Halle Mordfälle Nelli Graf und Gabriele Obst: Sonderkommissionen werden aufgelöst

Halle. Die Akten werden zugeklappt: Zum 31. Juli wird die Sonderkommission aufgelöst, die sich mit den beiden Haller Mordfällen Nelli Graf (46) und Gabriele Obst (49) befasst hat. Die verbleibenden zehn Ermittler kehren in ihre Stammdienststellen zurück. Im Mordfall Obst sitzt der Ehemann (74) in U-Haft, demnächst will die Staatsanwaltschaft ihn anklagen; im Mordfall Graf gibt es weiter keine Verdächtigen. 6.600 Speichelproben wurden seit dem Mord an Nelli Graf (46) im Oktober 2011 entnommen, um die DNA mit der an der Leiche gesicherten Täter-DNA zu vergleichen. Ergebnis: negativ. 7.000 Spurenakten sind nach 20 Monaten Ermittlungen zusammengetragen worden, in denen alle befragten Zeugen erfasst sind. Je ein Exemplar geht nun an die Staatsanwaltschaft, eines bleibt bei der Polizei. Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann, Leiter der Sonderkommission, muss in den nächsten Tagen all diese Akten archivieren und kontrollieren. Dann warten neue Aufgaben. Östermann atmet mit Blick auf die Aktenberge tief durch, dann räumt er offen ein, dass das Ergebnis nach über eineinhalb Jahren intensiver Ermittlungen unbefriedigend ist. "Ich habe eine Verantwortung gegenüber dem Opfer und den Hinterbliebenen, gegenüber meinen Mitarbeitern, die mit Herzblut und Engagement bei der Sache waren." Natürlich gebe es noch immer nur das eine Ziel: den Täter zu finden. "Aber im Moment gibt es einfach keine neuen Ansätze. Alles, was wir hatten, ist zurzeit ausermittelt."DNA-Spur sorgte zunächst für Optimismus Seit 1991 ist Östermann Leiter der Mordkommission bei der Kriminalpolizei Bielefeld, und während seiner langen Berufserfahrung hat der 56-Jährige die unterschiedlichsten Fälle gelöst. Als ihm der Mordfall Graf übertragen wurde, war er optimistisch, auch hier den Täter zu finden. Ganz anders als beispielsweise zuvor im Mordfall Frauke Liebs aus Paderborn (siehe Kasten). Denn bei Nelli Graf gab es eine DNA-Spur an der Leiche. "Wir hätten nicht gedacht, dass hinter den zentralen Fragen bis auf weiteres Fragezeichen bleiben", sagt der Ermittler. Ungeklärt ist bis heute, wohin Nelli Graf wollte, als sie am Mittag des 14. Oktober 2011 mit dem Rad von zu Hause losfuhr; ob sie eine Verabredung hatte; wo sie ermordet wurde. "Unsere Arbeitsthese war, dass Frau Graf den Täter zumindest gekannt hat - in welcher Form auch immer", sagt Östermann. "Schließlich ist es ja auch höchst unwahrscheinlich, dass ein Mann mit vorbereiteten Kabelbindern und Klebeband im Wald sitzt und auf ein Zufallsopfer wartet." Auch glaubt die Polizei weiter an einen Zusammenhang zwischen dem Fahrradfundort, dem Leichenfundort Wochen später in einem Wald und dem Täter. Und die Hoffnung, dass der Mann eines Tages doch noch gefasst wird, gibt Östermann nicht auf. Die Täter-DNA ist in der Datenbank. Und sollten sich neue Hinweise ergeben, werden die Akten wieder aufgeklappt.

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