Gütersloh Assyrer haben Angst um ihre Heimat

Demonstration in der Innenstadt: Viele halten Bilder des Staatschefs Assad in die Höhe

VON ROLF BIRKHOLZ
03.09.2013 | Stand 01.09.2013, 19:40 Uhr
Die Sicherheitskräfte hatten kein Problem mit der friedlichen Kundgebung.
Die Sicherheitskräfte hatten kein Problem mit der friedlichen Kundgebung.

Gütersloh. Fast hätte man sich in Damaskus wähnen können. Assyrer protestierten gegen ein von den USA seit Tagen angekündigtes militärisches Eingreifen in den Bürgerkrieg in Syrien am Samstagmittag auch mit zahlreichen Bildern des syrischen Staatschefs Baschar al Assad.

Rund 120 Demonstranten, zusammengerufen vom Assyrien-Kulturverein, zogen vom Marktplatz über Friedrich-Ebert-, Kaiser- und Kökerstraße zum Kolbeplatz, um "Frieden für Syrien" zu fordern.

Neben Transparenten ("Hilferuf aus Gütersloh: Stoppt den Krieg in Syrien") und syrischen Flaggen wurde das Porträt Assads als Foto sowie aufgedruckt auf T-Shirts oder Fahnen getragen. An einem Foto steckte ein frommes Jesus-Bild. Das passt nur scheinbar nicht zusammen: Die Assyrer, zumeist aus der Türkei, aber auch aus anderen nahöstlichen Staaten stammende orthodoxe Christen syrischsprachiger Tradition, wissen sich als Minderheit unter dem Schutz des selbst zur islamischen Minderheit der Alewiten gehörenden Assad.

Wie von einzelnen Demonstranten zu hören war, fühlen sich syrische Christen selbst unter einem Diktator Assad sicherer als unter dem befürchteten Diktat von Islamlisten. Ebenso häufig wie Assad-Fotos waren Bilder der von islamistischen Terroristen entführten orthodoxen Bischöfe Gregorius Hanna Ibrahim und Mor Boulos Yzagi zu sehen.

"Danke, Deutschland, danke, Russland, danke, China", wurden während des Demonstrationszuges Länder hervorgehoben, die sich bislang gegen militärische Eingriffe zugunsten der Assad-Gegner ausgesprochen haben. Die Assyrer skandierten, US-Präsident Barrack Obama solle sich aus Syrien heraushalten. "Frieden schaffen ohne Waffen", hieß es. Klassenkämpferische Töne brachte eine Abordnung der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), die sich in den Demonstrationszug eingereiht hatte, hinein: "Hinter dem Faschismus steht das Kapital, der Kampf um Befreiung ist international."

Auch viele Frauen und Kinder demonstrierten mit, auf dem Transparent eines Jungen stand: "Gütersloh! Hilf uns, unseren Frieden zu finden!!". In Anbetracht dessen, dass im Raum Gütersloh viele, zumeist der Bedrängnis in der Südost-Türkei entflohene Christen eine sichere neue Heimat gefunden haben, fand ein Demo-Teilnehmer es "traurig, dass so wenige da sind".

Ein Redner der Schlusskundgebung auf dem Kolbeplatz sagte, die in Syrien eingeströmten Islamisten und Salafisten bedrohten Christen wie Muslime. "Sie plündern die antike syrische Kultur", hieß es weiter. "Wir lehnen diesen Krieg entschieden ab." Auf einem Flugblatt wurde die EU aufgefordert, "diese Terroristen nicht zu unterstützen." Und weiter: "Syrien soll nicht wie Irak oder Afghanistan enden."

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