Frank Burshille an der 25 jahre alten Vaillant-Heizung. - © Heiko Kaiser
Frank Burshille an der 25 jahre alten Vaillant-Heizung. | © Heiko Kaiser

Halle Haller wirft Monteur aus dem Haus: „Ich lasse mir die Heizung nicht abstellen“

Ein Monteur will Frank Burshille wegen zu hoher Emissionen die Wärmequelle stilllegen. Der Mann aus Halle kann sich das Ergebnis nicht erklären und vermutet einen Messfehler. Da sich der Monteur uneinsichtig zeigt, wirft Burshille ihn aus dem Haus

Halle. Frank Burshille ist niemand, der die Dinge einfach so hinnimmt. „Mit mir kann man so etwas nicht machen", sagt er und lehnt sich entspannt auf dem Küchenstuhl zurück. „Aber was wäre, wenn ein älterer Mensch damit konfrontiert worden wäre?", fragt der 54-Jährige und breitet die Arme aus. Die Antwort muss er nicht geben. Sie ist klar. Es geht um die Umstellung von L-Gas auf H-Gas, die seit Anfang des Jahres in die finale Phase geht. Weil die TWO die Versorgung am 12. März von Erdgas L auf das energiereichere H-Gas umstellen, müssen bis dahin fast 5.000 Geräte in Halle technisch an den höheren Brennwert angepasst werden. Zur Zeit sind daher Monteure des beauftragten Dienstleistungsunternehmen Gatter 3 in Halle unterwegs. Am 18. Januar klingelte einer dieser Mitarbeiter zum verabredeten Termin auch an der Tür von Frank Burshille. Messwerte des Schornsteinfegers überzeugen nicht „Er ging in den Keller, kam nach einer halben Stunde wieder herauf und erklärte, dass er die Heizung stillegen müsse. Der Kohlenmonoxidgehalt läge bei 14.000 ppm und übersteige damit den zulässigen Grenzwert um das 14-fache", berichtet Burshille. Der Monteur legte ihm als Beweis das Protokoll vor. 14.451 ppm (parts per million) wies der Ausdruck Schwarz auf weiß aus. Doch für den Hausbesitzer war damit die Sache keineswegs klar: „Entweder sie haben die Anlage beim Einbau der neuen Düse kaputtgemacht oder sie ist falsch eingestellt", entgegnete er dem Gatter-3-Mitarbeiter. Auch sein Hinweis, ein halbes Jahr zuvor habe der Schornsteinfeger einen Kohlenmonoxidwert von 218 ppm gemessen, überzeugte den Monteur nicht. Er beharrte auf dem Vorhaben der Stilllegung, worauf Burshille von seinem Hausrecht Gebrauch machte und den Mann mit Nachdruck hinauskomplimentierte. Um die Sache zu klären, setzte er sich anschließend mit den TWO in Verbindung und wurde mit einem verantwortlichen Gatter-3-Mitarbeiter verbunden. „Er war bereits informiert worden und kam kurze Zeit später hinaus", erinnert sich Burshille. Der Mann prüfte die Heizung und fand heraus, dass der Gasdruck falsch eingestellt worden war. Nach der Korrektur ergab die neue Messung einen Wert 280 ppm Kohlenmonoxid. „Ich lasse mir doch nicht bei minus sieben Grad die Heizung abstellen" Noch immer ärgert sich Frank Burshille über diesen Vorfall. „Ich lasse mir doch von einem Subunternehmer nicht bei minus sieben Grad die Heizung abstellen. Von jemandem, bei dem ich nicht einmal weiß, ob er überhaupt qualifiziert ist." Bedenken, die Guido Dubielzig, ausräumen will. „Es handelt sich um ausgebildete Fachleute, die spezielle Schulungen gemäß den Regeln des Deutscher Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) durchlaufen haben", betont er. Dubielzig ist technischer Projektmanager bei der ESK GmbH aus Holzwickede, die den Umstellungsprozess koordiniert. Zum konkreten Fall sagt er: „Ich habe Verständnis dafür, dass der Monteur so gehandelt hat. Man stelle sich nur einmal vor, was passiert wäre, wenn jemand aufgrund zu hoher Kohlenmonoxidwerte zu Schaden gekommen wäre. Dann hätte sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet." Die Tatsache, dass die zu hohe Messung aufgrund einer falschen Einstellung entstanden ist, bedauert er, betont aber: Vor menschlichen Fehlern sei niemand gefeit und bezeichnet den Vorfall als Einzelfall. „Bei 500 Umstellungen, die wir bis Ende Januar vorgenommen haben, gab es zwei Sperrungen. Und das ist eine Quote, die wir auch aus anderen Gebieten kennen", sagt Dubielzig. In über 90 Prozent dieser Fälle war seiner Auskunft nach zuvor die Heizung nicht fachgerecht gewartet worden. Frank Burshille überzeugt das nicht. Er rät dazu, jede Stilllegung prüfen zu lassen, und kündigt zudem an, sich bei einem Fachmann informieren zu wollen, ob der kurzfristig zu hohe Gasdruck seiner Heizung möglicherweise geschadet habe.

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