Ohne Teilnahme der Modeeinzelhändler Kleine und Bessmann verliert der Martinssonntag seine Grundlage. - © Burkhard Hoeltzenbein
Ohne Teilnahme der Modeeinzelhändler Kleine und Bessmann verliert der Martinssonntag seine Grundlage. | © Burkhard Hoeltzenbein

Harsewinkel Wegen Verdi-Klagen: Werbegemeinschaft befürchtet das Aus

Die Marienfelder Einzelhändler liegen mit Verdi im Clinch - die Gewerkschaft schließt zum verkaufsoffenen Martinssonntag die wichtigsten Sponsoren aus


Harsewinkel. Weil die Gewerkschaft Verdi bundesweit wegen der verkaufsoffenen Sonntage gegen Kommunen und Einzelhändler klagt, steht die Marienfelder Werbegemeinschaft nach 31 Jahren bedrohlich nahe vor dem Aus. Nach Gesetzeslage dürfen die beiden Modeunternehmen Bessmann und Kleine sowie Sport Weckenbrock am Martinssonntag nicht mehr öffnen, weil sie zu weit außerhalb des Ortskerns liegen. Gegen die Verordnung der Gewerkschaft will der auf der Mitgliederversammlung am Dienstag nur noch kommissarisch tätige Vorstand der Werbegemeinschaft nun „massiv vorgehen", wie Vorsitzender Maik Wolters gestern im Gespräch mit der NW ankündigt. Ohne die beiden alteingesessenen Modeunternehmen sowie das Sportgeschäft als weiterer wichtiger Sponsor verliere die Veranstaltung des Interessensverbandes ihr finanzielles Fundament. „Ohne die 4.300 Euro Einnahmen durch die Übernahme von Losen können wir das nicht stemmen", bestätigt Wolter. Ohne die "Big Player" bringt es nichts Verdi untersagt den Modehäusern den Verkauf während des Kleesamenmarktes und Martinssonntag. Grund ist eine geforderte räumliche Nähe von maximal 300 Metern zur Veranstaltung. Hinzu komme, dass es sich in dem Kontext um ein Fest handeln muss, das nachweislich eine höhere Besucherresonanz vorweist als der verkaufsoffene Sonntag an Menschen in die Marienfelder Geschäfte an der B 513 lockt. Ohne die drei „Big Player" und ihren überlebenswichtigen finanziellen Beitrag nutzt es den Einzelhändlern im Ort wenig, dass sie ihre Geschäfte zum Martinssonntag Anfang November öffnen dürfen. Sollte Verdi am Verbot festhalten und alle Bemühungen zur Aufhebung der räumlichen Begrenzung auf den Dorfkern ins Leere laufen, entfiele künftig die finanzielle Förderung. Ohne dieses Geld, das die Firmen am verkaufsoffenen Sonntag wieder hereinholen. kann der von der Werbegemeinschaft Marienfeld organisierte Martinssonntag nicht überleben, macht Schatzmeister Michael Tegelkamp im Kassenbericht deutlich. „Wir sind auf die Sponsorengelder angewiesen" Der Martinssonntag riss im Vorjahr ein Minus von 1.400 Euro in die Kasse, das aus Rücklagen ausgeglichen wurde. „Wir sind auf die Sponsorengelder angewiesen", sagt die zweite Vorsitzende Ulrike Dietrich. Sollten diese Zuwendungen entfallen, sei das Aus der Traditionsveranstaltung vorprogrammiert. Diese lockt jedes Jahr mehr als 650 Kinder samt Eltern, Geschwistern und Freunden an. Auch die Kitas und Hilfsorganisationen wie „Hüttis Balkanhilfe" profitieren von dem Fest. Die 45 Mitglieder starke Kaufmannschaft will nun vor Ort kämpfen und mit der Gewerkschaft über eine einvernehmliche Lösung verhandeln. Derweil setzt Modeunternehmer Andreas Kleine an anderer Stelle an. Bei der Vorstandswahl wagt sich niemand aus der Deckung Bei der Vorstandswahl wagt sich niemand aus der DeckungDie Auswirkungen auf die als Verein organisierte Werbegemeinschaft sind am Dienstagabend direkt spürbar. Bei der Vorstandswahl wagt sich angesichts der Unsicherheit und der anstehenden Auseinandersetzungen niemand aus der Deckung. Auch der Vorstoß, Andreas Kleine oder Volker Bessmann in die Vorstandsarbeit einzubinden, schlägt fehl. „Wir wissen angesichts der bestehenden Rechtslage ja nicht einmal, ob wir noch dazugehören werden", argumentieren beide Modeunternehmer. So werden Maik Wolters, seit zwei Jahren Vorsitzender, seine Stellvertreterin Ulrike Dietrich und Schriftführer Tim Brüggemann vorerst kommissarisch die Geschäfte weiterführen. Das Trio wäre wegen beruflicher Belastung, familiärer Zwänge und ihres Engagements in Innungen und anderen Gremien gern in die zweite Reihe zurückgetreten. Keines der 22 anwesenden Mitglieder stellt sich zur Wahl. "Keiner weiß im Moment, wie es weitergeht" Auf dem Spiel steht gleich die Daseinsberechtigung der Werbegemeinschaft, falls diese den seit 30 Jahren gepflegten Martinssonntag einstellen müsste. „Wir müssten dann erst mal ein gemeinschaftliches Interesse neu definieren", erklärt Wolters. Er will nun mit den Mitgliedern Aktionen vorbereiten, um möglichst viele gegen das Verdi-Verdikt zu mobilisieren. „Wir müssen aktiv werden, um unsere Modehäuser darin zu unterstützen, dass die verkaufsoffenen Sonntage wieder erlaubt werden", kündigt Wolters vehementen Widerstand an. In einer gesonderten Versammlung soll dann die Frage einer neuen Vorstandskonstellation geklärt werden: „Keiner weiß im Moment so recht, wie es da weitergeht."

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