Kreative Ansätze: Im ehemaligen Gemischtwarenladen Muckermann an der Brockhäger Straße präsentiert der Harsewinkeler Maler und Bildhauer Heinz Schößler bereits seit Jahren seine Kunstobjekte. Die Dauerausstellung fügt sich gut in das Stadtbild ein. - © Richard Zelenka
Kreative Ansätze: Im ehemaligen Gemischtwarenladen Muckermann an der Brockhäger Straße präsentiert der Harsewinkeler Maler und Bildhauer Heinz Schößler bereits seit Jahren seine Kunstobjekte. Die Dauerausstellung fügt sich gut in das Stadtbild ein. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Projektbüro hat neue Ideen gegen den Leerstand in Harsewinkel

Infoveranstaltung: Fachleute diskutierten auf Einladung der Grünen mit Geschäftsleuten und Immobilieneigentümern über ein heißes Thema

Richard Zelenka
10.03.2017 | Stand 10.03.2017, 11:12 Uhr

Harsewinkel. Juan Carlos Palmier fällt es nach eigenem Bekunden schwer, nicht "in Panik zu geraten", wenn er durch die Straßen der Harsewinkeler Innenstadt schlendert. "Es tut mit schon weh, wenn ich sehe, dass einige Geschäfte in zentraler Lage seit Jahren leer stehen. Und ich habe das Gefühl, dass das Problem schleichend größer wird", sagte der Sprecher des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen am Mittwoch, 8. März, vor gut besetzten Rängen im Heimathaus. Der Leerstand wird in vielen Städten zunehmend zum Problem - auch in Harsewinkel. Juan Carlos Palmier dokumentierte die Misere in der Kernstadt mit einer Vielzahl von Fotos leerstehender Läden. "Die Bilder sind an einem einzigen Tag entstanden, sagte er. Grund genug für die Grünen, dieses heikle Thema öffentlich aufzugreifen. Sie präsentierten ihren Gästen im Heimathaus im Rahmen einer Info- und Diskussionsveranstaltung gemeinsam mit dem Bremer Fachbüro "ZwischenZeitZentrale" (ZZZ) Ansätze, wie einer Verödung der Stadt und dem damit einhergehenden Abfluss der Kaufkraft mit Kreativität, neuen Ideen und Mut begegnet werden kann. Die "ZwischenZeitZentrale" hat eine Zauberformel Die in anderen Orten bereits mit Erfolg erprobte Zauberformel heißt "Vergünstigter Raum gegen befristete Nutzung". Im Klartext: Leerstehende Ladenlokale und gewerbliche Objekte werden Interessenten zu einem günstigen Mietpreis für eine befristete Nutzung zur Verfügung gestellt - eine idealer Plattform für Selbstständige, junge Existenzgründer und Kulturschaffende. Das Konzept geht auf, wie Daniel Schnier, der mit einem kleinem Team das Projektbüro "ZwischenZeitZentrale" betreibt, berichtete. Im Bremer Stadtteil Blumenthal seien aus den Zwischennutzungen in einigen Fällen mittlerweile langfristige Mietverhältnisse geworden. Doch auch in Harsewinkel sind bereits gute Ansätze erkennbar. So stellt im ehemaligen Gemischtwarenladen Muckermann an der Brockhäger Straße bereits seit Jahren der Maler Heinz Schößler seine Bilder aus; schräg gegenüber, im früheren Lederwarengeschäft Terlutter, nutzte der Modellbauverein Ikarus bis vor Kurzem das Schaufester, um für sich zu werben. Umnutzung in Wohnraum vorstellbar Solche und ähnliche Konzepte schweben den Initiatoren von ZZZ vor. Und sie stoßen im Rathaus auf offene Ohren, wie Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide deutlich machte, die sich aktiv an der Diskussion beteiligte. Sie könne sich zudem eine generelle Umnutzung leerstehender Lokale in Wohnraum vorstellen, wie sie sagte, während die Immobilienbesitzer, die sich ebenfalls im Plenum befanden, eher die bisherige traditionelle Erwartungshaltung an solventen Mietern mit bevorzugten langfristigen Nutzungsdauern artikulierten. Gegenüber der NW betonte der städtische Wirtschaftsförderer Markus Wiegert, dass man im Rathaus eine klare Strategie bei der Neunutzung von leestehenden Läden verfolge. Im Zusammenspiel mit Ladenbetreibern und Immobilieneigentümern, bemühe man sich, die vorhandenen Kapazitäten in der Kernstadt zu zentrieren. "Es geht aber nicht von heute auf morgen, weil es eine komplizierte Materie ist, bei der viele Komponenten beachtet werden müssen", so Wiegert. Juan Carlos Palmier zog ein positives Resümee der Veranstaltung: "Es fand ein sehr lebhafter, tiefgründiger Austausch statt. Veränderte Situationen durch den sich ausbreitenden Leerstand erfordern eben auch andere, ungewohnte Denkansätze, sich auf neue Ideen einzulassen, bekannte Pfade zu verlassen, um den Dominoeffekt des Leerstandes zu verhindern."

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