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Gütersloh "Einen Kübel von Mist ausgekippt"

Tanzschulbetreiber Gerhard Weissenberg sagt im Prozess gegen den Rietberger Peter K. aus

VON EIKE J. HORSTMANN
16.11.2013 | Stand 14.11.2013, 20:03 Uhr
Tanzschulenbetreiber Gerhard Weissenberg.
Tanzschulenbetreiber Gerhard Weissenberg.

Gütersloh. Bei professionell betriebenem Tanztraining bekomme man fast zwangsläufig eine enge Beziehung, so Gerhard Weissenberg. Und doch habe der Gütersloher Tanzschulbetreiber trotz langer Zusammenarbeit mit dem Rietberger Tanzlehrer Peter K. nie eine Freundschaft aufgebaut. "Es war mir immer suspekt, was er gemacht hat", sagte Weissenberg im Prozess gegen K. am Bielefelder Landgericht aus. K. wird vorgeworfen, seine Frau Marion L. im Dezember 2012 erstickt und in seiner Garage einbetoniert zu haben.

Mehrere Jahre habe Weissenberg Peter K. und seine erste Frau trainiert und das Ende der 70er Jahre als Ungarische Meister nach Gütersloh gekommene Paar zur Deutschen Vize-Amateurmeisterschaft und ins WM-Finale der Amateure geführt. Nachdem sich das Paar getrennt hatte, habe er Peter K. "aus dem Blickfeld verloren" und ihn erst Ende der 80er Jahre gemeinsam mit Marion L. bei einer Ball-Veranstaltung bei Bertelsmann wieder getroffen. Zuletzt habe er vor zwei Jahren von ihm gehört, als er an seiner Tanzschule in Gütersloh mit einem Ehepaar ins Gespräch gekommen sei.

Dies habe berichtet, dass Peter K., der sie in einem Gütersloher Tanzclub unterrichtet habe, ihnen Finanzanlagen verkauft habe, die sich nach einem halben Jahr in Luft aufgelöst hatten. Wer genau dieses Paar war, wusste Weissenberg nicht.

Mit dieser Aussage wollte es die Verteidigung indes nicht bewenden lassen. "Sie erzählen hier vieles, was Sie vom Hörensagen wissen", sagte Anwalt Holger Rostek. Zudem habe er nicht erst bei der gerichtlichen Vernehmung den Eindruck gewonnen, dass Weißenberg Peter K. nicht besonders möge. "Sie haben schon bei der Polizei einen Kübel von Mist über den Angeklagten ausgekippt", so Rostek. So habe Weißenberg damals ausgesagt, dass wenn K. irgendwo getanzt hatte, nachher etwas gefehlt habe.

Der Anwalt beharrte darauf, dass Weißenberg die Namen der Tanzschüler nennen sollte, die ihm von etwaigen Betrügereien berichtet hätten. Den Einwand des Zeugen, dass er die Leute nur vom Sehen kenne und sich nicht an die Namen erinnere, ließ er nicht gelten: "Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, dass Sie sie kennen." Weißenberg verneinte dies vehement, erklärte aber, dass er die Namen in Erfahrung bringen könne – was das Gericht dann auch umgehend einforderte.

Knapp eine Stunde später kehrte er mit einer ganzen Liste von Leuten zurück, die bei Finanzgeschäften mit K. geschädigt worden seien. "Einige sind auch bereit, dies vor Gericht zu bekräftigen", so Weißenberg. Damit gaben sich sowohl die Verteidiger als auch die Richter und der Staatsanwalt zufrieden – der Zeuge wurde entlassen.

Ein gänzlich anderes Bild von Peter K. hatte wiederum der Bausparkassen-Berater Hubert D. gewonnen, bei dem K. am 20. März dieses Jahres wegen eines Modernisierungskredites vorstellig geworden war. "Er wirkte sehr solide, mit Anzug und Krawatte", sagte D. aus.

Die Finanzierung des auf 50.000 Euro bezifferten Kredites sei in erster Linie auf das Einkommen von Marion L. abgestellt worden. D. habe Peter K. ein Angebot unterbreitet, dieser wollte sich wieder melden. "Ich hatte ein gutes Gefühl, dass das Geschäft zustande kommt", so D. Dazu kam es allerdings nicht mehr, Peter K. wurde wenige Tage später inhaftiert. Für Wirbel sorgte schließlich die Zeugin Leonie M., die gleich eingangs ihrer Aussage feststellte, noch am 20. Dezember 2012 sowohl mit Peter K. als auch mit Marion L. telefoniert zu haben – K. hatte am ersten Prozesstag ausgesagt, dass er seine Frau am Vormittag des 18. Dezember getötet habe. Auf intensive Befragung von Richterin Jutta Albert geriet die zunächst felsenfeste Überzeugung der Zeugin jedoch ins Wanken, letztlich konnte M. nicht ausschließen, nicht vielleicht doch bereits am Abend des 18. Dezember mit den Eheleuten gesprochen zu haben.

Der Prozess wird am Dienstag, 19. November, fortgesetzt.

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