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Kirchennachwuchs: Das "Weiter wirkt"-Festival lockte nach Halle. - © Sarah Jonek
Kirchennachwuchs: Das "Weiter wirkt"-Festival lockte nach Halle. | © Sarah Jonek

Halle Kleiner Kirchentag in Halle fordert legale Einwanderung

Flüchtlingskrise: EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm ruft zu gemeinsamer europäischer Hilfe auf / Präses Kurschus betont Vielfalt im Glauben

Lena Henning
09.05.2016 | Stand 09.05.2016, 08:45 Uhr

Halle. Auf einem großen Festival in Halle mit mehr als 20.000 Besuchern haben Vertreter der evangelischen Kirche Westfalens legale Wege für Flüchtlinge nach Europa gefordert. Das Festival unter dem Motto „Weite wirkt" stand ganz im Zeichen der aktuellen Flüchtlingssituation. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sieht Christen in der Verantwortung, sich für eine gerechte Welt einzusetzen. „Die Kirche muss ihre christlichen Werte authentisch und öffentlich vorleben", sagte er. Politisch verlangte er schnellere Asylverfahren und legale Einreisemöglichkeiten. „Das Abendland kommt aus dem Morgenland", mahnte Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche in Westfalen. Damit machte sie deutlich, dass die evangelische Kirche keine Angst vor Zuwanderung hat, sondern in der Vielfalt – auch des Glaubens – eine Bereicherung sieht. „Wir sind verpflichtet, den Menschen jetzt konkret zu helfen" Die zentrale Diskussion zu diesem Thema stand unter dem Titel „Menschen Zuflucht und Heimat geben – Wie schaffen wir das?" Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) verteidigte das Abkommen mit der Türkei, das die Rückführung von Flüchtlingen vorsieht, die es bis nach Griechenland geschafft haben. Die Türkei soll Geld bekommen, um die Flüchtlinge zu versorgen. „Wir sind verpflichtet, den Menschen jetzt konkret zu helfen", sagte Altmeier. Auch wenn die Flüchtlingszahlen derzeit zurückgingen, werde das Thema Politik und Gesellschaft auch in Zukunft weiter beschäftigen. Altmaier lobte die Pläne für ein Integrationsgesetz, das dazu beitragen werde, dass Migranten sich auch integrieren könnten. Bedford-Strohm dagegen forderte ein Einwanderungsgesetz: „Natürlich ist Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft und das sollten wir auch bejahen." Er sieht die Europäer in der Pflicht, zu zeigen, was es bedeutet, sich auf christliche Werte zu berufen. Es sei ein Armutszeugnis, dass ausgerechnet Europa angesichts dieser humanitären Katastrophe nicht helfe. „Wir dürfen unsere Grenzen nicht schließen", sagte er und forderte eine gemeinsame und solidarische Flüchtlingspolitik für ganz Europa. Altmaier und Bedford-Strohm betonten zudem unisono, dass Muslime in Deutschland selbstverständlich im Rahmen des Grundgesetzes ihre Religion ausüben dürften. Allerdings mahnte Bedford-Strohm auch, dass sich niemand auf die Religionsfreiheit berufen dürfe, der Menschen drangsaliere, die sich taufen ließen und zum Christentum konvertierten.

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