Wegen eines Handys droht der Prozess zu platzen. - © dpa
Wegen eines Handys droht der Prozess zu platzen. | © dpa

Halle/Bielefeld Überfall auf Ehepaar in Halle: Prozess droht zu platzen

Landgericht: Schöffe soll bei Zeugenvernehmung mit Handy hantiert haben. Strafverteidiger stellen Antrag auf Befangenheit. Haftbefehle gegen Angeklagte müssten aufgehoben werden

Nils Middelhauve
Jürgen Mahncke

Halle/Bielefeld. Der Prozess gegen vier Angeklagte, die in Halle am 29. November vergangenen Jahres ein älteres Ehepaar im Schlaf überfallen und ausgeraubt haben sollen, droht zu platzen. Peter Wüller, Vertreter der Nebenklage, befürchtet, dass damit auch die Haftbefehle gegen die vier syrischstämmigen Angeklagten aus Werther, Bielefeld, Wuppertal und Dortmund aufgehoben werden müssen und sie damit auf freien Fuß kommen. Grund für das Desaster ist ein Schöffe, der gestern im Prozess während der Vernehmung von Zeugen mehrfach sein Handy benutzt haben soll. Die Strafverteidiger haben daraufhin bei Gericht beantragt, den Schöffen wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Wie zu erfahren war, hat die Strafkammer inzwischen mehrere Zeugen, die zu kommenden Prozesstagen geladen waren, wieder ausgeladen. Kürzlich hat es ein Urteil des Bundesgerichtshofes gegeben, wonach ein Schöffe kein Handy benutzen darf, da er sonst dem Prozess nicht folgen könne. „Ich sah, dass sie alle vermummt waren. Da war mir klar, dass das ein Überfall war." In der gestrigen Verhandlung schilderte das Opfer Erika S. ihre Erinnerungen: „Mein Mann und ich schliefen und wurden mitten in der Nacht geweckt", berichtete die 79-Jährige. „Neben meinem Bett stand ein Mann. Ich dachte zunächst, ich sei noch im Traum." Dann habe sie jedoch weitere Personen im Schlafzimmer wahrgenommen: „Ich sah, dass sie alle vermummt waren. Da war mir klar, dass das ein Überfall war." Der Mann, der neben ihrem Bett stand, habe Geld gefordert. „Ich stand auf und ging mit ihm zu einer Geldkassette", berichtete die Zeugin. Sie habe dem Täter 100 Euro in die Hand gegeben, doch der wollte mehr. „Daraufhin habe ich noch 60 Euro aus einem Portemonnaie geholt", sagte die resolut wirkende Frau. „Wir gingen zurück ins Schlafzimmer. Dort stand ein Stuhl, auf den ich mich setzen sollte. Da hatte ich dann doch ein wenig Angst und fragte mich, was jetzt wohl geschehen würde." Die Männer fesselten Erika S. mit Klebeband und klebten ihren Mund zu. „Einer hielt mir dann noch ein Messer an den Hals", berichtete die Rentnerin. Sie habe den Männern immer wieder gesagt, dass nicht mehr Geld da sei. Es habe etwas gedauert, bis die Täter dieses wohl auch eingesehen hätten und gegangen seien. Nach einer Weile habe sie sich weitgehend befreien und telefonieren können: „Ich habe meinen Sohn angerufen, der dann die Polizei verständigte."

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