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Gütersloh/Bielefeld Unverständnis nach Geständnis

Prozessauftakt gegen Rietberger Peter K. am Bielefelder Landgericht

Von Eike J. Horstmann
28.09.2013 | Stand 26.09.2013, 21:41 Uhr
Verteidiger Holker Rostek im Gespräch mit Peter K. (v. l. ). Der ehemalige Weltklassetänzer hat gestanden, seine Frau getötet zu haben. Die Leiche wurde in einem Betongrab in der Garage gefunden. - © FOTO: PATRICK MENZEL
Verteidiger Holker Rostek im Gespräch mit Peter K. (v. l. ). Der ehemalige Weltklassetänzer hat gestanden, seine Frau getötet zu haben. Die Leiche wurde in einem Betongrab in der Garage gefunden. | © FOTO: PATRICK MENZEL

Gütersloh/Bielefeld. Im Dezember 2012 verschwand die Rietbergerin Marion L. (63). Im März wurde dann ihre Leiche gefunden – einbetoniert in der Inspektions-Grube ihrer eigenen Garage. Ihr Mann, der ehemalige Weltklasse-Tänzer und Finanzberater Peter K. (68), gestand, seine Frau getötet zu haben. Die X. Große Strafkammer des Bielefelder Landgerichtes entscheidet seit gestern darüber, ob K. seine Frau auf Verlangen getötet hat – oder ob er wegen Totschlags verurteilt wird.

Gleich zum Beginn des von Richterin Jutta Albert geleiteten Prozesses verlas Peter K. eine Erklärung. "Man muss die Entwicklung sehen, die zur Tragödie geführt haben", so K. Seine Frau habe ihre zahlreichen schweren Erkrankungen gegenüber ihren Mitmenschen geheim gehalten, so dass einzig Peter K. in vollem Umfang mitbekommen habe, dass sie täglich massive Schmerzen gehabt habe. "Sie wollte nicht auffallen", sagte K. Er habe darunter gelitten, den "liebsten Menschen mit Schmerzen kämpfen zu sehen." Zudem habe Marion L. ein zerrüttetes Verhältnis zu ihrem Sohn aus erster Ehe zusätzlich belastet. Im September 2012 habe Peter K. seine Frau  nach einem schweren Asthma-Anfall wiederbelebt. Damals habe sie ihm gesagt, dass er das nie wieder machen solle. Am 18. Dezember habe Marion L. dann erneut eine Attacke erlitten. "Sie lag auf dem Boden und sagte: Hilf mir sterben", sage K. unter Tränen. "In meiner verzweifelten Lage habe ich ihr mit meiner Hand Mund und Nase zugehalten." Nach Einbruch der Dunkelheit habe er die Leiche in die Garage verbracht und dort in eine Grube gelegt. "Ich habe sie dort beerdigt, damit sie bei mir bleibt. Das hat mich getröstet", so K. – die Zuhörer im Gerichtssaal quittierten dies mit einem Raunen.

In den Tagen nach seiner Tat kaufte K. Zement, mit denen er die Grube zuschüttete. Der Familie berichtete er, dass Marion K. ihn für einen Arzt namens Alvarez, den sie bei einem Urlaub in Dubai kennengelernt hatten, verlassen habe. Den Nachbarn erklärte er hingegen, Marion L. sei in Spanien zur Kur. Richterin Albert reagierte auf die Einlassungen mit Unverständnis, zumal K. auf die Frage, warum er nicht, nachdem er wieder bei Sinnen war, die Polizei gerufen habe, nur ausweichend antwortete. "Wenn man jemanden so innig geliebt hat und ihr Leid kaum ertragen kann, wie passt das zusammen, dass man ihn mit zwölf Säcken Beton zuschüttet?", fragte Albert. Auch die Geschichten, mit denen K. Familie, Bekannte und die Polizei täuschte, stießen auf Verwunderung. "Das ist ein komplexes Lügengebäude. Warum haben Sie das erfunden, statt zu einem Anwalt zu gehen?", hakte Staatsanwalt Veit Walter nach. Auch hier blieb K. vage: "Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Und ich musste ja was sagen, warum sie nicht zu Hause ist."

Der als Zeuge geladene Hausarzt Marion Ls, der Rietberger Internist Sebastian Haun, zog die Äußerungen Ks. zum Leidensweg seiner Frau in Zweifel. Zwar habe L. an schwerwiegenden Krankheiten gelitten, habe ihm gegenüber aber geäußert, dass sie durch die Behandlung "ihren Alltag gut bewältigen" könne. Zudem habe er L., die er seit 2002 behandelt, als eine lebensbejahende Frau kennengelernt. Der Rechtsmediziner Andreas Schmeling, der die Obduktion Ls. durchgeführt hatte, äußerte Skepsis gegenüber der Schilderung des Tatverlaufs. K. hatte ausgeführt, dass seine Frau weitestgehend still auf dem Rücken gelegen habe, als er sie tötete. Schmeling führte an, dass Ersticken ein "überaus qualvoller Tod" sei, bei dem die Erstickungsangst unkontrollierte Abwehrbewegungen hervorrufe. Ks Verteidiger, der Bielefelder Rechtsanwalt Holger Rostek, führte die Verwirrung und Erregung seines Mandanten an, aufgrund deren K. den Todeskampf nicht bemerkt habe. Der Prozess wird am Donnerstag, 10. Oktober, fortgesetzt.

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