Bereits im November soll in Harsewinkel ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt worden sein. - © dpa (Symbolbild)
Bereits im November soll in Harsewinkel ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt worden sein. | © dpa (Symbolbild)

Harsewinkel Sexueller Übergriff in Harsewinkel: 14-Jährige von Jugendlichen missbraucht

Matthias Bungeroth
Stefan Boes

Carina Schmihing

Lothar Schmalen

Harsewinkel. Bereits im November 2017 soll ein 14-jähriges Mädchen in Harsewinkel Opfer von sexuellen Übergriffen durch eine Gruppe junger Männer geworden sein. Das teilte die Kreispolizei Gütersloh erst am Donnerstag mit. Laut Polizei hatte sich das 14-jährige Mädchen im November 2017 mit einem Jugendlichen verabredet und begab sich nach Harsewinkel. Dort traf man sich in einem Privathaus. Dort kam es dann letztlich zum Zusammentreffen mit insgesamt sechs männlichen Jugendlichen, darunter fünf Heranwachsende zwischen 14 und 17 Jahren und ein 19-Jähriger. Laut Angaben der Polizei handelt es sich bei den jungen Männern um drei deutsche und drei syrische Staatsangehörige. Im Laufe des Abends soll die Gruppe Alkohol konsumiert haben. Nach einiger Zeit begleiteten die Jugendlichen das inzwischen stark alkoholisierte Mädchen dann offenbar in eine nahe gelegene Parkanlage. Die Verdächtigen informierten den Rettungsdienst, warteten aber nicht auf das Eintreffen der Rettungskräfte. Auch die Polizei wurde durch die Leitstelle des Rettungsdienstes alarmiert und rückte mit aus. Zunächst keine Hinweise auf Straftat Passanten im Park seien bei dem Mädchen gewesen, als Hilfe eintraf, sagte Katharina Felsch von der Polizei Gütersloh. Nach ersten Erkentnissen hätten sich keine Hinweise auf strafbare Handlungen ergeben, heißt es im Polizeibericht. Die Jugendliche selbst konnte keine Angaben zum Verlauf des Abends machen. "Es gab beim Auffinden des Mädchens keinen Hinweis auf eine Straftat", sagt Felsch. In den nachfolgenden Wochen hätten sich Hinweise auf "sexuelle Handlungen zum Nachteil der 14-Jährigen" ergeben. Ende Januar seien erstmals Personen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von Opfer und Tätern auf die Polizei zugekommen, sagte Felsch. Daraufhin habe die Polizei intensive und umfangreiche Ermittlungen eingeleitet, bei denen immer mehr "Puzzleteile" zusammengekommen seien. Bei Vernehmungen der Beteiligten sollen einige von ihnen geständige Einlassungen abgegeben haben. Das weitere Verfahren liegt "erst kurzzeitig" in den Händen der Staatsanwaltschaft Bielefeld, wie Pressedezernent und Oberstaatsanwalt Udo Vennewald bestätigt. "Die Ermittlungen durch die zuständige Dezernentin dauern an", sagt Vennewald. Warum wurde der Fall erst jetzt bekannt? Aus Gründen des Opferschutzes wird in Fällen, bei denen Täter oder Opfer minderjährig sind, zurückhaltend über die Straftaten informiert. Aus diesem Grund habe sich die Polizei dazu entschieden, den Sachverhalt zunächst nicht zu veröffentlichen, sagt  Felsch. Bekannt geworden war der Fall durch einen am 6. Juni erschienenen Bericht eines rechten Blogs. Demnach sei die mutmaßliche Vergewaltigung von Polizei und Politik "vertuscht" worden. Sabine Amsbeck-Dopheide, Bürgermeisterin der Stadt Harsewinkel, widerspricht dieser Darstellung gegenüber der NW. Sie habe erst am Montag, 4. Juni, von dem Fall erfahren und verschweige nichts. Es sei allerdings auch nicht ihre Aufgabe, sich zu der Angelegenheit zu äußern. "Das ist ausschließlich Aufgabe der Staatsanwaltschaft", sagte Amsbeck-Dopheide. Opferschutz: Polizei hielt Informationen zurück Auch Sven-Georg Adenauer, Landrat des Kreises Gütersloh und Chef der Kreispolizeibehörde, argumentiert mit dem Opferschutz. Der stehe "über allem", heißt es auf Anfrage. "Für uns ergaben sich erst nach langer Zeit Hinweise auf eine Straftat." Das Opfer sei von einem Arzt neutral untersucht worden. Ergebnis: "Es gab überhaupt keine Hinweise auf eine Vergewaltigung." Aufgrund von später eingegangenen Hinweisen seien dann jedoch sechs Tatverdächtige ermittelt worden. Diese Erkenntnisse seien dann an die Staatsanwaltschaft Bielefeld weitergeleitet worden. Innenminister Herbert Reul sagte am Donnerstag gegenüber der NW: "Wir erwarten von den Polizeibehörden Transparenz und Offenheit. Manchmal kann es aber auch gute Gründe geben, die gegen eine Veröffentlichung sprechen, etwa wenn es um den Schutz eines Opfers geht. Im vorliegenden Fall haben wir die Polizei in Gütersloh um einen Bericht gebeten." Dem Leiter der Gütersloher Außenstelle des Opferschutzvereins Weißer Ring sei der Fall nicht bekannt. Er zeigt aber Verständnis für die Entscheidung der Polizei, mit der Straftat nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. „Ein Opfer möchte in einem kleinen Ort nicht als Opfer in der Zeitung stehen. Die mediale Berichterstattung ist eine unglaubliche zusätzliche Belastung", sagt Deppe. Man müsse sich in die Opferrolle hineinversetzen. Die betroffenen Personen seien in einem völligen Ausnahmezustand. In einem Fall, wie dem aktuellen in Harsewinkel, stehen die Informationsbedürfnisse der Öffentlichkeit und die Empfindungen des Opfers in einem Konflikt, sagt Deppe.

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