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Die Kolpingsfamilie Harsewinkel im EU-Parlament in Straßburg. - © European Union 2019 - Source : EP
Die Kolpingsfamilie Harsewinkel im EU-Parlament in Straßburg. | © European Union 2019 - Source : EP

Harsewinkel Harsewinkeler Kolpingsfamilie erlebt Wahl von der Leyens hautnah

Mitglieder der Kolpingsfamilie Harsewinkel sind live im Europaparlament in Straßburg dabei, als die ehemalige Verteidigungsministerin zur EU-Präsidentin gewählt wird.

Burkhard Hoeltzenbein
24.07.2019 | Stand 24.07.2019, 15:05 Uhr

Harsewinkel. Als Anton Mense im Frühjahr 2018 beginnt, die Fahrt der Kolpingsfamilie nach Straßburg zu planen, ahnt er nicht im geringsten, dass seine Gruppe Zeuge eines historischen Moments werden wird. Am Abend des 16. Juli erleben die Harsewinkeler hautnah mit, wie Ursula von der Leyen im Europäischen Parlament in Straßburg zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt wird. "Wir haben einfach ein unglaubliches Glück gehabt", sagt der Kolping-Fahrtenwart. Noch eine Woche nach dem Besuchs-Coup im Zentrum des politischen Europas ist ihm die Begeisterung deutlich anzumerken. So sind seine 45 Mitfahrerinnen und Mitfahrer rechtzeitig auf der Tribüne des Parlamentssaals dabei, als gegen 17.45 Uhr nach und nach die Europaabgeordneten aus den (noch) 27 Mitgliedsstaaten den Saal bevölkern. "Von den 751 Abgeordneten dürften so ziemlich alle dagewesen sein", schätzt Mense. "Den ganzen Tag über lag die Spannung in der Luft" Schließlich steht mit der Kandidatur von Ursula von der Leyen eine richtungsweisende Entscheidung für Europa an. "Den ganzen Tag über lag schon eine Spannung in der Luft", erzählt Mense, wie sein Reisetross schon bei der Stadtführung dank eines bestens informierten Reiseleiters vor Ort mitbekommt, welche Spannung rund um das Parlament herrscht. "Der wusste am Morgen schon, dass die eigentlich für Mittag angesetzte Abstimmung erst abends stattfinden würde", sagt Mense über den gebürtigen Deutschen, der mit einer Französin in der Europastadt Straßburg verheiratet ist und der spürbar für das freiheitliche Europa brennt. Daher fiebern die Harsewinkeler bei der Besichtigung des Münsters und der malerischen Altstadt bereits dem nachmittäglichen Parlamentsbesuch entgegen. Dort eingeladen ist die Delegation über den Münsteraner Abgeordneten Markus Pieper. "Eigentlich hatten wir den Kontakt im Vorjahr über Elmar Brok hergestellt", sagt Mense. Weil der ehemalige OWL-Abgeordnete aber nicht mehr antreten durfte und es für dessen Nachfolgekandidatin Birgit Ernst nach dem Wahlergebnis der CDU nicht zum Einzug ins EU-Parlament reichte, musste Anton Mense andere Wege nach Straßburg finden. Parlamentarier stehen unter Stress So übernimmt Pieper die Gruppe, die er nach eingehenden Sicherheitskontrollen im Innenhof des runden Stahl- und Glaspalastes merklich angespannt gegen 16 Uhr empfängt. "Der kam direkt aus einer Sitzung seiner EVP-Fraktion und musste erst mal runter kommen", schildert Mense seine Eindrücke davon, unter welchem Stress wohl alle Parlamentarier an diesem Sitzungstag stehen. Am Morgen hat Ursula von der Leyen ihre eindringliche Bewerbungsrede gehalten. Die löst hinter den Kulissen viele Diskussionen in den Fraktionen aus. "Erst hieß es, die Sozialdemokraten würden zustimmen. Dann war plötzlich zu hören, dass es doch sehr eng für von der Leyen wird", rekapituliert Anton Mense die sich überschlagenden politischen Ereignisse. Eine Stunde lang gilt das "Ticket" für den Besuch auf der Tribüne. Die namentliche Abstimmung, bei der die Abgeordneten nach Anfangsbuchstaben sortiert an sechs Urnen ihre Stimmbriefe einwerfen, beginnt. Von der Leyen ist nicht zu sehen. Die Kandidatin für den Posten der Kommissionspräsidentin hat kein Mandat, darf also selbst nicht mitstimmen. "Es war für uns eine historische Sternstunde" Der Wahlgang dauert etwa 30 Minuten. "Es war für uns eine historische Sternstunde, bei einem solchen Vorgang dabei sein zu dürfen und so etwas in dieser Größenordnung mitzuerleben", sagt Mense. Im Gewusel aus Parlamentariern, Wahlhelfern, Saaldienern im Livree und Pressevertretern, das unten im Plenarsaal herrscht, machen die Tribünengäste viele bekannte Gesichter aus. Darunter auch das noch straffer als sonst geliftete des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten und Medien-Moguls Silvio Berlusconi. Der wird später vor laufenden Kameras der Wahlsiegerin gratulieren. Auch die ehemalige Justizministerin Katarina Barley, die seit der Europawahl die SPD in Brüssel und Straßburg vertritt, ist zu sehen. Und Ska Keller (Die Grünen), die ebenso gegen von der Leyen stimmen wird. Aber auch Manfred Weber, der eigentliche Spitzenkandidat der Konservativen, der nach der Wahl am mangelnden Rückhalt scheiterte. In der rechten Ecke ist unter anderem Jörg Meuten zu sehen In der rechten Ecke ist unter anderem Jörg Meuten zu sehen. "Dort sitzen die EU-Kritiker, die ihre Ablehnung durch das Aufstellen ihrer jeweiligen Nationalflaggen auf den Tischen ausdrücken", stellt Anton Mense fest. Besonders häufig ist der britische Union Jack der "Brexetiers" zu sehen. Die Verkündung des Ergebnisses, die Ovationen für Ursula von der Leyen nach der knapp gewonnenen Wahl und deren Dankesrede vor dem Plenum bekommen die Harsewinkeler schon nicht mehr im Saal mit. Pünktlich nach einer Stunde müssen sie das Parlament verlassen. "Auf dem Rückweg zum Hotel war jedem Teilnehmer dieses emotionale Erlebnis anzumerken", sagt Anton Mense. Und so sehenswert die weiteren Stationen Schwarzwald, Colmar, Kloster St. Odile im Elsass und Freiburg auch sind, bleibt der Harsewinkeler Kolpingsfamilie von der fünftägigen Reise doch vor allem dieser Parlamentsbesuch in Erinnerung.

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