Dank an den Stifter Heiner Bessmann: In die Mauer des Bürgerhauses wurde eine Steinplatte eingelassen, die an die lange Geschichte des ehemaligen Bauerhauses aus Lintel erinnert. - © Richard Zelenka
Dank an den Stifter Heiner Bessmann: In die Mauer des Bürgerhauses wurde eine Steinplatte eingelassen, die an die lange Geschichte des ehemaligen Bauerhauses aus Lintel erinnert. | © Richard Zelenka

Marienfeld Einweihung des Marienfelder Bürgerhauses könnte sich verschieben

Das 800.000-Euro-Projekt ist im Plan. Der Innenausbau hat begonnen. Dabei ist traditionelles Handwerk gefragt. Eine Plakette erinnert an den Stifter

Richard Zelenka

Marienfeld. Der Wunschtermin für die Einweihung des Marienfelder Bürgerhauses ist Ende 2017 – dann könnte der traditionelle Neujahrsempfang in dem historischen Fachwerkhaus an der Klosterstraße stattfinden. „Aber es könnte auch sein, dass es erst zum Schützenfest im Juni fertig wird", warnt Ludger Hecker, Vorsitzender des Heimatvereins, vor übertriebenem Optimismus. Wie dem auch sei, der Trägerverein setzt sich nicht unter Druck und will Nägel mit Köpfen machen. Denn schließlich soll das Bürgerhaus, auf das die heimischen Vereine so lange haben warten müssen, ein Prachtstück werden. Man ist auf gutem Wege, wie bei einem Rundgang über die Baustelle in Sichtweite des alten Klosters mit Vorstandsmitgliedern des Trägervereins deutlich wurde. Das mit insgesamt 800.000 Euro veranschlagte Projekt ist voll im Plan. Der Rohbau steht, das Dach ist dicht, und auch der Innenausbau schreitet zügig vorn. Um Geld und Zeit zu sparen, packen die Mitglieder kräftig mit an. Vor allen samstags herrscht auf der Baustelle ein reges Treiben: Zehn bis 15 Ehrenamtliche opfern ihre Zeit, um das große Werk zu einem guten Ende zu führen. „Es wurden schon über 640 Stunden an Eigenleistung aufgebracht", freut sich Vorstandsmitglied Bernd Eversmann. Einen Betrag von 250.000 Euro steuert die Stadt zu dem Projekt bei. Etwa 60.000 Euro des Zuschusses wurden bereits abgerufen. „Das Geld fließt in Raten, je nach Bedarf", so Jürgen Hanfgarn. „Altes bewahren und zum neuen Leben erwecken" – so lautet das Credo von Heiner Bessmann und seinen Mitstreitern. Das erfordert manchmal unkonventionelle Lösungen: auch beim Innenputz. Denn der wird nach alten handwerklichen Traditionen in Lehm ausgeführt. Der Verein musste erst eine Firma suchen, die dieses Handwerk beherrscht. Man wurde fündig: Der Rheda-Wiedenbrücker Fachbetrieb Holena ist für naturnahe und nachhaltige Sanierung spezialisiert. Das Verfahren ist knifflig und zeitaufwendig. Der Wandputz wird in mehren Schichten aufgetragen, dazwischen kommen Dämmplatten aus Holzfasern. Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten sind lange Pausen notwendig, in denen der Lehm durchtrocknen muss. Unter dem Putz verschwinden die Heizrohre und elektrischen Leitungen. Kernstück des Hauses, das nach den Plänen des Architekten Norbert Ströer ausgebaut wird, ist der knapp 140 Quadratmeter große Versammlungsraum, in dem auch eine Theke im alten Stil Platz findet. Neben einer Küche und den sanitären Anlagen beinhaltet das Raumkonzept auch zwei kleinere Versammlungsräume (44 und 36 Quadratmeter), die durch eine Tür voneinander getrennt sind, damit die Vereine dort auch parallel ihre Veranstaltungen abhalten können. Treibende Kraft des Aufbaus ist der Marienfelder Schneidermeister und Heimatfreund Heiner Bessmann. Er schenkte dem Heimatverein das im Rheda-Wiedenbrücker Ortsteil Lintel abgebaute Fachwerk und spendete zudem einen Barbetrag von 100.000 Euro für den Aufbau des Begegnungszentrums. An den großzügigen Stifter erinnert heute schon eine zwischen den Klinkersteinen eingelassene Steinplatte mit dem Schriftzug „Bürgerhaus. Erbaut 1870 von der Familie Hansmeier Lintel. Wieder errichtet durch Heiner Bessmann Marienfeld".

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