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Gütersloh/Bielefeld Tragisches Ende einer Disko-Nacht

Tödliche Auseinandersetzung wird neu verhandelt

25.09.2013

Gütersloh/Bielefeld. Eine Auseinandersetzung vor einer Gütersloher Diskothek hatte im Dezember 2010 einen jungen Mann das Leben gekostet. Das Bielefelder Landgericht verurteilte 2011 einen heute 23 Jahre alten Mann aus Werl wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies den Fall an das Bielefelder Landgericht zurück.

Seit gestern muss sich der aus Werl stammende Volkan K. (Namen aller betroffenen geändert) wegen des Verdachts des versuchten Totschlags erneut vor Gericht verantworten. Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt nun Ahmet B. (20) aus Rheda-Wiedenbrück – die Ermittler werfen ihm Körperverletzung mit Todesfolge vor.

Die Staatsanwaltschaft geht von folgendem Geschehen aus: In der Nacht auf den 12. Dezember 2010 traf der erheblich angetrunkene Ahmet B. auf dem Parkplatz einer an der Hans-Böckler-Straße in Gütersloh gelegenen Diskothek auf drei junge Männer. Er rempelte einen der Disko-Gäste an. Als dieser sich jedoch nicht auf den beabsichtigten Konflikt einlassen wollte, schlug B. zu. Der 19-jährige Jaroslaw J. wollte schlichten und wurde von B. unvermittelt mit der Faust zu Boden geschlagen. Nun trat der bislang völlig unbeteiligte Volkan K. hinzu und versetzte dem am Boden liegenden J. einen Fußtritt gegen den Kopf. Jedoch sei, so die Anklage, nicht hinreichend sicher feststellbar, dass jener Tritt auch todesursächlich gewesen sei. Denn: Beim Schlag gegen seinen Kopf hatte J. einen Kaugummi verschluckt, der sich auf den Kehlkopf legte und die Luftröhre verschloss. Es kam zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand, infolgedessen J. irreversible Hirnschäden erlitt. Er starb am 16. Dezember 2010 in einem Krankenhaus in Hamm.

Auf Revision der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger hatte der Bundesgerichtshof das zunächst gegen Volkan K. ergangene Urteil aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an eine andere Kammer des Bielefelder Landgerichts zurückverwiesen. In der gestrigen Sitzung vor der III. Großen Strafkammer – einer Jugendkammer – des Landgerichts räumten die Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Schläge und den Fußtritt ein. Allerdings, erklärte Verteidiger Ulrich Kraft für seinen Mandanten K., habe es sich dabei eher um ein Schieben mit der Fußinnenseite denn um einen Tritt gehandelt.

Ahmet B. berichtete, dass er am Morgen nach dem Vorfall auf Facebook gelesen habe, dass es vor der Diskothek zu einer Auseinandersetzung gekommen sei und ein Jugendlicher im Koma liege. "Ich war geschockt und wusste nicht, was ich machen sollte", führte B. gestern aus, "ich wusste ja, dass ich beteiligt war. An so etwas hatte ich natürlich nicht gedacht." Am nächsten Morgen stellte er sich der Polizei.

Der Prozess wird heute vor dem Bielefelder Landgericht fortgesetzt.

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