Die Internetverbindungen in den Außenbereichen von Harsewinkel sollen schneller werden. - © picture alliance
Die Internetverbindungen in den Außenbereichen von Harsewinkel sollen schneller werden. | © picture alliance

Harsewinkel Harsewinkeler sollen schnelleres Internet bekommen - das gilt aber nicht für alle

Viele Haushalte und Firmen im Außenbereich sollen mit Fördermitteln des Bundes in den nächsten Jahren eine bessere Internetverbindung erhalten. Das gilt allerdings nicht automatisch für alle.

Harsewinkel. Für gut 1.600 Adressen und 75 Firmen im Außenbereich von Harsewinkel und den Ortsteilen soll sich in den nächsten Jahren bis Ende in Sachen Breitbandausbau das Surfen im Internet deutlich verbessern. Davon profitieren zunächst jene unterversorgten Harsewinkeler, die bislang mit weniger als 30 MBit Leistung auskommen müssen. Mit den beiden laufenden Bieterverfahren „Call 2" und „Call 6" will die Stadt die erforderlichen Fördergelder abgreifen, um die vernachlässigten ländlichen Gebiete besser ans weltweite Netz anzuschließen. Vom Call-2-Bieterverfahren, das zeitnah auf die ortsnäheren Objekte zielt, profitieren 1250 Adressen sowie 60 Firmen und landwirtschaftliche Betriebe. Beim „Call 6" sollen weitere 367 Adressen und 15 Unternehmen, die noch weiter außerhalb liegen, erreicht werden. Im Herbst 2020 sollen die Bauarbeiten beginnen Bis zu 90 Prozent fördern Bund und Land die Maßnahme. Die Stadt beauftragt nach dem einstimmigen Votum des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss nun den Kreis Gütersloh, einen Förderantrag für den Ausbau der verbliebenen unterversorgten Haushalte zu stellen. Die Finanzierung des städtischen zehnprozentigen Eigenförderanteils in Höhe der kalkulierten Kosten von 1.049.168 Euro stellt Harsewinkel sicher. Nach der Ausschreibung im September soll mit den Bauarbeiten voraussichtlich bis Herbst 2020 begonnen werden. „Diese Förderprogramme der öffentlichen Hand sind dort möglich, wo ein Marktversagen festgestellt wird", erläutert Stefan Volmering, Geschäftsführer der Stadtwerke Harsewinkel. Die Telekommunikationsunternehmen, die in lukrativen Ballungszentren den Ausbau der Breitbandversorgung vehement vorantreiben, verweigern bundesweit im ländlichen Raum den teuren Ausbau mit langen Leitungen und großem Aufwand, weil auf dem Digitalweg „bis zur letzten Milchkanne" kein Geld zu verdienen ist. Bis zur letzten Milchkanne ist kein Geld zu verdienen Um den von der Bundesregierung nun forcierten Ausbau für alle zu gewährleisten, springt nun der Steuerzahler ein. „Die Erfolgsaussichten sind hoch", zitiert Volmering den Breitbandkoordinator des Kreises, Jan Christoph Dübner. „Wer bisher mit weniger als 30 MBit unterwegs ist, steigt vom Fahrrad auf den Porsche um", bemüht Volmering ein griffiges Bild. Denn wo ohnehin gebuddelt werde, um etwa die maroden Kupferkabel des alten Telefonnetzes zu erneuern, komme gleich die schnelle Glasfasertechnik bis ins Haus zum Einsatz. Übrig bleiben jene, die jetzt schon über eine Leistung von 30 MBit verfügen. „Diese fallen aus der Förderkulisse heraus", erklärt Stefan Volmering. „Alle wesentliche Dinge lassen sich mit 30 MBit regeln", zitiert er den Kreiskoordinator. Für diese Klientel fordert die UWG vehement ein eigenes Konzept, das auch ohne Fördergelder Verbesserungen verspricht. Die Frage, ob Harsewinkel hier eigenverantwortlich in den nächsten Jahren Lösungen anbieten kann, soll in den Fachausschüssen debattiert werden. Keine Mehrheit fand die Idee der UWG, ein Expertengremium zum Thema Breitbandausbau vorzuschalten, um die komplizierte Materie für die Politik aufzuarbeiten. Gegenargument von CDU, Brunhilde Leßner (Grüne) und Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide war, dass Entscheidungen ohnehin nur durch qualifizierten Ratsbeschluss herbeizuführen seien.

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