Hier wird hart verhandelt: Das Verwaltungsgebäuder der Gerry Weber International AG. - © Marc Uthmann
Hier wird hart verhandelt: Das Verwaltungsgebäuder der Gerry Weber International AG. | © Marc Uthmann

Halle Keine Einigung in Sicht: Verhärtete Fronten bei Gerry Weber

Auch die Verhandlungen am Montag über das vom Modekonzern einbehaltene Weihnachtsgeld bringen kein Ergebnis. Bei Sozialplan und Interessenausgleich sieht es nicht besser aus


Halle. Die Gespräche zwischen IG Metall, Betriebsrat sowie dem Vorstand des verlustreichen Modemachers Gerry Weber sind weiterhin schwierig. „Wir müssen noch ein dickes Brett bohren", sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen. Er betonte: „Das Weihnachtsgeld für 2018 muss komplett ausgezahlt werden." Der Vorstand sei allenfalls zu einer Teilzahlung bereit. „Aber den Zahn haben wir ihm gezogen." Das Sanierungspaket beinhaltet auch tarifliche Einschnitte. So sollen 1.200 der 5.000 Beschäftigten in Deutschland drei Jahre lang auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Um welche Summe es dabei geht, habe der Vorstand nicht richtig erklärt. „Wir werden dem Paket auf keinen Fall komplett zustimmen. Auf das Weihnachtsgeld 2018 werden wir nicht verzichten", betonte der Gewerkschafter. Der Vorstand soll nun alle Zahlen auf den Tisch legen. „Wir wissen beispielsweise nicht, welchen Beitrag die leitendenden und außertariflich bezahlten Angestellten leisten." Die „Schmerzen" müssten auf alle verteilt werden, forderte Menningen. Vom Unternehmen, das den Kreditgebern bis Ende Januar ein Finanzierungskonzept zur Sanierung vorlegen muss, gab es keine Stellungnahme. Optimistischer klang auch der Gerry-Weber-Betriebsratsvorsitzende Lutz Bormann nicht, eher sogar verärgert: „Wir sind momentan noch ergebnisorientiert, aber das kann ganz schnell kippen. Dann muss man eben vor eine Einigungsstelle ziehen", sagte er nach langen Verhandlungen auf betrieblicher Ebene. „Wir haben da auf der anderen Seite eine harte Nuss zu knacken", betonte Bormann. Weiterhin ziehe sich das Unternehmen auf das auf Druck der Banken erstellte Sanierungsgutachten zurück, an das man gebunden sei. Das sei mit Blick auf Interessenausgleich und Sozialplan beim anstehenden Personalabbau allerdings keine Verhandlungsbasis. "Das Unternehmen bietet viel zu wenig an" Erneut sollen wie berichtet 900 Stellen konzernweit wegfallen, davon 300 am Stammsitz Halle. „Das Unternehmen hat zwar angeboten, wieder eine Transfergesellschaft für die gekündigten Mitarbeiter einzurichten, aber ansonsten bietet es viel zu wenig an", so Bormann gegenüber dem Haller Kreisblatt. Vor allem die offerierten Abfindungszahlungen seien deutlich zu niedrig. „Da würden die Leute mehr bekommen, wenn sie gegen die Kündigung klagen", kritisierte der Betriebsratsvorsitzende das Angebot. Zwar sei der Betriebsrat bereit, über den Personalabbau zu reden und spreche mit dem Vorstand auch darüber, wie dieser in den jeweiligen Abteilungen umgesetzt werden könne. „Aber wir werden die Mitarbeiter nicht unter Preis verkaufen", kündigte Lutz Bormann an. Verhandelt wurde am Montag wieder in großer Runde von bis zu 20 Personen: Gewerkschaft, Betriebsrat, Vorstand, Personalabteilung, Experten aus den Abteilungen, Berater, viele Anwälte auf beiden Seiten – lediglich die Besetzungen wechselten mitunter je nach Thema oder gerade betroffener Abteilung. Gerry-Weber-Vorstandschef Johannes Ehling saß nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden etwa die Hälfte der Zeit mit am Tisch, für das Unternehmen führten Sanierungsvorstand Florian Frank und Personalchef Dirk Wefing die Gespräche. Und der Verhandlungsmarathon wird auf beiden Seiten fortgesetzt: schon am kommenden Montag, 14. Januar.

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