Vier fremde Männer waren ins Schlafzimmer des Ehepaares eingedrungen und forderten Geld. - © picture alliance / dpa
Vier fremde Männer waren ins Schlafzimmer des Ehepaares eingedrungen und forderten Geld. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Prozess in Bielefeld: 79-Jährige wurde gefesselt und bedroht

Vier fremde Männer waren ins Schlafzimmer des Ehepaares eingedrungen und forderten Geld

Nils Middelhauve

Halle/Bielefeld. Es war eine Szene wie aus einem schlechten Traum: Als die Eheleute S. am 29. November des vergangenen Jahres mitten in der Nacht in ihrem Haus in Halle-Hörste erwachten, standen fremde Männer im Raum und forderten Geld. Vor dem Bielefelder Landgericht ist nun der Prozess gegen vier syrischstämmige Angeklagte aus Werther, Bielefeld, Wuppertal und Dortmund, die an jenem Überfall beteiligt gewesen sein sollen, fortgesetzt worden. In der Verhandlung schilderte Erika S. ihre Erinnerungen an jene Nacht. „Mein Mann und ich schliefen und wurden mitten in der Nacht geweckt", berichtete die 79-Jährige in der Verhandlung. „Neben meinem Bett stand ein Mann. Ich dachte zunächst, ich sei noch im Traum". Dann habe sie, fuhr die Rentnerin fort, jedoch weitere Personen im Schlafzimmer wahrgenommen: „Ich sah, dass sie alle vermummt waren. Da war mir klar, dass das ein Überfall war." Der Mann, der neben ihrem Bett stand, habe Geld gefordert. „Ich stand auf und ging mit ihm zu einer Geldkassette", berichtete die Zeugin. Täter kannten sich im Haus wohl anscheinend aus Sie habe dem Täter 100 Euro in die Hand gegeben, doch der wollte mehr. „Daraufhin habe ich noch 60 Euro aus einem Portemonnaie geholt", sagte die resolut wirkende Frau. „Wir gingen zurück ins Schlafzimmer. Dort stand ein Stuhl, auf den ich mich setzen sollte. Da hatte ich dann doch ein wenig Angst und fragte mich, was jetzt wohl geschehen würde." Die Männer fesselten Erika S. mit Klebeband und klebten ihren Mund zu. „Einer hielt mir dann noch ein Messer an den Hals", berichtete die Rentnerin. Sie habe den Männern immer wieder gesagt, dass nicht mehr Geld da sei. Es habe etwas gedauert, bis die Täter dieses wohl auch eingesehen hätten und gegangen seien. Nach einer Weile habe sie sich weitgehend befreien und telefonieren können: „Ich habe meinen Sohn angerufen, der dann die Polizei verständigte." Dass die Männer das Ehepaar S. als Opfer ausgesucht hatten, lag – auch nach Aussage eines der Angeklagten – an einem Tippgeber: Ein Mann, der Hilfsarbeiten für das Paar ausgeführt hatte, hatte den Tätern den Raub schmackhaft gemacht. „Das war ein ganz sympathischer Mensch. Aber ich hatte gleich den Verdacht, dass der dahintersteckte. Die Männer kannten sich offenbar bei uns aus", so die Seniorin. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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