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Gütersloh Mit RWE-Aktien verspekuliert

Kämmerin hält Verkauf in mehreren Tranchen für ratsam

VON RAINER HOLZKAMP
06.10.2013 | Stand 04.10.2013, 20:16 Uhr
Kämmerin Christine Lang
Kämmerin Christine Lang

Gütersloh. "Halten und vergessen". Diese Devise gab Kämmerin Christine Lang vor fast genau zwei Jahren in der bis dato letzten Debatte über den Umgang mit den 83.500 RWE-Aktien im Depot der Stadt aus. Nun sieht es eher nach "Erinnern und verkaufen" aus. Das wäre ein Ende mit Schrecken.

Erst die Finanzkrise, dann die Energiewende, beides ließ den Kurswert der Aktie des Energiekonzerns immer weiter in den Keller rauschen. Gestern lag er knapp über 25 Euro. Das ist zwar nur ein Minus von einem Euro gegenüber dem Stand von 2011, als im Finanzausschuss mal wieder nach der optimalen Anlagestrategie gesucht wurde. Allerdings hatte die Stadt vor Jahren noch gehofft, das Wertpapier-Paket für mindestens 80 Euro pro Stück verkaufen zu können.

Der kalkulierte Erlös von 6,4 Millionen Euro sollte ursprünglich zur Finanzierung des Theaters beitragen. Doch diese Rechnung ist älter als die Lehman-Pleite und der Atomunfall von Fukushima.

Immerhin, trotz des gefallenen Kurses konnte die Stadt meistens eine ordentliche Dividende einstreichen und damit bequem die Kosten für einen entsprechenden Theater-Kredit decken. Die sogenannte Grenzdividende liegt bei 2,70 Euro. Jeder Cent darüber brachte der Stadt Überschüsse ein. Doch damit ist es nun wohl endgültig vorbei.

Vor einigen Tagen hatte der RWE-Aufsichtsrat beschlossen, die inzwischen ohnehin bereits auf zwei Euro zusammengestrichene Dividende für 2013 auf einen Euro zu halbieren. Zudem soll die künftige Ausschüttung an die Aktionäre von 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses auf 40 bis 50 Prozent gesenkt werden.

CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer sprach diesen Umstand in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses an. Hinter verschlossenen Türen wurde freilich nur kurz darüber gesprochen. Bis zur nächsten Beratung im Dezember erwartet die Kämmerin ein Signal aus den Fraktionen.

Lang schwebt, wie sie gegenüber der NW andeutete, ein Verkauf in mehreren Tranchen vor. "Wir sollten lieber nicht alles auf eine Karte, einen Zeitpunkt setzten. Dann macht man es sowieso falsch." Sie halte einen Zeitraum von etwa zwei Jahren für sinnvoller.

Die kleinerem Fraktionen wie Grüne, BfGT und FDP hätten sich am liebsten schon längst von den RWE-Aktien getrennt. "Spekulationsgeschäfte gehören nicht zu einer soliden Haushaltsplanung", sagt Wolfgang Büscher (FDP). Und nach Ansicht von Norbert Morkes (BfGT) "findet man sowieso nie den richtigen Zeitpunkt."

Ein besserer Zeitpunkt als jetzt wäre beispielsweise 2010 gewesen. Damals war die Aktie noch 70 Euro wert, und die Dividende lag bei 3,50 Euro.

Die Kämmerin bleibt dennoch gelassen. Schließlich sei der Stadt kein Verlust entstanden. "Es haben sich nur gewisse Erwartungen nicht erfüllt."

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