Harsewinkel Immobilienmarkt nach dem Abzug der Briten

Fragen der UWG / Fachleute vor dem Stadtrat

Harsewinkel (rz). Unnötige Panikmache oder begründete Sorgen um die Entwicklung des heimischen Immobilienmarktes? Diese Frage stand im Raum, als im Rat über einen Antrag der UWG beraten wurde, der die Folgen für die Stadt aus dem Abzug der britischen Streitkräfte zum Inhalt hat.

Die Unabhängigen befürchten, dass es dann zu einem Überangebot an Wohnraum kommt, der mit Kaufkraftverlust und der Bildung sozialer Brennpunkt vor allem in Marienfeld, wo das Gros der Briten wohnt, einher geht. Die UWG regt an, ein Konzept für "eine städtebaulich vertretbare Umnutzung und Vermarktung der frei werdenden Wohnungen zu erarbeiten", wie sie schreibt.

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Heinz Bünnigmann
CDU-Fraktionssprecher

Auf Wunsch der UWG hatte die Stadtverwaltung Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zur Sitzung eingeladen, die als zentrale Immobiliendienstleisterin bei dem Britenrückzug fungiert. Den Sitzungsunterlagen war eine Einschätzung des derzeitigen Wohnungsmarktes in Harsewinkel beigefügt. Rolf Bornemann schildert darin zunächst die Entwicklung nach der Aufgabe der Wohnungen in der Hochhaussiedlung Dammanns Hof 1988. Damals hätten etwa 1.250 NATO-Angehörige in Harsewinkel gelebt. Diese Zahl habe sich nach dem Abzug der Royal Air Force 1993 zunächst wesentlich verringert, sei aber ab 2006 kontinuierlich wieder auf den Stand der späten 1980er angewachsen. Seit 2013 sei ein Rückgang der Briten um etwa 20 Prozent zu verzeichnen. Nach dem Stand von 2010 seien insgesamt 282 Wohneinheiten für britische Streitkräfte angemietet gewesen. Aktuell bestünden noch Mietverhältnisse für 232 Wohnungen.

Laut Bornemann ist die Wohnungsmarktlage "derzeit sehr angespannt". Es bestehe ein "erheblicher Bedarf" vor allem an kleineren und altengerechten Wohnungen zu angemessenen Preisen. Die angespannte Lage verschärfe sich zusätzlich durch den verstärkten Zuzug von Flüchtlingen. "Der Freizug von Wohnungen durch NATO-Angehörige wird den Wohnungsbedarf nicht decken, da er sowohl hinsichtlich der Wohnungsgrößen und auch der Mietpreise diesem Bedarf nicht entspricht", lautet das Fazit Bornemanns.

CDU-Sprecher Heinz Bünnigmann plädierte dafür, dieses sensible Thema mit mehr Fingerspitzengefühl zu behandeln. Nach seinen Internetrecherchen gibt es derzeit lediglich 14 verfügbare Immobilien in der Stadt. "Das ist zu wenig, die Nachfrage ist viel höher", so der CDU-Sprecher. In Zeiten niedriger Zinsen, seien Immobilien als Kapitalanlage begehrt. Der Vorstoß der UWG sei durchaus berechtigt, befand Reinhard Hemkemeyer (SPD). Es stelle sich aber die Frage, was die Stadt konkret tun solle. Außerdem sei noch nicht sicher, ob die Briten unter einer anderen Regierung auch wirklich abziehen werden. Diesen Einwand entkräftete BImA-Fachgebietsleiterin Edith Kantimm-Heyer mit den Worten: "Es ist ein riesiger Moloch - einmal in Bewegung gesetzt, ist er nicht mehr zu stoppen". "Ein wenig geärgert" hat sich nach eigenem Bekunden Dr. Angelika Wensing (CDU) über die UWG-Initiative. "Es gibt bessere Wege, damit umzugehen und an verlässliche Informationen zu kommen", sagte sie mit dem Hinweis auf den CDU-Stammtisch zum gleichen Thema. Dort habe man nicht einmal ansatzweise Probleme auf dem Immobilienmarkt nach dem Abzug der Briten gesehen. Ähnlich sieht es ihr Fraktionskollege Dieter Berheide: Der Antrag sei "kontraproduktiv und an der Realität vorbei". Johannes Sieweke (UWG) begründete die Fragen seiner Fraktion damit, dass man auf eventuelle Entwicklungen rechtzeitig vorbereit sein müsse.

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