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Gütersloh Anwälte beantragen Freilassung

Ex-Frau und Tanzpartnerin des Weltklasse-Tänzers Peter K. sagt als Zeugin aus

VON EIKE J. HORSTMANN
22.12.2013 | Stand 20.12.2013, 20:23 Uhr
Peter und Magdalena K. kamen 1974 nach Deutschland und feierten Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften. Gestern sahen sie sich erstmals nach 30 Jahren am Landgericht wieder. - © FOTO: DOMASS
Peter und Magdalena K. kamen 1974 nach Deutschland und feierten Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften. Gestern sahen sie sich erstmals nach 30 Jahren am Landgericht wieder. | © FOTO: DOMASS

Gütersloh. Wenn es nach dem Willen der Rechtsanwälte von Peter K. geht, wird ihr Mandant womöglich schon zum Weihnachtsfest auf freiem Fuß sein. Die Verteidigung stellte am Bielefelder Landgericht einen Antrag auf Haftverschonung. "Wenn überhaupt, liegt lediglich eine versuchte Tötung auf Verlangen vor", sagt Anwalt Holger Rostek. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rietberger Tanzlehrer hingegen vor, seine Frau Marion L. im Dezember des vergangenen Jahres erstickt und anschließend einbetoniert zu haben.

Hintergrund für den Antrag der Verteidiger ist der Umstand, dass ein neuerlich beantragtes rechtsmedizinisches Gutachten des Münsteraner Gerichtsmediziners Andreas Schmeling nicht eindeutig nachweisen konnte, dass Peter K. seine Frau getötet hat (die NW berichtete am 12. Dezember). Vielmehr bestünde die Möglichkeit, dass Marion L. an Herzversagen gestorben sei. Dies sollen nun weitere Gutachten belegen, welche die Rechtsanwälte gleich in einem Dutzend Anträgen vom Gericht einforderten.

Bei der Anfertigung der rechtsmedizinischen, kardiologischen und psychologischen Gutachten soll allerdings auf die Dienste Schmelings verzichtet werden: Die Verteidigung wirft ihm "Fehlleistungen" oder gar "Vertuschung" vor, unter anderem weil er von der Obduktion keine Fotos angefertigt habe. Dadurch könne die Beschaffenheit des laut Obduktionsbericht drastisch vergrößerten Herzens nicht mehr nachvollzogen werden. Zudem habe Schmeling im Verlauf des Prozesses die Herzerkrankung Ls. mit dem Verweis auf noch schwerere Herzen, die er bei Obduktionen schon gesehen habe, relativieren wollen.

Die neuen Gutachten sollen nun die Aussagen Peter Ks. stützen. So sei der vom Angeklagten geschilderte Verlauf des Todes – L. habe nach Luft geschnappt, die Augen weit aufgerissen und ihr Gesicht sei rot angelaufen – typisch für einen Herztod. Außerdem seien die nach seiner Schilderung ausgebliebenen, bei einem Erstickungstod aber reflexartig auftretenden Abwehrbewegungen ein Zeichen dafür, dass L. bereits vor dem "Verlegen der Atemwege bereits verstorben" sei – auch wenn K. weiter der Meinung sei, dass er den Tod seiner Frau beschleunigt habe.

Die Staatsanwaltschaft behielt sich zu den Anträgen eine Stellungnahme vor, das Gericht muss noch über sie entscheiden. Bis dahin sollten zwei Zeugenaussagen weitere Einblicke in das Leben und in die Psyche des Angeklagten bringen. Gehört wurde zunächst die erste Ehefrau Peter Ks., Magdalena K., mit der er aus Ungarn nach Deutschland floh und große Erfolge als Tanzpaar feierte. Die heute in Bayern als Tanzlehrerin arbeitende 59-Jährige beschrieb ihre Verbindung als Liebes- und Zweckehe. "Wir wollten gemeinsam Erfolg haben", so K. Irgendwann sei es ihr aber "wie Schuppen von den Augen" gefallen, dass sie mit ihrem Mann zwar "tänzerisch Gas gegeben" habe, aber darüber hinaus kein Leben aufbauen könne. Die Trennung sei dann 1981 erfolgt. Es habe zwischen den Eheleuten zwar Streit, aber keine körperliche Gewalt gegeben. Die Frage der Vorsitzenden Richterin Jutta Albert, ob sie sich vorstellen könne, dass K. einen Menschen ersticken oder sich zu einer Tötung auf Verlangen hinreißen lassen könne, verneinte die Zeugin.

Als zweiter Zeuge wurde der Psychologe Siegfried Binder gehört, der seine Eindrücke aus den Gesprächen mit K. schilderte. Bei diesen sei der Angeklagte sehr emotional gewesen, die Sitzungen mussten mehrfach unterbrochen werden, weil K. in Tränen ausgebrochen sei. Auch bei den Schilderungen Binders wirkte K. im Gerichtssaal aufgewühlt, stützte sein Gesicht in die Hände. Letztlich habe K. gegenüber dem Psychologen seine bereits am ersten Verhandlungstag abgegebene Schilderung der Vorfälle des 18. Dezembers wiederholt. Danach habe er seine Frau, nachdem sie in der Wohnung zusammengebrochen war, auf ihren Wunsch hin getötet und anschließend "mit sehr viel Tränen" in der Inspektionsgrube der Garage "beerdigt". Auf die Frage, warum er statt die Wahrheit zu erzählen rund ein Vierteljahr lang ein komplexes Lügengebäude über den Verbleib seiner Frau aufrecht erhalten habe, verwies K. auf seine Erfahrungen im Prozess: Seine Schilderungen würde kein Mensch glauben, daher habe er sich "was ausdenken müssen."

Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.

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