Harsewinkel Politische Kultur auf dem Prüfstand

Ja zum Bürgerhaus / Fragen von Juan-Carlos Palmier

Richard Zelenka

Harsewinkel (rz). Auf den ersten Blick sieht es nach Eintracht und Harmonie aus: Einstimmig folgte der Rat am Dienstag der Empfehlung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses und befürwortete das vorliegende Konzept für das Marienfelder Bürgerhaus. Doch es gab vier Enthaltungen - und eine heftige Aussprache über die politische Kultur und den Umgang mit konträren Meinungen in den städtischen Gremien. Enthalten haben sich neben Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide und Gerd Schnell (SPD) auch die beiden Grünenvertreter Brunhilde Leßner und Juan-Carlos Palmier. Und dieser sorgte mit seiner Erklärung zum Bürgerhausprojekt für einige Aufregung und giftige Verbalpfeile im Rat. Es gebe noch viele offene Fragen bei diesem Thema, sagte Palmier und bat, die Entscheidung über das Bürgerhaus zu vertagen. Er sähe sich lediglich als ein Sprachrohr der Marienfelder Bürgerschaft, in der es noch einige Fragen und Bedenken zu dem bevorstehenden Projekt gebe. Auch er begrüße den fraktionsübergreifenden Konsens darüber, dass die Marienfelder ein Kulturzentrum brauchen - man sollte aber nicht nach dem Motto "dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" verfahren. "Entscheidungen unter Zeitdruck sind selten gut", sagte Palmier und erinnerte daran, dass seit der Empfehlung im Schulausschuss gerade vier Wochen vergangen seien. Palmier brachte eine ganze Reihe von Bedenken gegen die jetzigen Pläne vor: Das idyllische Grundstück sei zu klein für das große Haus, zudem liege es nicht wirklich zentral. Die Lage direkt neben dem Friedhof sei nicht optimal. "Es sollte ein Ort der Stille sein", sagte Palmier mit dem Hinweis darauf, dass der Heimatverein dort auch sein Schützenfest ausrichten wolle. Zudem fehlten Parkplätze im Umfeld. Außerdem könnte die Nähe der viel befahrenen Klosterstraße mit erlaubtem Tempo 70 zu Sicherheitsproblemen führen. Als eine "Büttenrede" und einen "Schlag ins Gesicht des Investors und des Vereins" bezeichnete Dieter Berheide (CDU) die Erklärung von Juan-Carlos Palmier. "Wir können froh sein, dass wir ein Fachwerkgebäude geschenkt bekommen, das so ortsprägend ist". Als "haltlos und frech" bezeichnete Dr. Angelika Wensing (CDU) die Äußerungen des Grünenpolitikers. "Zum ersten Mal bin ich froh, dass Sie nur zu zweit hier sitzen". "Beschämend" fand Manuel Feuß (SPD) die heftigen Reaktionen auf den Vortrag Palmiers. "Man sollte Respekt auch vor einer anderen Meinung haben. Die Argumentation war sachlich und vernünftig. Sie regt zum Nachdenken an", sagte Feuß.

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