ü30-Party hatte – ebenfalls kurzfristig abgesagt. Bis zu 2.000 Gäste pro Tag Das Harsewinkeler Oktoberfest hatte in guten Jahren bis zu 2.000 Gäste – pro Tag. „Sepp und die Knutschbärn" traten zehn Jahre in Folge auf und gehörten fast schon zum Inventar. Zuletzt begeisterten die „Draufgänger" mit ihrem Hit „Cordula grün" das Partyvolk. Mit Zeltverleiher Werner Herbrink, der zu Beginn der Initiator und treibende Kraft des Oktoberfests war, hatte Frank Johannsmann eigens für die Harsewinkeler Wiesn eine GbR-Gesellschaft gegründet. Dienstag ließ Johannsmann den Blick noch einmal zurückschweifen. „Im ersten Jahr hatten wir freitags mehr Leute in der Bedienung als Gäste. Und am Samstag kamen sie alle, da hat die Zeltfläche nicht ausgereicht", erinnert er sich an die Nachtaktion, als Nachbarn geholfen hätten, noch Zelte anzubauen. In der Boomzeit traten Künstler wie Anna-Maria Zimmermann auf, es gab Vorführung von Erntemaschinen, Betriebsfeste und Rentnertreffs. Der Gerstensaft strömte. An eine weitere Anekdote erinnert sich Johannsmann: „Im ersten Jahr hatten wir normale Bierleitungen. Damit bekamen wir das Bier gar nicht schnell genug durchgeleitet."

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