Harsewinkel Soja soll in Harsewinkel reihenweise Vorteile bringen

Bio-Bauernhof startet ungewöhnlichen Pflanzenanbauversuch

Harsewinkel. Reihenabstand 36 Zentimeter, Wuchshöhe fünf bis zehn Zentimeter. Biolandwirt Ludger Strotdrees und Pascal Gerbaulet von der Landwirtschaftskammer NRW begutachten die jungen Pflanzen, die nahe beim Hof in Harsewinkel wachsen. Die wirken wenig spektakulär, sind aber doch etwas Besonderes: Es sind Sojabohnen, die bisher auf den Äckern in OWL keine Rolle spielen. Das soll sich ändern. Die Versuchsfläche, groß wie ein Fußballfeld, ist Teil eines bundesweiten Forschungsprogramms des Landwirtschaftsministeriums, an dem im NRW zwei Bio- und zwei konventionelle Höfe teilnehmen. "Ziel ist es, die sogenannte Eiweißlücke zu schließen", erklärt Landwirt Strotdrees. Das heißt: den Import von Soja aus den USA oder Brasilien nach Europa zu reduzieren. Statt dessen sollen Eiweißpflanzen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen oder Soja für die menschliche Ernährung, aber vor allem als Tierfutter auf den heimischen Flächen angebaut werden. Dabei schneidet das Soja-Eiweiß – es macht 40 Prozent der Bohne aus – mit weitem Abstand am besten ab. Biolandwirte wie Strotdrees setzte bisher aber kein Soja in der Tiernahrung ein. Denn die Mehrzahl der Lieferungen weltweit besteht aus gentechnisch veränderten Bohnen. Eindeutig gentechnikfrei Ware aus Exportstaaten wie Brasilien oder USA ist de facto nicht zu bekommen. Der eigene Anbau auf heimischen Höfen könnte hier helfen. Darüber hinaus hat die Bohne noch einen zweiten ackerbaulichen Vorteil: Sie sammelt mit Hilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln eigenen Stickstoffdünger. Der kann nach der Ernte von den nachfolgenden Feldfrüchten genutzt werden. "Gerade für uns Biolandwirte spielen diese Leguminosen bei der Nährstoffversorgung eine wichtige Rolle. Doch Ackerbohnen oder Erbsen kann man nur alle sechs oder sieben Jahre anbauen. Soja ist da anders", so der Harsewinkler Landwirt. An den Anbau musste er sich erst herantasten. Aussaat per Traktor mit Drillmaschine im April und die spätere Ernte im September per Mähdrescher sind dabei nicht die Herausforderungen, so etwas macht ein Landwirt routiniert. Ärger bereiten aber Vögel, die die keimenden Böhnchen aus der Erde ziehen: "Ein Drittel der Versuchsfläche ist deshalb weg", skizziert Pascal Gerbaulet die Folgen. Der Rest ist jetzt mit einem Netz überzogen. Daneben gibt es am Harsewinkler Standort eine Unwägbarkeit: "Der Boden ist sandig, speichert aber wenig Wasser. Deshalb kann es zu Problemen kommen, wenn es nicht genug regnet", erklärt Strotdrees weiter. Über mögliche Erträge kann er deshalb auch nur spekulieren. "Es können 2,5 Tonnen je Hektar sein, die Menge kann aber auch unter einer Tonne liegen." Generell ist das Wetter entscheidend, berichtet Imke Austermann vom Saatzuchtunternehmen RAGT: "Sojabohnen brauchen sehr viel Wärme. Ist ein Jahr feucht und kalt, können die Erträge ziemlich darunter leiden." Das Herforder Unternehmen – Tochter eines französischen Pflanzenzüchters – gehört zu den wenigen Soja-Züchtern in Europa und betreibt mit der Uni in Osnabrück seit Jahren einen Versuchsanbau. "Wir haben vor allem Nachfragen von Biohöfen, aber auch konventionelle Betriebe bauen inzwischen Sojabohnen an, etwa für die Lebensmittelindustrie." Dabei steht vor allem die Frage der Wirtschaftlichkeit im Blick, die bei konventionellen Höfen anders ist als bei Biobetrieben. Bei Biosoja schwankt der Preis je nach Verwendungszweck zwischen 50 und 80 Euro je 100 Kilo, im konventionellen Anbau liegen der Preis hingegen sehr weit darunter. Ein Grund für einen künftig stärkeren Anbau auf konventionellen Höfen, erklärt Kammerexperte Gerbaulet, könnte der Wunsch von Molkereien oder anderen Lebensmittelfirmen sein, gentechnikfrei zu produzieren – beispielsweise Sojamilch. "In Süddeutschland wird das bereits praktiziert."

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