Die Biotonnen in Harsewinkel werden kontrolliert - mit einem ernüchternden Ergebnis. - © Burkhard Hoeltzenbein
Die Biotonnen in Harsewinkel werden kontrolliert - mit einem ernüchternden Ergebnis. | © Burkhard Hoeltzenbein

Harsewinkel Ernüchterndes Ergebnis: Etliche Biotonnen bleiben ungeleert stehen

Bei der Kontrolle der Biotonnen fällt jede fünfte Tonne durchs Raster - in Harsewinkel werden sie deshalb derzeit einfach nicht geleert

Burkhard Hoeltzenbein
14.05.2019 | Stand 14.05.2019, 14:06 Uhr

Harsewinkel. Der erste Kontrolltag der Biotonnen hat in Harsewinkel zu einem ernüchternden Ergebnis geführt. Jede fünfte Tonne für den Grünabfall ist falsch befüllt. In einer fanden sich sogar aussortierte Christbaumkugeln aus Glas. Diesen grünen verpassen die Kontrolleure einen roten Pappanhänger. Sie bleiben zudem ungeleert stehen. „Erstmal richtig befüllen", lautet der Auftrag an die Haushalte. Im Auftrag der Stadt Harsewinkel, der Firma Kompotec und der Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen Kreis Gütersloh (GWG) werfen fünf eigens geschulte Abiturienten aus Oelde bis zu den Sommerferien einen kritischen Blick in die Harsewinkeler Biotonnen. Und gehen bei Verdachtsfällen mit einer Gartenkralle bewaffnet dem Inhalt der Tonnen sogar auf den Grund. Mit dieser reißen sie auch schon mal verdächtige Tüten auf, deren Restmüllinhalt überhaupt nicht in den Kompostmüll gehört. "Das falsche Befüllen ist reine Bequemlichkeit" „Diese Fehlbefüllungen werden im Kompostierwerk komplett aussortiert und müssen entsorgt werden", erklärt Guido Linnemann. Harsewinkels Abfallberater räumt so mit dem gängigen Falschurteil auf, dass „die im Kompostwerk" den angelieferten Mischmüll schon sortieren werden. Bei den Tonnen, die einen roten Anhänger erhalten, ist von Vorsatz auszugehen. „Das falsche Befüllen ist reine Bequemlichkeit", weiß Guido Linnemann aus Erfahrung. „Die Leute wissen dann auch ganz genau, warum ihre Tonne nicht abgefahren wurde." Kein Bewusstsein für korrekte Mülltrennung Das Phänomen ziehe sich durch alle Gesellschaftsschichten. Teilweise fehlt in Mehrfamilienhäusern, wo keiner den anderen kennt, das Bewusstsein für die korrekte Mülltrennung. Es gebe aber auch Eigentümer vornehmer Gärten, die eine Biotonne nicht auf ihrem Grundstück haben wollen und daher den Kompost hinterm Gartenzaun „anlegen". Angesichts vergleichsweise moderater Gebühren für die Biotonne unverständlich. Komplizierter wird es bei Tonnen, die einen gelben Anhänger erhalten. Bei der ersten Kontrolle waren das bei 180 kontrollierten Abfallbehältern 28 Gefäße. Da beanstandeten die Grünabfallkontrolleure gut gemeinte, dennoch falsche Befüllungen. Wie etwa mit Plastiktüten, die zwar biologisch abbaubar sein sollen, aber dennoch im Kompostwerk aussortiert werden. „Die Leute wollen es richtig machen, wissen aber oft nicht den Hintergrund", erklärt Rebecca Deppe von der GEG. "Wenn der Aufwand für das Aussortieren und Entsorgen des Restmülls steigt, steigen auch die Kosten für die grüne Tonne" Hier heften die Aufklärer zusätzlich zur Ampelkarte einen Infoflyer an, der über den Irrtum aufklärt und Ratschläge gibt. „Besser wäre für feuchten Küchenabfall, Küchenkrepp oder Zeitungspapier zu verwendet", empfiehlt Guido Linnemann. Statt teure biologisch abbaubare Tüten zu kaufen, helfe alternativ eine – viel günstigere – normale Mülltüte. „Diese in die grüne Tonne entleeren und dann in die schwarze entsorgen", lautet sein Tipp. Immerhin zwei Drittel alle Tonnen bekamen einen grünen Anhänger und wurden anstandslos abgefahren. „Wir sind aber erst bei 90 Prozent grün zufrieden", relativiert Rebecca Deppe. Sie betont, dass sich am Ende die Minderheit der nachlässigen Mülltrenner durch ihr ignorantes Verhalten selbst schade. „Wenn der Aufwand für das Aussortieren und Entsorgen des Restmülls steigt, steigen auch die Kosten für die grüne Tonne", erklärt sie die unvermeidliche Konsequenz für die Allgemeinheit.

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