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Monsignore Ansgar und Bischof Ernst (Jörn Wollenweber und Georg Peters) kämpfen um die Ehre. - © FOTO: ROBERT BECKER
Monsignore Ansgar und Bischof Ernst (Jörn Wollenweber und Georg Peters) kämpfen um die Ehre. | © FOTO: ROBERT BECKER

Marienfeld Aufruhr im Kloster Marienfeld

Unterhaltsames Kriminalbankett mit dem Ensemble "Kurtzweyl" im Rincklake-Haus

VON ROBERT BECKER
14.11.2014 | Aktualisiert vor 0 Minuten

Marienfeld. Das Kriminalbankett in der Klosterpforte begann mit kurzer Verspätung. Das vierköpfige Ensemble "Kurtzweyl" hatte auf der Anreise aus dem Bergischen Land einen Defekt am Auto. Mit 30-minütiger Verspätung gelang es den Schauspielern gleichwohl, die Besucher im Rincklake-Haus zu verzaubern. Rund 30 Gäste dinierten dazu.

Parallel mussten sie den "Mörder" von Schwester Ignatia ausfindig machen und schriftlich ihre Vermutung kundtun: Hat die Äbtissin, Monsignore Ansgar, Bischof Ernst oder gar der Klosterdepp die "Bluttat" verrichtet?

Das "Spektakulum" ereignet sich im Jahre 1590 im vornehmen Damenstift St. Wilgefort. Mit Spannung, Witz und Livemusik wurde die Legende zelebriert. In vier Akten ist die Geschichte der acht Charaktere schnell erzählt: Zum Patronatsfest werden die Reliquien der bärtigen Nonne, der "Heiligen Kümmernis", erwartet. Die Freude wird getrübt durch das Erscheinen eines päpstlichen Gesandten, der die Einhaltung der Ordensregeln – Armut, Keuschheit, Gehorsam – überprüfen will. Bald zeigt sich, dass der Schleier nicht nur Bärte verdeckt, sondern auch manche Untugend. Habgier, Intriganz und enttäuschte Liebe führen schließlich zum Verbrechen. Unter dem frommen Habit der Tugend grassieren Habgier, Neid und Niedertracht.

Mindestens genauso spannend wie die vier Akte der "bärtigen Nonne" war die Geschichte um den defekten Pkw der Schauspieler. Der stotterte nämlich genau in Höhe von Gevelsberg seinem Ende entgegen. "Er liegt jetzt im Hohlweg von Gevelsberg", sagte Jörn Wollenweber, der das Stück mit Melanie Raabe, Barbara Degener und Georg Peters spielte. Eine mystische Eingebung, denn genau dort, in Gevelsberg, endet die Geschichte des neueren Stücks von Kurtzweyl, der "Mord im Hohlweg", der im März 2015 in Marienfeld aufgeführt wird. Dabei geht es um das Ende von "Engelbert von Köln" am 7. November 1225. Der hatte damals viele Gegner. Erst später wurde seine Leiche gefunden. Zur Mordtheorie gebe es neue Erkenntnisse, sagt Barbara Degener. Engelbert wurde als Heiliger dargestellt, aber so wollen die Schauspieler ihn nicht zeigen. "Er war nicht besonders heilig", glaubt Degener. Entführt, erpresst und ermordet wurde er. Nur, wer war es? Auch hier darf das Publikum mitwirken an der Lösung. Degener hat das Theaterstück geschrieben. "Die Gags dazu entwickeln wir alle zusammen", erklärt sie die Arbeitsweise ihres Ensembles.

Die Enge im Eventhaus Rincklakes gefiel den Schauspielern, die zuvor im März im Saal der Tenne und im November 2013 in der Alten Abtei ihre "bärtige Nonne" gespielt hatten (die NW berichtete). Alle Gäste bekamen Kopfüberzüge. "Unser Schauspiel lebt vom engen Kontakt zum Publikum", sagt Degener. Die nächsten Termine sind wieder in altehrwürdigen Gemäuern angesetzt, in Schloss Altena, Schlosshotel Gimborn und "Holsteins Mühle" in Nümbrecht.