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Drogenkurier sagt vor Landgericht aus

„Ich sollte einen Kopfschuss erhalten“

Nils Middelhauve
22.07.2015 | Stand 22.07.2015, 13:00 Uhr

Bielefeld/Harsewinkel. „Als ich hörte, dass ich Heroin transportiert haben soll, wurde ich doch noch etwas nervös“, sagte Jusuf R. (Namen aller Betroffenen geändert) am zweiten Verhandlungstag. Der 37-jährige Bielefelder ist einer von vier Angeklagten, die sich derzeit wegen des Verdachts des Drogenschmuggels vor dem Landgericht verantworten müssen (die NW berichtete am Samstag). Im April 2014, so sagte R. gestern aus, habe er einen Anruf seines in Harsewinkel lebenden Onkels Zeki (51) erhalten. Dieser habe von seinen finanziellen Problemen gewusst und ihm gesagt, er habe Arbeit für ihn: „Du machst Urlaub in der Türkei und bekommst 10.000 Euro dafür.“ Es sei ihm, so der 37-Jährige, klar gewesen, dass es sich um eine Kurierfahrt handeln müsse. Allerdings habe er dabei nicht an Heroin gedacht, „eher an Gold oder Schwarzgeld“. Im Sommer transportierte R. – nach eigenen Angaben ohne sein Wissen – 35 Kilogramm der Droge nach Deutschland. Nach einer zweiten Fahrt im Oktober gab es jedoch ein großes Problem: Als R. nach der Rückfahrt den für etwa eine Stunde auf einem öffentlichen Parkplatz in Bielefeld abgestellten Nissan zu seinem Onkel nach Harsewinkel bringen wollte, war das Auto nebst 44,5 Kilogramm Heroin verschwunden. Bei einem daraufhin einberufenen Treffen mit den ihm zuvor unbekannten Auftraggebern in den Niederlanden, dass in der Nähe von Utrecht stattgefunden habe, sei ihm zwar zugesichert worden, dass ihm nichts geschehen würde, berichtete R. gestern. Doch habe ihm der nun mitangeklagte Volkan D. (55) später klargemacht, dass dieser einen Auftrag erhalten habe: „Zeki und ich sollten von D. einen Kopfschuss erhalten.“ Jusuf R. sah sodann keinen anderen Ausweg, als sich an einen Anwalt zu wenden. Auf Anraten seines Verteidigers Holger Rostek habe er den Fall dann der Polizei geschildert und sei festgenommen worden. Der Prozess wird am 31. Juli fortgesetzt.

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