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Nach der Operation hatte Nadine Springer an beiden Armen einen Gips. Ihre Handgelenke musste sie lange Zeit hochlegen. - © Privat
Nach der Operation hatte Nadine Springer an beiden Armen einen Gips. Ihre Handgelenke musste sie lange Zeit hochlegen. | © Privat

Kreis Gütersloh Nach Horror-Sturz: So kämpft sich diese Frau zurück

Nadine Springer zertrümmert sich bei einem Fahrrad-Sturz beide Handgelenke. Davon hat sie sich zwar nach langem Leiden erholt - ein Streit mit der Krankenkasse dauert allerdings noch an.

Dennis Bleck
13.01.2020 | Stand 13.01.2020, 14:57 Uhr

Halle. Eigentlich hatte Nadine Springer diese Posse längst für beendet erklärt. Im November 2018 verletzte sich die Triathletin aus Halle schwer. Bei einem Sturz mit dem Fahrrad zertrümmerte sich Springer beide Handgelenke. Die Operation, die Reha, den Schmerz: All das steckte die 41-Jährige weg. Geblieben sind nur die Narben. Und die schlechten Erinnerungen an ihre Krankenkasse, die jetzt, kurz nach Weihnachten, plötzlich wieder präsent sind.

Am Tag des Unfalls war es kalt und nass. Als Freund Christian vor einer engen Tunneldurchfahrt bremste, um ein Auto passieren zu lassen, konnte die Hallerin nicht schnell genug reagieren. Das Ausweichmanöver scheiterte: Mit rund 30 Stundenkilometern krachte Springer vor eine Wand. „An den Aufprall kann ich mich heute nicht mehr erinnern", sagt sie. An ihr erstes Empfinden nach dem Unfall hingegen schon: „Als ich mich bewegen wollte, dachte ich, meine Hände gehören nicht zu mir", sagt sie.

Mit der Krankenkasse gibt es einen Streit, der bis heute andauert

Im Krankenhaus fixierten die Ärzte die Handgelenke mit Schrauben und Platten. Eine Woche blieb Springer zur Versorgung vor Ort. Dann durfte die Sachbearbeiterin mit zwei eingegipsten Unterarmen nach Hause. Plötzlich war die Triathletin auf sich allein gestellt. „Ich konnte mir weder ein Brot schmieren, noch eine Flasche Wasser öffnen", erinnert sie sich. Weil sich Springer zudem wochenlang weder alleine anziehen noch waschen konnte, beantragte sie bei ihrer  Krankenkasse eine häusliche Pflegekraft. Die lehnte ab. Christian nahm sich stattdessen Urlaub und half seiner Freundin.

Ein Umstand, der dem Paar damals viel Ärger bereitete. Ärger, mit dem Springer jedoch eigentlich abgeschlossen hatte. Bis zu dem Tag, als es erneut Schwierigkeiten mit der Krankenkasse gab.

Bis heute weigert sich die Kasse 800 Euro zu zahlen

Nachdem die Ärzte im vergangenen Oktober die Schrauben und Platten entfernt hatten, reichte Springer einen gelben Schein bei der Krankenkasse ein. Weil sie angeblich Fristen nicht eingehalten habe, weigert sich diese bis heute 800 Euro Krankengeld zu bezahlen. Die gebürtige Steinhagenerin hat Widerruf eingelegt.

Auf Nachfrage dieser Zeitung verwies die Krankenkasse auf die Schweigepflicht. In der Bildzeitung, die ebenfalls über Springers Fall berichtete, nimmt ein Sprecher Stellung zu den Vorwürfen aus November 2018. „Wir haben Frau Springer häusliche Krankenpflege für bis zu vier Wochen angeboten. Von diesem Angebot hat sie keinen Gebrauch gemacht", heißt es im Boulevard-Blatt.

Eine lange rechtliche Auseinandersetzung droht

Springer entgegnet: „Das ist totaler Quatsch. Davon habe ich nie etwas gehört – weder postalisch noch via Telefon. Das hätte ich doch sofort angenommen." Eine lange rechtliche Auseinandersetzung droht. Doch dass Springer bereit ist zu kämpfen, bewies sie im vergangenen Jahr.

Nur sechs Wochen nach ihrer schweren Verletzung stieg sie wieder aufs Rad. Die ersten Kilometer spulte sie zwar noch nicht an der frischen Luft, sondern auf dem Heimtrainer ab. Trotzdem fühlte es sich gut an: „Ich wollte einfach so schnell es geht wieder Sport machen", sagt die zweifache Mutter. Über ihren Freund ist sie zum Triathlon gekommen, startet für den Bielefelder Verein TSVE. Sie glaubt: „Ohne die Liebe zum Sport wären meine Hände nicht da, wo sie heute schon wieder sind." Ihr Antrieb waren ehrgeizige Ziele, die sie sich für 2019 gesetzt hatte. Ziele, die sie allerdings nicht alle erreichen konnte.

Sie bricht beim Ironman zusammen

Ende Juli, rund sieben Monate nach ihrer schweren Verletzung, nahm Springer schon wieder am Ironman in Hamburg teil. Der prestigeträchtige Wettkampf in der Elbmetropole kam aber zu früh. Bei tropischer Hitze verhinderten Kreislauf-Probleme den Finisher-Empfang. Springer brach zusammen. Glücklicherweise befand sich auf ihrer Höhe eine Ärztin, die Erste Hilfe leistete.

Nach wenigen Stunden im Krankenhaus entließ sich Springer selbst. Einige Tage nach dem Zusammenbruch stand für sie fest, dass sie erneut in Hamburg starten will. „Ich habe zwar schon zwei Langdistanzen beendet, aber noch keinen Ironman", sagt sie. Für dieses Jahr schmiedet Springer allerdings vorerst andere Pläne.

"Der Unfall hätte noch viel schlimmer enden können"

Im April will sie zunächst den Paris Marathon laufen und wenig später beim "Hermann" starten. Mit dem TSVE peilt sie diverse Ligastarts an. Langdistanzen hat sie ebenfalls geplant. Eine erneute Teilnahme beim Ironman in Hamburg soll frühestens 2021 erfolgen. Um dann eine neue persönliche Bestzeit zu schaffen, soll Freund Christian den Trainingsplan schreiben.

Natürlich hat Springer auch immer ihre Gesundheit im Kopf. Schließlich, das weiß sie heute, „hätte der Unfall noch viel schlimmer enden können". Doch sie blickt lieber nach vorne als zurück.

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