Museumsleiter Rolf Westheider und Renate Horsmann (Vorsitzende des Heimatvereins) neben dem jüngsten Neuzugang in der Rollstuhl-Sammlung des Museums, der erst kürzlich aus den Niederlanden geholt worden ist. - © FOTO: HOLGER KOSBAB
Museumsleiter Rolf Westheider und Renate Horsmann (Vorsitzende des Heimatvereins) neben dem jüngsten Neuzugang in der Rollstuhl-Sammlung des Museums, der erst kürzlich aus den Niederlanden geholt worden ist. | © FOTO: HOLGER KOSBAB

Gütersloh Alte Schätzchen auf Rädern

Ausstellung im Stadtmuseum zeigt historische Rollstühle / Eröffnung am Sonntag

VON HOLGER KOSBAB

Gütersloh. Die Geschichte des Rollstuhls ist – zumindest aus Gütersloher Sicht – um eine wichtige Facette reicher. Denn Heinrich Wilhelm Voltmann, der 1871 in Bad Oeynhausen wohl die erste deutsche Rollstuhlfabrik gründete, wurde am 4. Juni 1843 in Gütersloh geboren. Herausgefunden hat das Martin Wedeking während seiner Arbeit an der neuen Ausstellung im Stadtmuseum.

Die Schau "Zimmerfahrstühle und Handbetriebs-Fahrräder – aus der Geschichte des Rollstuhls" zeige für Museumsleiter Rolf Westheider, wie ein kleines Haus trotz schwindender personeller und materieller Möglichkeiten wissenschaftlich arbeite "und in einer Liga spielt, die ernst genommen wird". Vor allem aber erfülle die Exposition den Anspruch, Neues zu präsentieren. Das Themenfeld Rollstühle und ihre Geschichte sei nahezu unbeackert. "Damit besetzen wir eine kleine Forschungsnische und liefern einen exklusiven Beitrag", sagte Westheider.

Information

Führung zum Start

Die Ausstellung im Stadtmuseum läuft bis zum 14. April.

Die Schau ist von mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Zur Eröffnung an diesem Sonntag, 10. März, führt Ausstellungsmacher Martin Wedeking um 15 Uhr durch die Exposition.(hko)

Auf die Besucher wartet der Forschungszwischenstand des Ausstellungsmachers Martin Wedeking. Alle Exponate sind aus dem Stadtmuseumsbestand. Für ein solch kleines Haus sei dies "einzigartig". Üppiger seien nur die Sammlungen einiger Privatleute und großer Kliniken.

Zwei Rollstühle sind gerade erst aus den Niederlanden geholt worden. Bei der Auslösung des Klosters Simpelveld waren auf dem Dachboden zwei alte Schätzchen wiederentdeckt worden. Einer aus den 1860er Jahren mit Baldachin, einer mit geflochtenem Sitz aus den 1890er Jahren. Außer mit solchen Hinguckern erzählt Wedeking die Geschichte der Rollstühle mit Fotografien und Schautafeln.

Ausstellungsmacher Martin Wedeking in einem Handbetriebs-Rollstuhl (um 1930) aus Isselhorst.
Ausstellungsmacher Martin Wedeking in einem Handbetriebs-Rollstuhl (um 1930) aus Isselhorst.

"Die ersten Rollstühle waren für den höfischen Bereich oder für Menschen, die es sich leisten konnten", sagte Wedeking. Allerdings seien aus der frühen Zeit keine Stücke mehr erhalten. Die Serienfertigung habe im 18. Jahrhundert in England begonnen. In Deutschland sei sie im 19. Jahrhundert gestartet – mit eben jenem Heinrich Wilhelm Voltmann aus Gütersloh. Mit zeitweise vier Herstellern war Bad Oeynhausen eine Hochburg der Rollstuhlproduktion. Ihren Ausgang haben Wedekings Forschungen in der früheren Ausstellung "Die Entdeckung der Beweglichkeit". Seitdem ist er von Rollis jeder Art fasziniert.

Stolz sind Wedeking und Westheider darauf, dass sie am ersten Juli-Wochenende das 23. Symposium medizinhistorische Museologie ausrichten. Es ist ein Geschenk für ein ganz und gar nicht angestaubtes Fest: der 25. Geburtstag des Stadtmuseums.

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