Leere Kleiderbügel: Der kriselnde Gerry Weber will massiv Kosten sparen. - © picture alliance
Leere Kleiderbügel: Der kriselnde Gerry Weber will massiv Kosten sparen. | © picture alliance

Wirtschaft Gewerkschaft droht mit Klagen gegen Gerry Weber

IG Metall: "Weihnachtsgeld steht den Mitarbeitern zu"

Marc Uthmann

Halle. Die Gewerkschaft sieht sich brüskiert. „Bisher gab es einen vernünftigen Umgang miteinander. Aber wie das Unternehmen agiert hat, finde ich unmöglich", sagt Ute Herkströter, erste Bevollmächtigte der IG Metall Bielefeld. Die Rede ist vom Modemacher Gerry Weber. Vorstandssprecher Johannes Ehling hatte auf einer Mitarbeiterversammlung angekündigt, das Weihnachtsgeld für 2018 nicht auszuzahlen – ohne dies mit der Gewerkschaft vorher abzustimmen, wie Herkströter betont. Gerry Weber habe zwar signalisiert, dass ein Mitarbeiterbeitrag benötigt werde, um den Standort zu erhalten. Doch keinesfalls sei darüber Einigung erzielt worden, das Weihnachtsgeld für 2018 zu streichen. „Das steht den Mitarbeitern nach dem Tarifvertrag zu. Dann kann man es doch nicht einfach einbehalten", kritisiert die Gewerkschafterin. In nur drei Tagen 150 neue Mitglieder Von einer regelrechten Eintrittswelle in die Gewerkschaft als Reaktion berichtet Herkströter: „Wir hatten innerhalb von drei Tagen 150 neue Mitglieder. Und zwar sowohl aus der Logistik im Ravenna-Park als auch vom Verwaltungssitz." Der Organisationsgrad der IG Metall beim Modekonzern sei inzwischen so hoch, „dass wir ein Mandat haben, tätig zu werden". Mitglierderversammlung  am Samstag Die Gewerkschaft hat für Samstagmorgen zur Mitgliederversammlung nach Steinhagen eingeladen. Denn zwei beziehungsweise drei Monate nach der Gehaltsabrechnung muss der Anspruch auf die Jahressonderzahlung geltend gemacht werden. Ihre Höhe liegt bei 82,5 Prozent des Monatsverdienstes, beziehungsweise der Ausbildungsvergütung – für Beschäftigte der Gerry Weber Logistics bei 40 bis 50 Prozent. Diese Forderungen und das Mandat auf Verhandlungen mit der Konzernspitze über das Weihnachtsgeld will sich die IG Metall am Samstag abholen. Gutachten in Auftrag gegeben Notfalls „werden wir unseren Mitgliedern empfehlen, zu klagen", so Herkströter. Auch Streiks schließt sie nicht aus, betont aber: „Das Unternehmen will mit uns grundsätzlich ja über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln und wir sind auch bereit dazu." Allerdings soll sich dafür zunächst ein von der IG Metall bestellter Gutachter einen Überblick über Zahlen verschaffen.

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