Alte Zeitungen auf der Stricknadel. - © Marita Drees
Alte Zeitungen auf der Stricknadel. | © Marita Drees

Kreis Gütersloh Diese Frau strickt aus alten Zeitungen Klamotten

Im Internet wird sie von ihren Fans die "Zeitungzugoldspinnerin" genannt. Doch nicht nur für ihr Strick-Handwerk bekommt die 53-Jährige laufend alte Ausgaben geschickt

Altkreis Halle. Was bei vielen in der blauen Tonne landet, verwandelt sich bei Marita Drees in Hüte, Körbe, Tischsets, Lampenschirme ... Die 53-Jährige hat eine Methode entwickelt, um aus Zeitungen Garn herzustellen, mit dem sie sogar stricken kann. Beispiele für diese Technik zeigt die Münsterländerin regelmäßig auf Handarbeitsausstellungen, in Workshops oder auch im Internet. Inspiriert zu diesem ungewöhnlichen Handwerk wurde Drees vor knapp zwei Jahren durch den Künstler Ivano Vitali. Der Italiener stellt ebenfalls Zeitungsgarn her. Drees ging noch einen Schritt weiter: „Um diese Kunst auf Alltagsgegenstände zu übertragen, fing ich an zu experimentieren und mir eine eigene Methode zum Zeitungsspinnen auszuklügeln." Inzwischen verarbeitet sie ihr Garn in alles Mögliche – vom Teelichtglas über Handyhüllen und Taschen und Wandbildern. Besichtigung der offenen Zeitungsspinnerei Neben den Stricknadeln und Zeitungen benötigt sie dafür nur noch einen Klebestift. „Wie ich das Zeitungspapier zu Garn verdrehe, lässt sich schwer erklären, ich zeige es aber in meiner offenen Zeitungsspinnerei", sagt Drees. Und dahin lädt sie natürlich auch ostwestfälische Besucher ein.Nicht nur für ihr Handwerk sammelt Drees alte Zeitungen. Sie tüftelt momentan auch an einem Kunstprojekt für Qualitätsjournalismus und Pressevielfalt. Hundert Zeitungsausgaben aus Deutschland hat sie dafür schon zugeschickt bekommen. Deren Zeitungstitel vereinen sich in einer riesigen Collage. Ein Mix aus Lokalzeitungen aber auch überregionalen Medien wie der ZEIT oder der WELT verschmelzen darin. Drees will damit ein Zeichen setzen. „Lassen wir es nicht so weit kommen wie in den USA, wo das Zeitungssterben bereits in vollem Gange ist. Dort gibt es tatsächlich schon Gebiete, aus denen überhaupt nicht mehr journalistisch berichtet wird", bedauert sie und fährt fort: „Dabei ist gerade in Zeiten von Halbwahrheiten und Fake-News auf den Social-Media-Kanälen Qualitätsjournalismus mit gut recherchierten, verlässlichen Fakten ein wichtiges, schützenswertes Gut. Ob als E-Paper oder als gedruckte Zeitung, die Redaktionen leisten mit ihren fundierten Informationen eine unverzichtbare Arbeit." "Das erschüttert mich immer wieder" Sie sei erschüttert, wie in vielen Ländern mit unabhängigen Journalisten umgegangen werde: „Das bewegt und erschüttert mich immer wieder." Seitdem sie mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit gegangen ist, trudeln täglich neue Zeitungsköpfe für ihre Collage bei ihr ein – teilweise sogar aus den 80ern. „Nie hätte ich gedacht, dass so viele Menschen aus ganz Deutschland meinem Aufruf folgen würden, meinen Einsatz für Pressevielfalt mit der Zusendung von Titelseiten ihrer Tageszeitung zu unterstützen."

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